vonSchröder & Kalender 30.01.2018

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert  in östlicher Richtung.
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Wer die Geschichte des berühmten Olympia-Press-Verlags kennt, der wüsste, dass  der Verleger Maurice Girodias mir die Lizenz für die Olympia Press gar nicht übertragen konnte. Leider kannte ich selbst, als ich Ernst Herhaus den ›Siegfried‹ erzählte, die Hintergründe nur unvollständig. Maurice Girodias deckte das alles erst in seinen Memoiren auf, die 1990 kurz vor seinem Tode erschienen. Begraben wurde er auf dem Père Lachaise, sein Bruder Eric Kahane ließ auf seinen Grabstein schreiben: »Une Journée sur la Terre.«

Wenn ich bereits 1971 während des Prozesses, den Maurice Girodias gegen mich angezettelt hatte, alles über diese Reise gewusst hätte, dass er nämlich rund sechshunderttausend DM Lizenzgebühren und Autorentantiemen von mir für die Marke Olympia Press, die ihm gar nicht mehr gehörte, sowie Autorentantiemen kassierte, die er nie an Autoren bezahlte – was man Prozessbetrug nennt –, dann hätte ich den Prozess mit Pauken und Trompeten gewonnen. Der erste März Verlag hätte nicht Konkurs anmelden müssen. Dann hätte ich allein mit den Castaneda-Büchern – von all den anderen Titeln gar nicht zu reden – ein paar Millionen verdient und wäre heute ein kleiner fetter Geldsack. Ja, hätte und wenn! Gut, dann könnte ich jetzt diese komische Geschichte nicht erzählen, die sehr an das Märchen von der Gans mit den goldenen Federn erinnert.

Also auf zur Reise über die Erde, so wie sie Maurice und mich getragen hat, ins Hochland der Weltliteratur und über die Ebenen der dirty books. Mitte bis Ende der Fünfziger Jahre war Girodias in Paris auf der Höhe seines Ruhms und Erfolgs angelangt. In seiner Olympia Press waren 1953 Samuel Becketts ›Watt‹, die Werke von Guillaume Apollinaire und auch Henry Millers ›Plexus‹ erschienen. 1954 folgten Jean Genets ›The Thiefs Journal‹, dann die ›Story of O‹. Um die englische Ausgabe gleichzeitig mit der französischen Originalausgabe herauszubringen, hatte Maurice sich zu sehr beeilt und eine grauenhafte englische Übersetzung abgeliefert. Zum Beispiel wurde der Eigenname des Gebäcks ›Madeleine‹ mit ›cake‹ übersetzt. Das verärgerte den Originalverleger Jean-Jacques Pauvert und die Autorin Dominique Aury – die damals noch anonym war – so sehr, dass später die englischsprachigen Rechte nicht bei der Olympia Press blieben. Daraus folgte dann einer der zahlreichen Prozesse, die Maurice Girodias verlor und ihn viel Geld kosteten.

Die Geschichte der Olympia Press wird demnächst fortgesetzt.

 

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BK / JS

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