Greenpeace jetzt für Gentechnik?
von saveourseeds
“Neuer Greenpeace-Chef kündigt Strategiewechsel an” verkauft der Spiegel ein Interview mit dem frisch gebackenen Direktor von Greenpeace International, Kumi Naidoo (oben) und treibt mich mit dieser Pressemitteilung zum Kiosk: “Skeptisch äußert sich Naidoo dagegen über die grundsätzlich ablehnende Haltung von Greenpeace gegenüber Techniken wie etwa der Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid in Kraftwerken oder der grünen Gentechnik. Angesichts von Entwicklungen wie dem Goldenen Reis, der unterernährte Kinder mit Vitamin A versorgen und vor der Erblindung bewahren könnte, wolle er prüfen, ob diese Positionen nicht revidiert werden müssten: “Wir müssen sichergehen, keine neue, richtige Entwicklung zu verpassen.”
Im Original liest sich dies freilich schon etwas anders:
Spiegel: Die Gentechnik hat den Goldenen Reis hervorgebracht, der unterernährte Kinder mit Vitamin A versorgen und vor der Erblindung bewahren könnte. Was hat ein afrikanischer Greenpeace-Chef dagegen?
Nicht Naidoo, sondern der Spiegel ist also der Meinung, mit “Golden Rice” könnten unterernährte Kinder gerettet werden.
Naidoo: Über diese Frage habe ich ein ganzes Wochenende nachgedacht. Ich habe keine naturwissenschaftliche Erfahrung, und deshalb will ich auch alle unsere wissenschaftlichen Positionen noch einmal untersuchen. Wir müssen sichergehen, keine neue, richtige Entwicklung zu verpassen.
Mehr sagt Naido erst mal nicht. Man ist geneigt zu denken “naja, davon versteht er nix und redet sich erst mal raus” – von Strategiewechsel (ausser dass er jetzt öfter mal hungerstreiken will) ist wenig zu erkennen. Allerdings wird der neue Mann an der Spitze der (Um)Weltorganisation wohl noch länger als ein Wochenende darüber nachdenken, auf welche Goldwaage man als Greenpeace-Häuptling seine Worte legen muss und wie schnell man in dieser Position mitten in die “Hund beißt Mann”-”Sch…” tritt, ohne die der Rest seiner Ausführungen wohl keine Vorabmeldung wert gewesen wäre. Vielleicht sollte er sogar seine Vorgänger danach befragen weshalb Greenpeace immer dann am besten fuhr, wenn es Taten statt Worte (zumal seiner Chefs) für sich sprechen ließ.
Zur Sache gäbe es in aller Kürze Folgendes anzumerken: Der Vitamin-A-Reis ist alles andere als neu. Er wird seit nunmehr 10 Jahren durch die Medien gezogen, ohne dass je ein von Vitamin-A-Mangel geplagter Mensch in seinen Genuss gekommen wäre. Das hat viele Gründe, von denen einige mit technischem Versagen, andere mit Patentstreitigkeiten und wieder andere damit zu tun haben, dass die ganze Idee vielleicht von Anfang an nicht die beste war und nicht aus der Praxis des Kampfes gegen Vitamin-A-Mangel entstand, sondern aus dem Bedürfnis, den Wohltaten Gentechnik, jenseis von Pestizid-Toleranz in Monokulturen, ein humanitäres Aushängeschild zu verschaffen.
Um dies zu erkennen bedarf es weniger naturwissenschaftlicher Erfahrung, als gesunden Menschenverstandes. Vitamin-A Mangel, in der Regel eines von mehreren Symptom schwerer Unter- und Fehlernährung und daraus folgender Krankheiten, wird durch sogenannte “Biofortifikation” seit Jahrzehnten mit teilweise gutem Erfolg bei Schwangeren und Kleinkindern bekämpft. Allerdings kann eine solche spezielle Verabreichung des lebenswichtigen Mikronährstoffes keine ausgewogene Ernährung ersetzen. Dafür sind Hausgärten und andere Formen nachhaltiger Verbesserung der Ernhährungsqualität sehr viel besser geeignet. In Notsituationen dagegen wirken direkte Gaben von Vitamin-A und nicht seines Vorläufers Beta-Karotin (wie beim “Golden Rice”) zuverlässiger und schneller, weil der Körper beispielsweise Öl und eine ausreichende gesundheitliche Konstitution braucht, um das Provitamin-A zu verarbeiten. Gerade daran aber mangelt es den Betroffenen häufig, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO aus langjähriger Erfahrung weiss. Sie hat deshalb das von der Rockefeller Fundation und Syngenta gesponsorte Projekt der Molekularbiologen Beyer und Potrykus nie wirklich unterstützt.
Eine ausführliche Bestandsaufnahme des “Golden Rice” Projektes, seiner tatsächlichen wie medialen Wirkung legte übrigens unlängst foodwatch, die Organisation des Naidoo-Vorgängers Thilo Bode, vor. Auch Greenpeace selbst ist seit Beginn des Projekts dem “Goldenen Reis” auf der Sput geblieben.
Als ich (damals noch Leiter der Gentechnik-Kampagne von Greenpeace International) Herrn Potrykus im Jahre 1999 tief enttäuschte, weil ich nach intensiven Diskussionen mit ihm und vielen anderen Experten auf einer Pressekonferenz die Menge an Reis aufhäufte, die damals nötig gewesen wäre, um sich über sein Konstrukt die von der WHO empfohlene Tagesration Vitamin A einzuverleiben, stand er neben mir und mußte mir beipflichten. Seither hält Potrykus Greenpeace gerne für den Schuldigen am Versagen seines Projektes, hat Syngenta das Konstrukt komplett neu erstellt, hat sich herausgestellt, dass auch natürlich vorkommende Reissorten hohe Mengen an Beta-Karotin enthalten, sind tausende von Artikeln über die angebliche Wunderwaffe erschienen und hat doch noch kein Kind je diesen Reis gegessen – mit Ausnahme einiger Kinder, an denen er in jüngster Vergangenheit wohl erstmal getestet wurde.
Die Debatte um das Für und Wider des Reises ist mittlerweile ein Standard-Stoff in Curricula für Studenten.
Kumi Naidoo mag all das vielleicht an jenem denkwürdigen Wochenende noch nicht vollständig erfaßt haben. Was er ab Montag wissen sollte, ist, wie schnell man als Greenpeace-Chef aufs Glatteis geführt wird. Wir wünschen ihm bei seiner weiteren Arbeit viel Erfolg und ein wenig mehr Glück im Umgang mit den Medien.
Weitere goldene Worte des neuen Vorsitzenden Kumi Naidoo gibts auf youtube
Update 2.12.2009
Wir sind beeindruckt: Frau Happach-Kasan von der FDP verteidigt in einem Kommentar Greenpeace gegen unsere Missverständnisse, die CDU/CSU Fraktion des Deutschen Bundestags begrüßt den angeblichen Sinneswandel bei Greenpeace und auch die Süddeutsche schließt sich dieser Lesart an.
Besonders gefreut haben wir uns über einen Kommentar von Prof. Ingo Potrykus, dem Erfinder des “Golden Rice”, auch wenn seine Argumente einmal mehr nicht wirklich überzeugen konnten. Sein Statement, die Verzögerungen hätten “nichts mit Patenten oder technischen Schwierigkeiten zu tun. Sie beruht ausschliesslich auf den Vorschriften für den Umgang mit transgenen Pflanzen.” legen die Frage nahe weshalb in der gleichen Zeit Dutzende anderer Gentechnikpflanzen genehmigt wurden. Zu seiner Behauptung, schon eine Tasse seines Reistyps von 1999 hätte ausgereicht um ein Kind vor Vitamin-A-Mangel zu bewahren, haben wir tief in unseren Archiven gekramt und stellen hier die damalige Originalberechnung zur Verfügung.
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Nun mal langsam, liebe Leute. Dass noch kein Kind in den Genuß dieses Reises gekommen ist, hat weder mit Patentstreitgkeiten noch mit technischem Versagen zu tun, sondern damit, dass diesem Projekt von Anfang an Hürden in den Weg gelegt wurden, die nur mit großem Aufwand überwunden werden konnten. Denn es ist ja Gentechnik im Spiel, und da kann man die Wissienschaftler doch nicht einfach unkontrolliert mal eben so ins Feld lassen.
Im übrigen sollte es sich auch bis zu den tapferen und unermüdlchen Streitern von Save our Seeds herumgesprochen haben, dass die Firma Syngenta im Jahr 2004 – also immerhin vor 5 Jahren – eine neue Variante ins Spiel gebracht hat, den Golden Rice No. 2, der einen sehr viel höheren Gehalt an Provitamin A hat als der ursprüngliche Typ.
Was hindert eigentlich die wackeren Gentechnikgegner daran, einfach mal abzuwarten, wie sich dieser Reis, so er denn den Bauern an die Hand gegeben werden kann, bewährt? Es ist davon die Rede, dass er 2011 oder 2012 reif sein soll für den kommerziellen Anbau.
Grundsätzlich kann doch wohl keine genmanipulierte Pflanze abwartend an Bauern gegeben werden um zu prüfen wie die Pflanze sich so bewährt!
Genau darum geht es bei Gentechnikgegner, die Folgen sind einfach nicht abzusehen und auch sofern der erste Feldversuch gestartet worden ist nie mehr rückgängig zu machen.
Und nebenbei, welche Pflanze interessiert es, ob die Genmanipulation für den Menschen oder gegen Schädlinge ist. Die Unsummen welche in die Erforschung und Entwicklung des Golden Rice gehen sollten lieber in die Entwicklung örtlicher und alternativer Projekte gehen um die Ernährung von Menschen im den Ländern welche diese Hilfe benötigen eigenständig sicher zu stellen.
Herr Langelüddeke, ich schätze es ist ein gutbezahltes Hobby von Ihnen, Greenpeace und den ‘Gentechnikgegnern’ mal so richtig die (wessen eigentlich?) Meinung zu sagen. An Ihrer Stelle hätte ich aber einen Link auf Ihren Artikel zur ‘Wahlfreiheit à la Greenpeace’ verlinkt. Dann weiß wenigstens jeder, aus welcher Ecke hier unter Übergehung der wichtigsten Argumente polemisiert wird.
Ist die Büchse der Pandora erst mal offen und die gentechnisch manipulierte Saat auf dem Acker, kann man diesen “Feldversuch” nicht mehr ungeschehen machen. Wind, Vögel und anderes Getier werden die Samen munter verbreiten, es kommt zu Kreuzbestäubungen etc.
Das wird dann problematisch, wenn der Reis z.B. zu Unfruchtbarkeit führt. Kanadische Bauern haben schon Erfahrung mit unfreiwilligen Experimenten. Beispielhaft für alle steht Percy Schmeiser.
Golden Rice wird ab 2012 von Reisbauern in Südostasien angebaut und von da ab helfen, die schlimmen Folgen von Vitamin A-Mangel zu reduzieren. Die Verzögerung um zehn Jahre gegenüber der Situation einer nicht-transgenen neuen Sorte hat nichts mit Patenten oder technischen Schwierigkeiten zu tun. Sie beruht ausschliesslich auf den Vorschriften für den Umgang mit transgenen Pflanzen. Herr Haerlin hat nicht einmal mit seiner süffisanten Bemerkung recht, dass Kinder von unserem Prototyp seinen berühmten Berg an Reis hätten essen müssen. Selbst die Provitamin A-Konzentration unseres Prototyps von 1999 mit 1.6 Mikrogramm Provitamin A hätte bereits ausgereicht, Kinder mit einer Tasse Reis das fehlende Vitamin A zur Verfügung zu stellen. Mehr Details dazu auf der Golden Rice homepage http://www.goldenrice.org. Wir haben mit unserem humanitären Projekt seit 1999 viele Anfeindungen einstecken müssen und werden auch die verbleibenden Jahre noch überstehen, unabhängig davon, ob Greenpeace seine Meinung zu unserem Projekt ändert oder nicht.
Jede gentechnisch veränderte Pflanze hat exakt eine einzige Existenzberechtigung: sie schaufelt massenhaft Geld in die Taschen der Patentinhaber. Nicht nur ist das Saatgut teuer, nein, es muss auch noch jedes Jahr auf’s Neue gekauft werden. Und Bauern, die eigentlich gar keine dieser Pflanzen anbauen, müssen trotzdem Lizenzgebühren zahlen, weil etwas von “dem Zeuch” auf ihre Felder geweht wurde. Sorry – SO kann man weder Hunger noch Mangelernährung beseitigen.
Ein so genanntes Leitmedium wie Spiegel legt die Worte des Interviewpartner falsch aus, bastelt sich daraus BILD-Schlagworte, die mMn einzig und allein der Auflage nützen sollen (siehe Verfasser dieses Artikels, der sich dadurch zum Kauf genötigt sah) – und die Hauptkritik im Fazit geht dann an den Greenpeace-Chef?
Nein, mag sein das er mehr Medienkompetenz an den Tag legen sollte, dennoch hätte ich mir mehr kritisierende Worte in Richtung Spiegel gewünscht.
(Dennoch natürlich ein guter Artikel, vielen Dank.)
Niemand hat Herrn Naidoo auf´s Glatteins geführt. Die Frage nach dem Goldenen Reis ist im Übrigen vorhersehbar. Seine Ablehung durch verschiedene sich aus Spendengeldern finanzierende Organisationen ist allenfalls strategisch begründet, nicht jedoch inhaltlich. Was spricht dagegen, Kinder durch Goldenen Reis vor der Erblindung zu schützen? Nichts. Man muss mit viel Zynismus begabt sein, um die eigene Kommunikationsstrategie höher zu bewerten als das Wohl der Kinder der ärmsten Menschen.
Kumi Naidoo hat für sich in Anspruch genommen, selbständig denken und nicht einfach in ausgetretene Fußstapfen treten zu wollen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung.
Es ist wahr, der Goldene Reis hängt seit Jahren, wie das nun mal bei wissenschaftlichen Projekten nun mal so ist. Erfolge sind in SIcht und die regulatorischen Hürden sind enorm, die die meiste Zeit Kosten.
Dass Greenpeace nur Aktionen setzt und keine Strategie braucht ist ja wohl nur als Scherz zu verstehen. Sicherlich lebt Greenpeace von spektakulären Aktionen, es lebt aber auch von seiner Integrität und Naidoo tut gut daran moderne Technologien vorbehaltlos zu prüfen.
Verschiedene Gruppen (Global 2000, die Grünen) polemisieren seit Jahren, insbesondere mit dem Argument, dass Golden Rice ein Türöffenr für grüne GT in den betroffenen Ländern sein könnte.
Dieser Vorwurf ist heute genauso haltlos wie vor 10 Jahren, bloss jetzt ist er auch noch absurd. Die Anbauzahlen von GT veränderten Pflanzen sprechen eine andere Sprache, dieser Türöffnereffekt ist seit einem halben Jahrzehnt obsolet:
Für aktuelle Anbauzahlen von GMO: http://www.transgen.de/anbau/eu_international/531.doku.html
Herr Daniel, es mag ja mein Hobby sein, meine Meinung zum Thema Gentechnik und zur Rolle von Greenpeace zu sagen. Zur Sache, in diesem Fall zum Goldenm Rice, haben Sie offenbar nichts zu sagen. Da ist es dann einfacher, Leuten, die sich das Recht nehmen, anderer Meinung zu sein als Sie, zu unterstellen, sie würden dafür bezahlt. Sie können sich offenbar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die ohne davon zu profitieren, sich positiv zur Grünen Gentechnik zu äußern. Ich muss damit leben, dass Leute, die anderer Meinung sind als ich, ihre Meinung sagen. Nur diffamiere ich sie deswegen nicht,, wie Sie das tun. Damit es ganz klar ist: Die Euros, die mir Monsanto und Co angeblich zahlen, habe ich noch nie zählen können.
Zur Sache hat sich Professor Potrykus geäußert, und ich bin überzeugt davon, dass er am besten weiß wie es weiter geht.
Frau Happach-Kasan hat viele Jahre Fachbeiträge über die Norddt. Wasserstraßen wissenschaftlich veröffentlicht. Mit der Wahl in den Bundestag -für die FDP- ist aber die Agrogentechnik das neue Lieblingsthema..
Die FDP empfängt im Wahlkampf auch von der Chem. Industrie (dazu gehören auch die AgroGVO-Konzerne Bayer, Monsanto, ..bis Syngenta) regelmäßig veröffentlichungspflichtige (hohe Summen) Spendenzuweisungen.
PARTEI-SPENDEN mindern direkt die Steuerschuld!!!
VEREINS-Spende (Rotes Kreuz,…Greenpeace) sind nur von der Steuerzahlung absetzbar!!
Wie Herr Peter Langelüddeke ist sie Lobbiestin für die AgroGVO-Industrie – mit dem Status “Abgeordnenschutz” gehts einfacher!
Beiden stelle ich den WELTAGRARBERICHT entgegen http://www.weltagrarbericht.de/downloads/Wege_aus_der_Hungerkrise_2.4MB.pdf entgegen. Privatisierung und Patentierung von Wissen und Saatgut (AgroGVO ist immer patentiert) führt zur Monopolisierung (z.B. Nur 5 Agrochemie-Weltkonzerne).
Greenpeace & andere NGO existierten durch viele Mitglieder und/oder große und kleine Spenden. Vorallem aber sind die Veröffentlichungen durch verschiedenste Quellen gemeldet oder belegt. Zeugen sind einfachen Reisende, Helfer auf Un- oder Missionsstationen, oder die Mitarbeiter humanitärer Organisationen (Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen, Journalisten ohne Grenzen,….). Ihre Berichte kommen per Funkt, Telefon, oder sind für Jedermann als Foto´s, Videos im TV oder im Internet zu sehen.
Ohne jetzt speziell auf den “Golden Rice” eingehen zu wollen: Eine etwas differenziertere Haltung von Greenpeace zur Agro-Gentechnik würde ich sehr begrüßen. Viele bisherige Stellungnahmen von Greenpeace erscheinen mir eher wie ein publicity-suchendes generelles Eindreschen auf die Technologie, das der komplexen Problematik nicht gerecht wird.
Faszinierend. Da wagt es ein neuer Chef mal ein bisschen über den Tellerrand zu denken – und schon zerren ihn seine „Beamten“ zurück, die es sich kuschelig in ihrem Thema gemacht haben. Wenn man weiß, wie emotional das Thema Gentechnik in der politischen Debatte gespielt wird, wundert es nicht, dass Kumi Naidoo sich wieder hat einfangen lassen – denn sonst hätte er wohl nur geringe Chancen, sein Probezeit zu überleben. Und ich habe lange genug in einem Umweltverband gearbeitet um sagen zu können, dass ich weiß, wovon ich spreche.
Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie Greenpeace es schafft, auch gegen die neuen, gentechnisch veränderten Ölpflanzen anzurennen, die einen höheren Anteil an Omega-3 Fettsäuren haben und in Kürze auf den Markt kommen sollen (siehe http://www.newscientist.com/article/mg20427322.300-a-golden-age-for-gm-crops.html). Ernährungswissenschaftler schwören auf diese Fettsäuren zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen und selbst Greenpeace hat eine Studie vorgelegt, in der sie deren Vorzüge preist (Pressemeldung vom 28.6.2006).
Der Kritik an dem Beitrag von „Daniel“ möchte ich mich übrigens gerne anschließen. Ich finde es in der Tat erstaunlich: Da verstecken sich die meisten Menschen in Blogs hinter ihren Phantasiekürzeln und können den größten Unsinn verzapfen, ohne dass sich jemand aufregt. Aber sobald jemand – der auch noch den Mut hat, seinen Namen zu nennen – die „political correctness“ verlässt, wird den Argumenten nicht mehr inhaltlich begegnet, sondern in einem „Verschwörungstheorie-ähnlichem“ Stiel die Person auf Grund von „Abhängigkeitsverhältnissen“ diskreditiert.
Mit besten Grüßen, Jens Katzek (Und Ihnen lieber Herr „Daniel“: Viel Spaß beim googeln)
Herr Hubert,
in der Tat ist mein Hobby die Geschichte der norddeutschen Wasserstraßen, speziell der Stecknitzfahrt und ihres Nachfolgers, des Elbe-Lübeck-Kanals. Da Ihnen dies bekannt ist, könnten Sie auch wissen, dass ich sorgfältig recherchiere. Das gilt für die Grüne Gentechnik in gleicher Weise wie für die Stecknitzfahrt.
Es ist eine gern geübte Praxis von Gegnern der Gentechnik, Befürworter der Grünen Gentechnik, als Lobbyisten abzustempeln. Das zeigt sehr deutlich, dass es keine wirklichen Argumente gegen die Anwendung dieser Technik in der Pflanzenzüchtung gibt. Das Beispiel Goldener Reis zeigt dagegen, dass der erzwungene Verzicht auf die Nutzung transgener Pflanzen den ärmsten Menschen schadet. Die Berichte über den Anbau von Bt-Baumwolle in Indien zeigen sehr deutlich, dass die Nutzung dieser Sorten die schwierige Situation armer Bauern verbessert hat. Es ist auch nicht überraschend, dass ein Südafrikaner an der Spitze von Greenpeace vorgeschlagen hat, die Position zur Grünen Gentechnik zu überdenken. In Südafrika wird mit Erfolg Bt-Mais angebaut. Kleinbauern profitieren davon. China hat inzwischen bekannt gegeben, Gentechnik bei der Züchtung von Reis sowie von Mais anwenden zu wollen.
Das Rote Kreuz und Greenpeace sind nicht miteinander vergleichbar. Das ist ein dem Roten Kreuz gegenüber sehr unfairer Vergleich. Das Rote Kreuz ist ein Mitgliedsverband mit zahlreichen Mitgliedern und demokratischen Strukturen. Es wird wie in anderen Vereinen auch in erheblichem Umfang ehrenamtliche Arbeit geleistet. Bei Greenpeace darf man Geld abliefern, demokratische Mitwirkungsrechte gibt es nicht.
In der Drucksache 16/13629 werden vom Präsidenten des Deutschen Bundestages die in diesem Jahr erfolgten Großspenden (ab 50 000€) aufgeführt. Darunter ist keine Spende eines in der Biotechnologie tätigen Unternehmens an die FDP, im vergangenen Jahr gab es keine Großspende an die FDP.
Kleinbauern, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen, müssen jedes Jahr neues Saatgut von den Firmen kaufen, die ihnen wiederum Kredite anbieten, die aber zu sehr großen Teilen zur Finanzierung der Samen und Düngemittel genutzt werden müssen. Sie werden bewusst arm gehalten.
Die Bauern haben nur noch unfruchtbare Samen und werden abhängig von den großen Saatgutanbietern.
Und wenn man sich dann mal den Wasserverbrauch ansieht, der bei den neuen Pflanzen mehrfach erhöht ist (und Wasser ist ja gerade in Afrika z. B. in rauen Mengen vorhanden, nicht wahr?), dann fragt man sich, inwiefern es da eine Verbesserung für die Bauern geben soll.
Soll das beim dem goldenen Reis auch so funktionieren?
Und dann noch eine Frage:
Ist das Ziel Kindern mehr Vitamin A zukommen zu lassen oder spielen nicht eine konstant ausgewogene Ernährung und eine gute gesundheitliche Versorgung sowie Bildung die Hauptrolle?
Was – so wie es aussieht – nur zu erreichen ist, indem die Menschen sich unabhängig von den gierigen Firmen und den Spenden aus den Industrieländern machen können.
Sofern Vitamin A nicht maßlos unterschätzt wird (und dies in Wirklichkeit alles durch Vitamin A erreicht werden kann), sehe ich keinen Grund diesen Gen-Reis als Wundermittel zu präsentieren.