http://blogs.taz.de/schroederkalender/files/2018/01/Reading-2.jpg

vonSchröder & Kalender 26.10.2009

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

Mehr über diesen Blog

***
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
***

Heute kommt ein Roman mit dem seltsamen Titel ›Spucke‹ heraus, und morgen liest sein Autor im Monarch in Kreuzberg.

In Köln, Dresden und Bochum liest er ebenfalls, wo und wann, das findet man auf der Hablizel-Seite.

Marietta Kesting
v.l.n.r.: Barbara Kalender, Jörg Schröder, Wolfgang Frömberg, Berlin 2008. Foto: Marietta Kesting

In ›Spucke‹ geht es um ein Magazin gleichen Namens, das ist im Klartext ›SPEX‹, als es noch in Köln erschien. Wolfgang Frömberg war der letzte Literaturredakteur der alten ›SPEX‹. Im Roman ›Spucke‹ streift sein alter ego Walter Förster durch den Kölner Alltag, pendelt zwischen Szenekneipen und Interviews zum Beispiel mit Bret Easton Ellis, dem Schöpfer des Patrick Bateman. Mit Ellis sitzt er im Hyatt auf der »schäl Sick« immer den Rhein und den Dom im Blick. Aber der Leser hat Glück, es geht hier nicht um Rainald Goetz, Diedrich Diederichsen, Dietmar Dath und die anderen ›SPEX‹-Gurus, vielmehr gelingt Wolfgang Frömberg die schwierige Übung von der prekären Kulturszene ins ebenso unwegsame Gelände privater Beziehungen und dumpfer Familiengeschichten zu wechseln.

Wie Frömberg seine Schnitte setzt, das macht die Sache spannend. Uns fällt kein junger Autor ein, dem es gelänge, so schlüssig und nonchalant von einer Deadline-Szene im vollgerammelten Redaktionsbüro – das ganze Elend des Kulturbetriebs läßt grüßen – zum Porträt des autoritären Vaters zu wechseln. Der ist als Arbeiter einer Traktorenfabrik in Wittenberge aus der DDR geflohen, in den Kölner Ford-Werken zum Werkmeister aufgestiegen, ein Kettenraucher, Streikbrecher und Fußballfanatiker. Toll gemacht! – eben nicht SPEX-cool. Der Autor ist auf gutem Wege, den Kölner Realismus mit neuem Leben zu füllen. Sein Held Walter Förster versucht im Roman immer mal wieder Roland Barthes‘ ›Lust am Text‹ zu lesen, aber ständig kommt etwas dazwischen. Das wird uns nicht passieren, morgen im Monarch: Lust auf ›Spucke‹!

(BK / JS)

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

http://blogs.taz.de/schroederkalender/2009/10/26/spex_ist_spucke/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.