vonSchröder & Kalender 01.02.2018

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert  in nordöstlicher Richtung.
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Später während des jahrzehntelangen Prozesses wollte Donleavy von diesem Making of nichts mehr wissen. Girodias erinnerte ihn an die massiven Eingriffe seiner Lektorin, um das Manuskript reif für die Veröffentlichung zu machen. Donleavy bestritt alles und verlangte die Rückgabe seines Originalmanuskriptes. Aber das gab es nicht mehr, denn Muffie Wainhouse hatte schließlich mit dem Originalmanuskript gearbeitet und nicht mit Kopien, die damals teuer waren. Die Reste waren im Papierkorb gelandet. Schlecht für Girodias’ Position vor Gericht.

Nach dem Erfolg der englischen Ausgabe in Frankreich, wollte Donleavy ›The Ginger Man‹ nun in seriösen englischen und amerikanischen Verlagen veröffentlichen. Jedoch alle Verleger lehnten  das Buch  zunächst ab, weil es in der verrufenen Pariser Olympia Press erschienen war. Dazu muss man wissen: Auf den grünen Umschlag von ›The Ginger Man‹ hatte Girodias den Reihentitel seiner ›dirty books‹ drucken lassen: ›The Traveller’s Companion # 7‹, und auf der dritten Umschlagseite gab es eine Anzeige für eine Reihe pornografischer Titel: ›Robinson Crusoes Sexualleben‹, ›Die Sündenschnecke‹ und ›Amons Lenden‹.

Das versetzte den Autor in Weißglut, weil er fürchtete, von der Kritik nun als Pornografie-Autor abgetan zu werden, schwor er Rache. Allerdings wundere ich mich, warum Donleavy sein Manuskript der Olympia Press überhaupt angeboten hatte, er wusste schließlich, was dort verlegt wurde. Auch die Lektorin Muffie Wainhouse meinte trocken: »Er hat sich doch die Olympia Press nicht ausgesucht, weil wir Bibeln druckten.« So sind die Autoren, undankbar und irrational! Und nachdem ›The Ginger Man‹ schließlich in England und Amerika gerade wegen der pornografischen Passagen ein Bestseller geworden war, wollte Donleavy Girodias die Rechte entwinden. Es entspann sich ein monströser Rechtsstreit um die Weltrechte von ›The Ginger Man‹, der zwei Jahrzehnte dauerte. Der Prozess spielte sich in drei Ländern und zwei Kontinenten ab und kostete Girodias letztendlich seine Pariser Olympia Press. Davon war später ich mittelbar betroffen, weil mein Partner Maurice Girodias 1970 immer wie ein Kuckuck schrie: »And now Joerg, the question of the money!« Er musste die ›Ginger Man‹-Prozesskosten zahlen und andere dazu.

Die Geschichte der Olympia Press wird demnächst fortgesetzt.

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