Die Deutsche Bank und der Welthunger
von saveourseeds
Ein Bericht der Deutschen Bank Research unter dem Titel “Lebensmittel eine Welt voller Spannung” konstatiert in bisher ungekannter Klarheit: “Die Landwirtschaft muss sich ändern, um die Welt zu ernähren.” Die Analyse der jüngsten Erkenntnisse zu Marktentwicklung und Nachhaltigkeit der weltweiten Landwirtschaft, insbesondere auch des Weltagrarberichts, liest sich über weite Strecken wie eine verdichtetes Papier von Entwicklungs- und Umweltorganisationen. Eine gut getimte Grundlage für globale Diskussionen über die Welt-Hungerlage, die Aufgaben eines neuen Verbraucher- und Landwirtschaftsministers und die Reform der EU-Agrarpolitik.
Die entscheidenden Faktoren zur Veränderung der Lage sind die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern, eine ausgewógene und gesunde Ernährung in allen Teilen der Welt und eine Umgestaltung der Landwirtschaft nach der Kriterien WIderstandfähigkeit, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Der Beitrag fordert öffentliche Investitionen in die landwirtschaftliche Entwicklung, Bildung und Forschung, weist auf die Auswirkungen der hohen Konzentration im Agrar- und Lebensmittelbusiness hin, fordert die Überprüfung der gegenwärtigen Agrar-Spritförderung, warnt vor der immer engeren Bindung der Lebensmittel- und Ölpreise und macht die Klima-Rechnung unserer immer fleischlastigeren und höher verarbeiteten Ernährung auf. Er rechnet vor weshalb die Explosionen auf dem Agarpreismarkt v.a. die Armen trafen und ihre teilweise Erholung ihnen dennoch bisher wenig nutzte.Er plädiert für eine öffentliche Lebensmittelreserve gegen die Preissprünge und eine Überprüfung der EU-Subventionen auf ihren Nachhaltigkeitsgehalt und ihre negativen Wirkungen auf die Welternährung, für drastische Senkung der Lebensmittelverschwendung und bessere Abfallverwertung.
Die “Landwirtschaft der Zukunft” werde von Knappheiten und deshalb steigenden Preisen geprägt sein. Sie muss Effizienzsprünge in der Nachhaltigkeit mit einer Steigerung der Produktivität vor Ort verbinden.
Biotechnologische Forschung und ökologisch integrierte Ansätze werden als wesentliche technologische Innovationspfade gegenübergestellt, wobei Bio in mancher Hinsicht deutlich besser wegkommt.
Der Handels- und Finanzteil des Berichts besticht durch eine präzise Analyse, wenn auch nicht durch die vorgeschlagenen Massnahmen der Markt-Liberalisierung. Dass ein von Knappheit geprägtes Welthandelssystem nicht mehr allein den Zugang zu Absatzmärkten sichern muss, sondern umgekehrt den einigermassen gerechten Zugang zu knapperen Gütern ist immerhin ein bemerkenswerter und wegweisender Gedanke.
Kurzum an dieser Stelle: Wir empfehlen die kompakte Lektüre der Deutschen Bank allen, die sich schnell einen Überblick über die globale Ernährungslage verschaffen wollen, wärmstens.
P.S. topagrar schreibt: Deutsche Bank kritisiert moderne Landwirtschaft und erntet dazu interessante bäuerliche Kommentare.
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Der Bericht ist interessant, zumal er zeigt, wie sich im Laufe der Jahrzehnte auch bei der Deutschen Bank einige Lernprozesse vollzogen haben. 2 Kritikpunkte habe ich allerdings:
1. Hinter dem Begriffe “Bio-Technologie” verbirgt sich ggf. Agrogentechnik. Diese ist aber erstens weder notwendig zur Sicherstellung der globalen Ernährung in Gegenwart und Zukunft, noch ist sie aufgrund unwägbarer Risiken mit unkontrollierbaren Auskreuzungen etc. in vieler Hinsicht verantwortbar.
2. Zu fatalistisch wird unterstellt, dass Anbauflächen verloren gehen. Zu sehr kann dies den Effekt einer selbserfüllenden Prophezeihung haben. Besser wäre es gewesen, ausdrücklich verstärkte Maßnahmen gegen Desertifikation als notwendig zu benennen. Dazu zählen Projekte wie Afrikas sog. “grüne Mauer” im Sahel, zudem ähnliche kleinere Projekte des Green Belt Movement, und nicht zuletzt auch indirekte Maßnahmen wie Solarkocher, welche Brennholz (und Kerosin) einsparen, vgl. z.B. http://www.tiloo.ch . Antidesertifikationsmaßnahmen sollten weltweit stark gefördert werden – auch durch Reduzierung von Überweidung wie etwa im Sahel oder in Ost-Patagonien, dazu Aufforstung etc (auch mit Büschen und Gräsern), und nicht zuletzt diese Maßnahmen unterstützt durch künstliche Bewässerung, wofür das Wasser durch Meerwasseraufbereitung mithilfe von regenerativer Energie bereit gestellt werden könnte (z.T. soar direkt durch solare Verdunstungs-Technik, vgl. etwa Water Cone Systems et al.)