“Neuer Greenpeace-Chef kündigt Strategiewechsel an” verkauft der Spiegel ein Interview mit dem frisch gebackenen Direktor von Greenpeace International, Kumi Naidoo (oben) und treibt mich mit dieser Pressemitteilung zum Kiosk: “Skeptisch äußert sich Naidoo dagegen über die grundsätzlich ablehnende Haltung von Greenpeace gegenüber Techniken wie etwa der Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid in Kraftwerken oder der grünen Gentechnik. Angesichts von Entwicklungen wie dem Goldenen Reis, der unterernährte Kinder mit Vitamin A versorgen und vor der Erblindung bewahren könnte, wolle er prüfen, ob diese Positionen nicht revidiert werden müssten: “Wir müssen sichergehen, keine neue, richtige Entwicklung zu verpassen.” … weiter lesen
Archive for November, 2009
Wenn in Indien der Lebensmittelpreis-Index innerhalb einer Woche von 14,6% auf 15,6% gegenüber dem Vorjahr ansteigt, ist das nicht irgendeine Meldung. Über ein Viertel der Hungernden dieser Welt sind Inder. Aktuelle Gründe sind ein Mix aus Klima- und Finanz-Problemen. Ausbleibende Monsoon-Regen und anschließende Regengüsse zur Unzeit haben zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Die Finanz-Intervention der Regierung zur Steigerung der Industrieproduktion heizt die Inflation an. Ein Vorgeschmack auf den nächsten “perfect storm” am Ernährungshorizont? Der UN-Beauftragte für Ernährungssicherheit, Olivier de Schutter, erwartet schon 2010 eine neue Nahrungskrise. … weiter lesen
Gut dass man mal drüber geredet hat? Der Welternährungsgipfel der FAO wird in die Geschichte als ein Armutszeugnis internationaler Politik eingehen. Die Weltgemeinschaft der Potentaten und Staatschefs erwies sich einmal mehr als unfähig und unwillg, wirkliche Probleme gemeinsam anzugehen. Ein Vorgeschmack auf Kopenhagen? … weiter lesen
P.S.
Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika hatten 49 Millionen US-Amerikaner (15% der Bevölkerung) im Jahre 2008 nicht immer genug zu essen, darunter 17 Millionen Kinder, 4,3 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor. Dies ist die höchste Zahl seit Beginn dieser Aufzeichnungen. … weiter lesen
Unhaltbare Versprechen, Grabenkriege um die Kontrolle globaler Entwicklungsgelder und Ernährungs-Institutionen, ungelöste Widersprüche um Agrarsprit, Welthandel und die Verteilung der Klima- und Umweltkosten, Arroganz der Industriestaaten und falsche Rücksichtnahme gegenüber Regierungen, die den Hunger in ihren Ländern nicht wirksam bekämpfen, prägen das Bild des Welternährungsgipfels, der heute in Rom begonnen hat und bereits nach einer Stunde seine Abschluß-Erklärung verabschiedete. … weiter lesen
US-Präsident Obama hat den ehemaligen Leiter für Entwicklung der Melinda und Bill Gates Stiftung, Rajiv Shah (36) als neuen Leiter der US Entwicklungs-Behörde USAID nominiert. … weiter lesen
Jaques Diouf und Benedikt der XVI
Es sagt natürlich nicht nur etwas über die Geltungssucht des libyschen Revoltionsführers, sondern auch über die Wahrnehmung von “Spiegel Online” aus, wenn dessen Aufruf an 500 “niedliche” Italienierinnen, bei einer Gala mit ihm für 50 Euro plus einer Koran-Ausgabe Gedanken auszutauschen, bisher die einzige Meldung des Online-Organs zum Welthungergipfel in Rom ist. In etwas groteskem Gegensatz zum Ernst der Lage, werfen Gaddaffi’s Alluren, der Auftritt des Menschenverächters Robert Mugabe, die Verschiebung des Korruptionsprozesses gegen Silvio Berlusconi wegen dessen Auftritt zur Eröffnung des Gipfels und der Gipfel der “First Ladies” ein obskures Medienlicht auf die Veranstaltung. … weiter lesen
Der Chef der Welternährungsorganisation FAO, Jaques Diouf wird für einen Tag nichts essen, um damit auf den Hunger in der Welt aufmerksam zu machen. Seine PR Abteilung nennt dies ein wenig vollmundig einen “Hungerstreik” . … weiter lesen
No, we can’t: So hatte sich die US Botschaft in Berlin die roadshow ihrer Gentechnik-Bauern wohl doch nicht vorgestellt. Nachdem wir in der letzten Woche auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hatten, war das Interesse sichtlich grösser als vorgesehen. Jedenfalls rief ein Herr Achilles heute bei vielen, die sich angemeldet hatten an, um ihnen mitzuteilen, dass für sie kein Platz mehr sei. Der Raum fasse leider nur 40 Personen… Unser Angebot, zusammen mit der Botschaft ausserhalb ihrer sichtlich beengten Verhältnisse eine zweite Diskussion mit den Gentechnik-Farmern Gary Schmalshof und Gordon Wassenaar zu organisieren, an der dann alle Interessierten teilhaben könnten, lehnte Achilles kategorisch ab. “Das war nicht vorgesehen”, beschied er mir knapp am Telefon.
Kanadischen Farmern ist die Verunreinigung ihrer Ernte mit der gentechnisch veränderten Flachs-Sorte “Triffid”, die nirgends auf der Welt mehr zugelassen ist, in die Glieder gefahren. Ein Desaster: Die Preise für ihr Omega-3-Fettsäure haltiges Gesundheitsprodukt brechen ein und ein 300 Millione Dollar Markt ist in Gefahr, wie die kanadische Globe and Mail berichtet. Triffid wurde mittlerweile in 36 Staaten rund um den Globus gefunden.