vonSchröder & Kalender 23.03.2009

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

Mehr über diesen Blog

***
Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.
***
Post von Povl aus Dubai, er schreibt: »Anbei ein netter Erklärungsversuch des ›credit crunch‹, deshalb auch
kein Komasaufen im COMA, sondern lieber bei ›Mandy‹.
***
Die Ursachen und Wirkungen der Kreditkrise sind schwer zu verstehen. Hier nun endlich ein Erklärungsmodell zur Finanzkrise, das jeder versteht:

Mandy besitzt eine Bar in Berlin-Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft – hauptsächlich Hartz-IV-Empfänger – auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandys Bar.

Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit auch massiv ihren Umsatz. Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Mandys Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung.

Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND®, ALKBOND® und KOTZBOND®.  Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung ›SPA‹ – Super Prima Anleihen – und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandys Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen.

Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papiere beinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren. Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich.

Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk Manager (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, daß es an der Zeit sei, die ältesten Deckel von Mandys Kunden langsam fällig zu stellen.

Überraschenderweise können weder die ersten noch die nächsten Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, bezahlen. Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus.

Mandy macht Konkurs. SUFFBOND® und ALKBOND® verlieren 95 %. KOTZBOND® hält sich besser und stabilisiert sich bei einem Kurswert von 20 %.

Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die ›Super Prima Anleihe‹ investiert. Der Wein- und der Schnapslieferant gehen Konkurs, der Bierlieferant wird dank massiver staatlicher Zuschüsse von einer ausländischen Investorengruppe übernommen. Die Bank wird durch Steuergelder gerettet. Der Bankvorstand verzichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Bonus. So einfach ist das!

(Die Autorin bzw. der Autor ist uns bisher nicht bekannt)

(NN / POVL)

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/schroederkalender/2009/03/23/die_finanzkrise_endlich_verstaendlich_erklaert/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • … und die Deckel werden in einer Bad Bank zusammengetragen, worauf die schlechten Bilanzen wieder geschönt werden können und am Ende alles nicht so schlimm war, weil es dann wieder Geld in Hülle und Fülle geben wird und wir alle Millionäre sein werden.

  • Soweit, so gut. Nur: wer hat Mandy erlaubt, von den üblichen Kreditgrundsätzen abzuweichen. M.a.W.wer ist Schuld am Hypothekenschlamassel in den USA (Sozialleistungen als Sicherheit für Hypotheken akzeptieren etc)? Ich würde mal bei Bill Clinton nachfragen. Vielleicht weiß er es ja.

  • …die verschuldeten Hartz-IV Empfänger bekommen in Zukunft nur noch Lebensmittelgutscheine, die Sie ausschließlich bei einer in Not geratenen deutschen Einzelhandelskette eingetauschen können, desweiteren werden Sie zur 1,-€ Zwangsarbeit verpflichtet um in Not geratenen Brauereien und Spirituosenherstellern billige Arbeitskräfte zur Verfügung stellen zu können.
    Die so eingesparten Mittel werden verwandt um Top Manager mit Spitzengehältern binden zu können, die Tilgung erledigt der Steuerzahler.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert