Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Bei einem seiner Besuche meinte Otto Jägersberg, damals noch auf DKP-Linie: »Am 22. April ist Lenins hundertster Geburtstag. Der Weltpostverein hat seinen Mitgliedern die Herausgabe einer Gedenkmarke empfohlen. Frankreich, Holland, Italien und die sozialistischen Staaten machen das. Die Bundesrepublik weigert sich natürlich. Wollen wir nicht eine drucken lassen? Wäre doch eine wunderbare politische Aktion, und bedenke mal den astronomischen Sammlerwert!« Die Idee fand ich gut, weil ich ja auch immer für Putz zu haben bin. Also geheime Kommandosache: Uve Schmidt weihte den ehemaligen Banknotenfälscher Horst Baerenz ein, der inzwischen bei ›Pardon‹ arbeitete. Baerenz stellte die Reinzeichnung her: eine rote Zwanziger mit Lenin-Kopf in Kupferstichmanier, links daneben: Deutsche Bundespost. Das sah sehr offiziell aus. Jedoch, wer sollte uns das drucken? Zunächst war kein Drucker bereit, die paar Blatt durchzunudeln, aber schließlich ließ sich die DKP-Druckerei in Frankfurt breitschlagen. Unter verschwörerischer Vergatterung druckte und perforierte sie die Bogen. Als die Auflage fertig war, stellte sich heraus, daß der Fälscher das falsche Geburtsdatum in die Reinzeichnung gesetzt hatte, statt 22. stand da 11. April 1970. Also mußte die Marke noch mal durch die Presse.

Und als sie endlich fertig war, entwarfen Uve Schmidt und ich einen Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, der mit dem Satz endete: »Kein unschuldiges Kuvert muß rot werden, … weiter lesen