taz logo klein
logo taz.de logo tazblogs

Schrift

Schrift vergrößernSchrift verkleinern

China: Kontroverse um Gentechnik-Reis beginnt

von saveourseeds

Wenn “China Daily”, die größte englischsprachige Zeitung der chinesischen Regierung ein Thema diskutiert, signalisiert dies im Reich der Mitte zunächst eines: Kritik ist erlaubt. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem die Zensur noch immer den öffentlichen Diskurs bestimmt. Am vergangenen Donnerstag berichtete China Daily erstmals über Widerstand und Bedenken gegen das im November erteilte Sicherheitszertifikat der nationalen Biosicherheitsbehörde, das dazu führen könnte, dass gentechnisch veränderter Reis in drei bis fünf Jahren im größten Reisland der Erde kommerziell angebaut wird.Der Gentechnikreis habe weitreichendeFolgen sagte ein Professor und sei möglicherweise verfrüht, meint ein anderer. Das Blatt berichtet über heftige Debatten im Internet und Petitionen gegen die Zulassung und verweist auf die Warnungen von Greenpeace China. Ein gesonderter Artikel befaßt sich mit möglichen Gesundheits- und Umweltschäden durch gentechnisch veränderte Pflanzen.

Das Third World Network verweist in einem detaillierten Hintergrundartikel darauf, dass bereits verschiedenen Gentechnikpflanzen über das als Durchbruch und z.T. schon als Zulassung gefeierte Sicherheitszertifikat verfügen, ohne deshalb je kommerziell angebaut worden zu sein.

Eine der zwei Reis-Sorten, die beide (vor mittlerweile 10 Jahren), wenn auch mit patentgeschützten ausländischen Zutaten in China selbst entwickelt wurden, wird seit einiger Zeit regelmäßig in Reisprodukten gefunden, die aus China in die Europäische Union importiert werden. Die EU hatte bereits 2008 wegen dieser “Bt 63″-Funde Sofortmaßnahmen beschlossen und China wiederholt abgemaht. Sie nimmt regelmäßig entsprechende Produkte, meist Reisnudeln, vom Markt. Eine plausible Erklärung für die Verunreinigungen sind die chinesischen Behörden bisher schuldig geblieben.

P.S.

Eine gänzlich andere Wissenschaftsnachricht aus der Molekularbiologie stammt ebenfalls auch China: Der Anbau von Reis vor rund 10.000 Jahren führte in der chinesischen Bevölkerung zur sukzessiven Ausbreitung eines Gens, das eine entscheidende Rolle dabei zu spielen scheint, wie gut wir Menschen Alkohl vertragen. Der sei nämlich eine der ersten leicht transportierbaren und gut haltbaren Formen der Speicherung der Kohlenhydrat-Schwemme gewesen, die mit der neolithischen Revolution über die Menschheit kam. Die Genomforscher drücken es zwar nicht so drastisch aus; aber die Schlussfolgerung scheint unabweisbar: Ackerbau ist die Wuzel allen Alkoholismus.

Kommentar schreiben