Making of Pornography (25)
von Schröder & KalenderDer Bär flattert schwach in nordöstlicher Richtung.
Must read: Wer sich für das Verhältnis der Pornographie zur Kunst und vice versa interessiert, dem empfehlen wir das neue Heft von ›Texte zur Kunst: Porno‹. In seinem Beitrag ›Indie im Kampf mit dem Index‹ schreibt Diedrich Diederichsen über März und Olympia Press: »Indie-Porno ist eine etwas andere Geschichte. Ökonomisch war Porno immer Indie, aber nicht weil man anders wirtschaften und mehr Autonomie für die Künstler herausholen wollte, sondern weil das Geschäft geächtet war. Natürlich führte das in der Porno-Kultur auch immer wieder zur künstlerischen Effekten oder hohen Tabubruchkoeffizienten, so dass eine sozio-ästhetische Nähe zur Gegenkultur entstand: Wenn Herschell Gordon Lewis nicht Gore oder Nudies drehte, machte er was mit LSD und Black Panther. Der kulturrevolutionäre März Verlag produzierte unter dem Label Olympia Film nebenher Pornofilme. Sein Verleger, Jörg Schröder, hatte vorher die deutsche Olympia Press geführt, deren Gründer, Maurice Girodias, das Geschäftsmodell umgekehrt vorgelebt hatte: Neben nur Pornografischem brachte er wegen derselben Paragrafen Verbotenes auf dem Markt: Jean Genet, William Burroughs, Ronald Tavel. Valerie Solanas, eine andere seiner Autorinnen und früheste Anti-Indieporno-Aktivistin wollte eigentlich Girodias umbringen, bevor sie in ihrer Verwirrung Warhol angriff. Ihr Manifest ›S.C.U.M. – society for cutting up men‹ erschien auf Deutsch bei März.
(DD / BK /JS)
In letzter Zeit sind die FAQs: »Du hast doch bei Olympia Press Ende der Sechziger die ersten pornographischen Bücher und Filme für den freien Markt gemacht. Wie fing das an? Warum, wieso, weshalb?« Diese Fragen werde ich in loser Folge beantworten, unter dem geflügelten Titel: Making of Pornography. (JS)
Kommentar schreiben
liebe barbara, lieber jörg,
danke für die herrlichen zeilen in der taz und weihnachtliche aus dem (nicht) tief verschneiten vögelsberg.
michael
Lieber Michael,
auch wir wünschen Dir frohe Weihnachten, unser Neujahrsbrief kommt noch vor Silvester.
Herzlichst
Barbara und Jörg