vonSchröder & Kalender 29.10.2006

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.
Am 15. Oktober 2002 schrieben wir an Natalja Kyaw: Liebe Natalja, von Johannes haben wir gehört, daß Du Dich gut in Zagreb eingelebt und schon viele Leute kennengelernt hast. Wir haben letzte Woche während der Buchmesse in Deinem Zimmer unter den leuchtenden Sternen gut geschlafen, obwohl die Handwerker jede Menge Lärm gemacht haben. Ab und zu sahen wir einen auf dem Gerüst vor dem Fenster vorbeigeistern. Aber wir haben ja sowieso höchstens vier Stunden pro Tag geschlafen, ansonsten waren wir unterwegs. Johannes hat sich rührend um uns gekümmert, es gab große Frühstücke, Bananennektar und Federweißen …

Am Samstag waren wir wieder in Augsburg und haben einen Dackel gerettet, seitdem ist Jörg im Block ein Held, weil er das verschreckte Tier einfangen konnte. Wir haben es dann ins Tierheim gebracht. Sie ist eine hübsche, arrogante Hündin, dem Tierpfleger sagten wir noch, daß wir sie nehmen, wenn der Besitzer sich nicht meldet. Dann kam am Montag ein großer, weißhaariger Mann mit Zopf und küßte mir formvollendet die Hand, das war der Dackelbesitzer. Janos Korda ist sein Name, er erzählte uns, daß er Witta Pohl besuchen wollte, ohne Poldi nach Hamburg gefahren war, und den Hund bei der Nachbarin ließ. Er war als Schauspieler zuerst in Augsburg beim Theater, später in Hamburg. Nach Augsburg ist er zurückgekehrt, weil sein Lebensgefährte ein Bayer ist. »Mein Vater ist Ungar, meine Mutter Polin, und ich bin ein heimatloser Jude.« Dann weinte er, als er uns ausmalte, was dem armen Hund alles hätte passieren können. Ich weinte mit, was dann wiederum Jörg zu Tränen rührte. Und als ich diese Geschichte dem Sohn eines Freundes erzählte, meinte Daniel Böhmer: »Typisch, ihr könnt nicht einfach einen Dackel retten. Es muß dann auch gleich wieder Witta Pohl darin verwickelt sein. Herzlich grüßen Barbara und Jörg«

Wir sind wieder einmal dabei Briefe, Manuskripte, Notizen und Zettelkästen aus den Jahren 2001 bis 2005 für das Deutsche Literaturarchiv zu ordnen. Während wir diese Materialien in die grauen Mappen der Handschriftenabteilung und schließlich in die grünen Kästen betten, greifen wir einige schöne, absurde oder sonst wie interessante Blätter heraus und werden diese in loser Folge in unser tazblog stellen.

(BK / JS)

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https://blogs.taz.de/schroederkalender/2006/10/29/ein-dackel-und-witta-pohl/

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