Archive for the ‘Achtundsechzig und die Folgen’ Category

11.06.2008 von Schröder & Kalender
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Das geht entschieden zu weit!

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

Es fließt noch viel Wasser den Main hinunter, bis die Buchmesse ihre Toren öffnet. Jetzt wird schon mal in deren Newsletter das Jahr 1968 abgefeiert. Aus den peinlichsten Ereignissen der Vergangenheit werden halt immer die schönsten Anekdoten.

Mehr dazu auch im Buchmarkt.

(BK / JS)

08.11.2007 von Schröder & Kalender
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Gudrun Ensslins Notizbuch

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Willi Winkler von der Süddeutschen Zeitung fragte uns gestern, ob es ein Notizbuch gibt, in welches Gudrun Ensslin eingetragen hat.

Wie es die Morphogenese befiehlt, waren Christiane Ensslin und Klaus Jünschke gestern abend bei uns zum Essen. Klaus Jünschke nimmt an einer Tagung teil (3. Europäische Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft).

Wir haben Willi Winkler heute geantwortet:

Lieber Willi Winkler, wir haben Christiane gestern Ihre Frage vorgelegt, und sie bestätigte, daß es ein solches nachgelassenes Notizbuch nicht gibt. Sie hatte damals Gudruns Sachen aus der Fritschestraße abgeholt und damit ist das amtlich. Also kann es – wie Sie richtig vermuten –, einen solchen Eintrag wie es der Politikwissenschaftler Gerd Langguth behauptet, nicht geben.

Tatsächlich schiebt er Gudrun das Zitat aus dem – allerdings idiotischen – KI-Flugblatt vom 24. Mai 1976 zu. Die Absicht ist… weiter lesen

31.10.2007 von Schröder & Kalender
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Von der Praxis über die Politik zur dritten Wurzel aus P

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Heute hat Wolfgang Frömberg – früher Redakteur beim Kölner Spex, jetzt bei intro – ein Interview ins Netz gestellt.

Darin habe ich viele Fragen beantwortet, die man mir in letzter Zeit häufig stellte: Über die 68er Bewegung und die Selbstexorzierung ehemaliger Hundertfünfzigprozentiger wie Joscha Schmierer, Gerd Koenen und KD Wolff. Es ist ein langes Gespräch geworden, das mit der »März-Revolte«, den Literaturproduzenten, der Postmoderne und den Trivialmythen beginnt. Wir sprachen über fiktionale und nicht-fiktionale Literatur, über Zensur, über Zweitausendeins, den ehemaligen Konzern der »Zweiten Kultur«, der längst zum Neckermann für Mainstream-Intellektuelle wurde, über Bernward Vespers ›Reise und natürlich über ›Schröder erzählt‹ im Speziellen und die Lage des Buchmarkts im Allgemeinen.

(JS)

03.09.2007 von Schröder & Kalender
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Stimmen aus Stammheim

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Eben haben wir mit Christiane Ensslin telefoniert, weil wir der Stern-Autorin Stefanie Rosenkranz, die auch über die Achtundsechziger Frauenbewegung recherchiert, ihre E-Mail gaben. Denn Christiane gehörte ja zu den Frauen, die ›Emma‹ mitgegründet haben.

Bei dieser Gelegenheit sprachen wir auch über das taz-Dossier ›30 Jahre Deutscher Herbst‹ und fragten sie, warum Klaus Jünschke, mit dem sie zusammenlebt, sich nicht dazu geäußert hat. Da meinte sie: »Klaus hat damals im Mai 1992 in der taz eine ganze Seite darüber geschrieben, und gerade haben wir in der Internetzeitung Neue Rheinische Zeitung wieder einen Aufsatz darüber veröffentlicht.« Wir lasen dann ›Stimmen aus Stammheim: Isolationshaft ist kein Mythos‹ von Christiane Ensslin und Klaus Jünschke und finden, daß der Text den richtigen Weg zeigt, wie man mit Tod und Trauer in der Auseinandersetzung zwischen Staat und RAF umgehen sollte. Und er rückt… weiter lesen

28.08.2007 von Schröder & Kalender
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Bismarc Media

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

Während des 9to5-Festivals haben mich viele Teilnehmer, die bei der Diskussion nicht zugehört hatten, nach der Bismarc Media gefragt. Deshalb hier nochmals in aller Kürze: Warum heißt der Kulturbetrieb Kulturbetrieb? Weil es dabei auch um Geschäfte geht. Obwohl dies so ist, werden die Produktionsbedingungen von Werken der Kunst und Literatur meist nicht thematisiert. Wir wollten das 1968 ändern und gründeten die Literaturproduzenten, ein Zusammenschluß von linken Autoren, Verlagsangestellten und Buchhändlern, welche die Produktionsverhältnisse zum Tanzen bringen wollten mittels Gründung von Autorenverlagen, Mitbestimmung und Meinungsfreiheit in Buchhandlung und Verlagen.

Aufruf.jpg

aus ›Protest! Literatur um 1968‹, Marbacher Kataloge, 1998

Ich hatte vorher in diversen Verlagen als Werbeleiter und Verlagsleiter gearbeitet und gründete 1969 den März Verlag und die Olympia Press. Bis zu einem gewissen Grade wurden die Vorstellungen der Literaturproduzenten bei März und Olympia Press eingelöst: Alle vier Mitgründer der beiden Verlage wurden Kommanditisten, ich… weiter lesen

17.08.2007 von Schröder & Kalender
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Vom Mythos leben (2)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

2. Teil: Vom Einfachen, das schwer zu machen ist

Götz von Olenhusen: Haben wir nicht gestern gelernt, daß 1968 und MÄRZ die Geburtsstunde der Postmoderne gewesen sind?

Schröder: Der literarischen Postmoderne. Die Postmoderne ist inzwischen ein weites Feld und im wesentlichen schon Historie. Die Begriffskarriere des Wortes hat sich in der Realität, um bei der Architektur zu bleiben, zu Fassadenzuckerbäckereien zerlaufen und so auch in der Literatur. Tatsächlich ist der Begriff von Leslie Fiedler zum ersten Mal im Freiburger Symposium …

Götz von Olenhusen: … ‘Für und wider die zeitgenössische Literatur’ am 29./30.Juni 1968 in der Alten Universität mit Erich Heller, Peter Heller, Leslie A. Fiedler, Reinhard Baumgart, Hilde Domin, Hans-Werner Cohen und Martin Walser …

Schröder: … benutzt worden als Begriff, und damit hat er die Erweiterung von Literatur gemeint über den traditionellen Kanon hinaus. Erweiterung auf andere Felder wie Comics, Musik und… weiter lesen

16.08.2007 von Schröder & Kalender
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Vom Mythos leben (1)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Götz von Olenhusen: Der MÄRZ Verlag war zweifellos der wichtigste, der kulturrevolutionäre Verlag der 68er Zeit und ihrer Folge; in meiner Wahrnehmung auch als kollektives Experiment, als permanentes Medienereignis und mit seinem provokativen politisch-literarischen Programm der vermuteten gesellschaftlichen Revolution. Wie empfindest du es jetzt, wenn der Verlag, der den wichtigsten Kern der Ausstellung in Marbach ‘Literatur um 1968′ darstellt, die Wendung ins Museale und Archivalische nimmt?

Schröder: Zwei Begriffe. Das Archivalische wird, nachdem wir den Verlag 1987 eingestellt haben, als die natürliche Entwicklung begriffen. Das Museale — schwer zu beantworten — ist etwas, was ich eher befürchtet habe. Das kommt mir sonderbar vor, wolkig, ungewöhnlich. Deswegen hatte ich auch, als man mich vor zwei Jahren ansprach, erstmal massive Vorbehalte, nicht nur, was den MÄRZ Verlag angeht, sondern überhaupt gegen den Plan, die 68er museal aufzubereiten. Es ist nun mal eine Tatsache: Revolution oder Revolte… weiter lesen

14.08.2007 von Schröder & Kalender
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Frankfurt am Main, 1968

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.

Das Schöne am Sommerloch ist, daß jetzt die Belege mit unseren Beiträgen eingehen, weil ja Anfang Oktober die Buchmesse stattfindet und langsam die Herbsttitel fertig werden. So trudeln jetzt Texte ein, die wir vor langer Zeit abgeliefert und längst vergessen hatten.

Letzter Eingang das ›Frankfurtmainbuch‹ im Verbrecher Verlag, herausgegeben von Werner Labisch und Jörg Sundermeier mit Texten und Bildern von Anja Becker, Christian Bartz, F.W. Bernstein, Barbara Bollwahn, Tom Combo, Sarah Diehl, Steffen Falk, Oliver Grajewski, Caroline Hartge, Claudia Honecker, Meike Jansen, Barbara Kalender, Susanne Klingner, Maximilian König, Izy Kusche, Frank Lähnemann, Holger Lübkemann, Julia Mantel, Thomas von der Osten-Sacken, Oliver M. Piecha, Rattelschneck, Jana Schmidt, Jörg Schröder, Martin Sonneborn, Jan Süselbeck, Thomas Uwer, Linus Volkmann, Ambros Waibel, Klaus Walter und Georg Weerth.

Wir bringen als Teaser unseren Beitrag:

Freiheit für Meysenbug!

Ich fuhr zur PEN-Jahresversammlung, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst… weiter lesen

08.08.2007 von Schröder & Kalender
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Sexfront (2)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Wir waren Ende der Sechziger angetreten, die restriktive Gesellschaft zu verändern, aber bereits 1970, als die ›Sexfront‹ erschien, machten sich die rechten Truppen auf den langen Marsch in Richtung Reaktion. Weil gegen die massenhaften Demonstrationen wenig auszurichten war, hatten sich die reaktionären Strategen etwas anderes ausgedacht: Die Bewegung personalisieren! Man inszenierte Rädelsführerprozesse, deshalb saßen 1969 Günter Amendt, Hans-Jürgen Krahl und Karl Dietrich Wolff auf der Anklagebank. Es ging um die Blockade der Societätsdruckerei, hier wurde die ›Bild-Zeitung‹ gedruckt, die mit ihrer Hetze für das Attentat auf Rudi Dutschke verantwortlich war. Ein Demo-Spruch lautete: »›Bild‹ drillte, Bachmann killte!« Die Frankfurter Auslieferung von ›Bild‹ konnte einen Tag lang behindert werden, obwohl die Polizei mit Wasserwerfern und Reitern gegen die randalierenden Studenten vorrückte, die wiederum kämpften mit Steinen und Baulatten, die Transparente wogten: »Zwei, drei Vietnam, fangen wir bei Springer an!«, »Haut dem Springer auf die Finger!«,… weiter lesen

07.08.2007 von Schröder & Kalender
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Sexfront (1)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in nördlicher Richtung.

Eines dieser Ereignisse, die dich als Verleger später beglücken, bahnte sich unspektakulär an: Günter Amendt, einer der drei Frankfurter SDS-Zampanos, rief mich Ende Januar 1970 an. Wir waren uns noch nicht begegnet, ich hatte nur mal seinen ›Kinderkreuzzug‹ quergelesen. »Hör mal, Schröder«, sagte er, »Alfred von Meysenbug und ich haben die Idee, ein Buch für Jugendliche über Sexualität zu machen. Darüber sollten wir uns mal unterhalten.« Daß Amendt diesen Vorschlag nicht über den Genossen Wolff an mich herantrug, wunderte mich nicht, die beiden konnten sich nicht riechen. Was weiß ich, welche SDS-internen Querelen dazu geführt hatten. »Treffen wir uns heute abend bei mir zu Hause«, schlug ich vor. Am Bibliothekstisch entwickelten Amendt und Meysenbug ihren Plan: Ein Sexualaufklärungsbuch neuer Art sollte es werden, lustfreundlich, das Gegenteil von dem verzopften Kram, der bisher erschienen war. Sie hatten noch keine Zeile geschrieben, keine Abbildung lag… weiter lesen