Archive for the ‘Achtundsechzig und die Folgen’ Category

06.08.2007 von Schröder & Kalender
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Alles schien möglich

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Gutes und Wahres von Freunden und MÄRZ-Autoren sowie natürlich auch manches von Leuten, die wir nicht so lieben, steht in Werner Piepers ›Grüner Zweig 252‹. Es geht um die Sechziger Jahre, über die fünfzig Beiträgerinnen und Beiträger berichten, stellvertretend nennen wir: Günter Amendt, Ronald Steckel, Luisa Francia, H.D. Heilmann, Manfred Gillig-Degrave, Jürgen Ploog, Bernd Brummbär und Albrecht Götz von Olenhusen.

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Der Herausgeber Werner Pieper, unbeirrbarer Verleger, der er ist, stellt die Rückschau so vor: »Die Aktiven der 60er werden 60: Was trieb sie damals um, und was machen sie heute? Rückschau und Bestandsaufnahme einer Generation, die nach vorne schaute.« Und Pieper druckt das weise Motto Ludwig Börnes auf die vierte Umschlagseite: »Die Lebenskraft eines Zeitalters liegt nicht in seiner Ernte, sondern in seiner Aussaat.«

Wir bringen unseren Beitrag zur Anthologie ab morgen in zwei Fortsetzungen unter ›Sexfront‹.

(BK / JS)

26.07.2007 von Schröder & Kalender
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von Schröder & Kalender
24.07.2007 von Schröder & Kalender
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Protest gegen Protest!

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Das vierte 68er Jubiläum wirft seine Schatten voraus. Wir bringen dazu ein Interview, welches Albrecht Götz von Olenhusen anläßlich der Marbacher Ausstellung ›Protest! Literatur um 1968‹ mit Jörg Schröder führte. Es erschien 1999 als Heft 186/190 in der Zeitschrift ›Die Aktion‹ (Edition Nautilus). Zu dem Interview schrieb Albrecht Götz von Olenhusen eine Einleitung, die wir hier bringen. Das Interview selbst veröffentlichen wir in Fortsetzungen.

Albrecht Götz von Olenhusen: »… Es hat 1968 angefangen und ist bei mir weitergegangen bis heute«

Einleitung
Jörg Schröder, den MÄRZ-Verleger, ewiges enfant terrible der Verlags- und Buchszene, habe ich bei der Eröffnung der Ausstellung des Marbacher Deutschen Literaturarchivs am 9. Mai 1998 getroffen und interviewt. In der ersten Reihe des überwiegend von mehreren hundert grauen Angehörigen der ehrwürdigen Schiller-Gesellschaft bevölkerten Vortragssaals war er, einer der wenigen Anwesenden aus der auch schon… weiter lesen

11.05.2007 von Schröder & Kalender
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Noch einmal Bernward Vesper

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

***

Die Feierlichkeiten zum 40jährigen Achtundsechziger-Jubiläum werfen ihre Schatten voraus, und bereits jetzt zeichnet sich ab, daß Vespers ›Reise‹ in diesen Retrospektiven eine wichtige Stellung einnehmen wird. Peter Weiss nannte das Buch »den intellektuellen Höhepunkt der Bewegung des Jahres ’68«. Aus gegebenem Anlaß bringen wir hier die Nachbemerkung zur Neuausgabe, die vor zwei Jahren im Area Verlag erschien. Inzwischen ist diese Hardcover-Ausgabe im Buchhandel bereits wieder vergriffen. Claudius Seidl schrieb über diese Neuausgabe in der FAZ, mehr dazu hier.

Jörg Schröder: Editions-Chronologie III

Daß MÄRZ 25 Jahre nach der ›Ausgabe letzter Hand‹ im Oktober 1979 nun eine Neuausgabe der ›Reise‹ herausbringt, obwohl das Buch auch als Taschenbuch auf dem Markt ist, hat folgende Gründe: Der Rowohlt Verlag erwarb 1983 eine Taschenbuchlizenz und zahlte dafür eine Garantiesumme, die bis zum heutigen Tage nicht verbraucht ist. Inzwischen führt der Taschenbuchverlag den Titel nur noch in der Backlist. Es liegt in der Natur der Sache, daß ohne sonderliche Vertriebs- und Werbebemühungen der Verkauf dahindümpelt.

Es ist paradox: Ein Buch über Bernward Vesper (Gerd Koenen, ›Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus‹) wurde im Jahr 2003 fünfzigmal mehr verkauft als ›Die Reise‹  – ein Beispiel für die geistesfernen Marktgesetze des Literaturbetriebs. Wenn es nur um die Verkaufszahlen ginge, könnte man mit Emile Michel Ciorans alter Mutter seufzen: »Das ist nicht zu ändern.« Hier aber geht es nicht um business as usual, denn ›Die Reise‹ ist nicht irgendein Bestseller aus dem vorigen Jahrhundert, sondern der »Nachlaß einer ganzen Generation« (Peter Laemmle, ›Leiden an Deutschland‹, in ›Die Weltwoche‹, Zürich vom 6. 2. 1978), und Peter Weiss bezeichnete das Buch in seinen Notizbüchern als »den intellektuellen Höhepunkt der Bewegung des Jahres 1968« (Peter Weiss, ›Notizbücher 1971 – 1980‹, 2. Band, S. 672 ff., Frankfurt a. M., 1981).

Jedoch der gravierendste Grund für die Neuedition ist: In letzter Zeit droht die Rezeption der ›Reise‹ ins Spekulative umzukippen. Der Regisseur Andres Veiel, der Koenens Buch über Bernward Vesper »fiktional verfilmen« will, erklärte kürzlich: »Bernward Vesper rebellierte gegen den Nazi-Vater … weiter lesen

23.08.2006 von Schröder & Kalender
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Diebstahl postmodern

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Gestern Abend stellte der Verbrecher Verlag im Festsaal Kreuzberg seine Anthologie ›Das Buch vom Klauen‹ vor. Darin steht auch eine Geschichte aus der 21. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Stille Verbraucher‹. Für alle, die nicht zur Lesung kommen konnten, bringen wir hier den Text:

›Konzerne klauen im Großen und Kleinen‹ so lautet das vulgär-marxistische Axiom Nummer eins, sie handeln wie der Besenbinder aus den ›zwei honetten Kaufleuten‹ des Johann Peter Hebel. Und damit so was nicht im Ungefähren bleibt, müssen Geschichten wie diese immer mal wieder erzählt werden. Wenn wir nämlich davon ausgehen, daß es in zweihundert Jahren noch Menschen gibt, die sich für unsere Zeit interessieren, dann sollen sie wissen: Die Holtzbrinck-Gruppe und ihre Manager betrieben einen Gaunerkonzern.

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Geld wird geklaut aus Habsucht und Gier, aber warum bereichern sich Leute an der Lebensleistung… weiter lesen

02.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (4)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in nordöstlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit dem Jahr des Schweins: Im Sommer 1969 erschienen bereits drei Pornotitel im Monat. Die Leute konnten nicht genug davon kriegen. Auch die Kulturtypen fuhren darauf ab, die Zeitungen waren voll von der tollen Olympia Press. Das junge Team von ›Titel, Thesen, Temperamente‹ besuchte uns gleich nach der Gründung im Keller, Hansjürgen Rosenbauer machte einen Bericht über die neuen Verlage. Etwas peinlich, weil Hansal, Beitlich und Heinzlmeier kein Wort über das Kollektiv rausbrachten, dafür sagte Kade um so mehr über Sozialismus, und ich spulte meine Thesen zur neuen Sensibilität und zum Thema Literatur und Pornographie ab. Zahlreiche Interviews folgten, das ›ttt‹-Team vom Hessischen Rundfunk kam häufiger, sie waren eben alle scharf: Hansjürgen Rosenbauer, Hansgeorg Dickmann, später auch seine Frau Barbara, die bei ›ttt‹ als Redaktionssekretärin angefangen hatte, und Eva Demski, die sich besonders für ›Laß jucken, Kumpel‹ interessierte. Junge Huren, alte Nonnen – heute sind solche Leute Intendanten von Radio Brandenburg oder schreiben feinsinnige Essays über Venedig und imitieren Reich-Ranicki. Damals waren sie spitz wie Nachbars Lumpi und weniger an »Sprrrache!« interessiert als am Ficken. … weiter lesen