Archive for the ‘Die MÄRZ-Gründung’ Category

17.07.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (18)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Unsere Presseerklärung diktierte ich am 19. März den Agenturen durchs Telefon, sie ging um vierzehn Uhr über den Ticker. Die Zeitungen verwöhnten uns liebevoll mit ihren Nachfragen. Oben schmorte der Generalbevollmächtigte und gab händeringend wolkige Bulletins ab, die wir am nächsten Tag im Anschluß an unseren Text überall nachlesen konnten: »Herr Melzer mußte aus wirtschaftlichen Gründen plötzlich eine unaufschiebbare Reise zur Buchmesse nach Jerusalem antreten.« Das war zwar gelogen, denn Joseph Melzer hatte nie einen Stand auf dieser Messe, noch wurde dort vom Verlag je ein Geschäft abgewickelt. Trotzdem, die Ausrede war ganz raffiniert. Danach aber hatte Kurzhals sein Pulver verschossen: »Ich sehe Möglichkeiten zu Maßnahmen gegen den März Verlag erst, wenn Herr Melzer zurückgekehrt ist. Zur Zeit stehen mir die notwendigen Unterlagen nicht zur Verfügung. Der Verlag wird von dem Ausscheiden der Belegschaft nicht betroffen, er läuft in seiner Arbeit weiter.« Das amüsierte… weiter lesen

29.06.2007 von Schröder & Kalender
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Die März-Gründung (17)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in nördlicher Richtung.

Tja, der Mann hatte sich eben nie mit Revolten beschäftigt, sonst hätte er nicht den Fehler gemacht, uns das Kommunikationszentrum zu überlassen. Wir besaßen ein Büro, wenn auch ein leeres, eine Telefonanlage, eine melkende Kuh, die Olympia Press, und wir wollten einen weiteren Verlag gründen. Abends trafen wir uns in meiner Wohnung in Eberstadt: Peter Beitlich, Anne Hansal, Adolf Heinzlmeier, Traudel Brand und Uve Schmidt. Die Presseerklärung war kein Problem, auf anderthalb Seiten stand bald ein Statement, in dem ich Melzers »politische, literarische und philosophische Divergenzen« zitierte, es folgten die Forderungen der Mitarbeiter, die fristlose Kündigung, die Übernahme der Olympia Press, die Gründung eines neuen Verlages aus dem Repertoire des Melzer Verlags, die Solidarisierung der vierunddreißig Autoren und Übersetzer – von denen ich keinen gefragt hatte, das wollte ich am nächsten Tag nachholen. Der Text konnte aber erst herausgehen, wenn der Verlagsname feststand.… weiter lesen

19.06.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (16)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert wieder – schwach in südöstlicher Richtung – vermutlich wurde ihm der Pelz gewaschen.

Kaum war der Generalbevollmächtigte aus dem Haus, redete ich unserer neuen Telefonistin ins Gewissen: »Leg mal eben das Buch weg, du kannst gleich weiterlesen. Hier ist der Wahnsinn zugange, der hat uns allen gekündigt, und du sollst auf uns aufpassen. Willst du das? Ich mache dir einen Vorschlag: Bleib hier sitzen, kassier dein Geld und kümmere dich um sonst nichts.« Das sah sie sofort ein, schließlich schrieben wir das Jahr 1969 und nicht 1996 – mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Ich gab den Ukas aus: »Alles einpacken!« Ja, nicht alles, nur das, was für die neue Produktion wichtig war, alle Herstellungsunterlagen zum Beispiel von ›Acid‹, ›Subkultur‹, die Planungsmappen mit den Agenten-, Autoren- und Übersetzerkorrespondenzen zu ›Roter Stern über China‹, Nitsch, Leroi Jones, Jan Cremer, natürlich sämtliche Unterlagen der Olympia Press, vor allem… weiter lesen

14.06.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (15)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Ich klopfte bei Rudolf Kurzhals an, der schaute auf die Uhr und sagte ungeduldig: »Ei, isch wart ja schun uff Sie! Wo bleibe Se dann?! Es is doch halb zwaa, mei Fraa wart seit aanä Stunn middem Esse uff misch! Isch habb e Telefonistin vom Studenteschnelldienst bestellt. Die soll alle oigehnde Aaruffe uffnemme unn notiere. Um halb drai bin isch widdä da. Habbe Se sisch inzwische entschiede?« »Wir brauchen bis morgen oder übermorgen, vielleicht auch noch länger, das ist ja alles sehr schwierig. Zunächst hat der Anwalt uns empfohlen, Ihnen unsere Arbeit anzubieten. Da Sie ja nun Generalbevollmächtigter sind, müssen Sie die Entscheidungen treffen. Wenn Sie irgend etwas wissen möchten, geben wir Ihnen jederzeit gern Auskünfte.« Das hörte er gern. Und schon stand das Mädchen vom Studentenschnelldienst in der Tür, mit stolzgeschwellter Brust ging er mit ihr ins Sekretariat, wies sie in ihre neue… weiter lesen

09.06.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (14)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Es war neun Uhr fünfundvierzig, als ich mit meinen bedröppelten Mitarbeitern das Zimmer des Generalbevollmächtigten verließ. Im Sekretariat sagte ich ihnen: »Ich rufe mal Kade Wolff an, der muß uns doch einen guten linken Anwalt empfehlen können.« Wenn ich bedenke, wie wenig ich mich damals noch auskannte im Arbeitsrecht und mit dem Kündigungsschutz! Was heißt wenig? Gar nicht! Ich wußte noch nicht mal, was eine fristlose Kündigung bedeutet und wie man sich dagegen wehrt. Heute pfeifen es doch die Spatzen von den Dächern, daß du silberne Löffel gestohlen haben mußt, damit ein Arbeitgeber mit einer fristlosen Kündigung durchkommt. Runter zur Telefonzelle in der Spreestraße. Ja, verrückt, daß ich nicht einfach in den Keller ging, um zu telefonieren; so ist das mit Formalien! Dieser Kurzhals ahnte nichts vom Souterrain, weil wir uns aber an das Verbot hielten, erfuhr er auch nichts von meinem späteren geheimen… weiter lesen

29.05.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (13)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.

Die anderen warteten bereits aufgereiht auf dem Flur, als ich sie holen wollte; gemeinsam standen wir nun vor dem kleinen Fleischkloß: Schröder, Beitlich, Hansal, Heinzlmeier, Brand – sogar der Lehrling wurde nicht ausgelassen, nur der Packer Heiner war bei Kurzhals noch nicht gemeldet. Wir rissen die blauen Briefe auf: »Das mit Ihnen beim Joseph Melzer Verlag bestehende Arbeitsverhältnis kündige ich hiermit fristlos mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund … Offensichtlich stellen Sie die Inhaberverhältnisse des Verlages auf den Kopf und haben augenscheinlich vergessen, daß ich nicht bei Ihnen angestellt bin, sondern Sie in dem Joseph Melzer Verlag, dessen Inhaber ich bin …« Den für alle gleichlautenden Text hatte natürlich Kurzhals verfaßt. Wir guckten uns an, waren erst mal verdattert, sprach- und auch hilflos. Aber nicht lange, denn Kurzhals in seiner hemmungslosen Wichtigtuerei bog gerade am ersten Glied einer Kette von Fehlern, für die ich… weiter lesen

25.05.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (12)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Jeder Vertriebsheini dreht durch, wenn er solche Bestellungen wegen irgendwelcher Verzögerungen nicht ausliefern kann. Deshalb mußte ich mich morgens während der Fahrt zum Büro immer selbst ins Gebet nehmen: »Wenn Melzer auf Zeit spielt, kann ich das schon lange. Jetzt sitze ich ihn mal aus. Ich schiebe die Auslieferung meinetwegen weitere zwei Wochen raus. Pornographie geht doch immer.« Daß ständig das Telefon läutete und ungeduldige Kunden nach den Büchern fragten, hatte auch Melzer mitgekriegt und unsere pflaumenweichen Auskünfte gehört: »Tut uns leid, nein, leider, bitte haben Sie noch etwas Geduld.« Trotzdem konnte er sich wohl einfach nicht vorstellen, daß ich es fertigbringe, einen lukrativen Auslieferungstermin endlos hinauszuzögern. Er setzte auf jenen selbstauferlegten Zwang, das, was man auf den Weg gebracht hat, auch ausführen zu müssen. Solchen Eigengesetzlichkeiten kannst du dich ja tatsächlich kaum entziehen. So hämmerte ich mir ständig ein: »Abwarten, nicht weich werden!… weiter lesen

21.05.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (11)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.

Von einer anderen Akquisition muß ich berichten, um zu illustrieren, wie falsch ich Melzer einschätzte: Noch in der Woche, als Joseph mit der Flappe rumlief, stellte ich einen Packer für das gemeinsame Unternehmen ein. Auf meine Anzeige im ›Darmstädter Echo‹ meldete sich eine ganz besondere Type, die bei der US-Army als deutscher Zivilbediensteter gearbeitet hatte. Das waren Figuren in merkwürdigen blauen Uniformen mit weißen Gamaschen und Mützen, die mit Schäferhunden Militäreinrichtungen bewachten. Heiner Heimroth trug enge amerikanische Hochwasserhosen mit weißen Socken, hatte auch die Birne geschoren wie Tom Hanks als ›Forrest Gump‹, war innerhalb von wenigen Jahren vom ›Dammstäddä Hoinä‹ zum amerikanischen Maisbreiarsch mutiert.

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Der Exwachmann sollte die Olympia-Press-Bücher versenden, für die Auslieferung der Melzer-Produktion blieb weiterhin die Hamburger Kommissionsbuchhandlung zuständig. Darüber machte ich mir keine Illusionen: Lingenbrinck würde jedem Kripofritzen und der Staatsanwaltschaft schulterzuckend das Lager übergeben. Aus diesem Grunde hatte ich… weiter lesen

29.04.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (10)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südwestlicher Richtung.

Melzers Abmahnung datierte vom »Donnerstag, den 6. März«. Am Montag diktierte ich eine Antwort, darin skizzierte ich meine Arbeit im Verlag von 1965 an, erklärte ihm, daß das von mir vorgelegte Programm – an dessen Art, Umfang, Qualität und Zustandekommen er keinen Anteil habe – gefährdet sei, wenn mir die Lektoratsautonomie entzogen würde. Außerdem wies ich den Verleger auf die Existenz einer Buchhaltung hin, deren Studium seine Fragen zu den Finanzen jederzeit beantworten könne. Schließlich erinnerte ich erneut an die Erfüllung der mündlichen Vereinbarungen bezüglich des Mitarbeiterbeteiligungsmodells, nannte ihm als Termin für eine Stellungnahme den 15. März. Diesen Brief unterzeichneten auch Peter Beitlich, Traudel Brand, Anne Hansal und Adolf Heinzlmeier. Ich befahl es den anderen schlicht: »Keine Diskussion, ohne Vertrag wird keine Olympia Press gegründet! Wir warten so lange mit der Auslieferung, bis Melzer zur Vernunft kommt.« Klar war das meine Dominanz! Die vier… weiter lesen

25.04.2007 von Schröder & Kalender
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Die MÄRZ-Gründung (9)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in westlicher Richtung.

Zurück zu den Versuchen, meine Buchprojekte zu stoppen, die regelmäßig mit Josephs Wutanfällen endeten. Nicht daß du denkst, ich sei nicht mit ihm fertig geworden. Wenn er anfing zu meckern oder zu toben, sagte ich: »Herr Melzer, wieso kümmern Sie sich plötzlich um das Programm? Ich konnte den Laden sanieren, weil Sie sich vier Jahre lang rausgehalten haben. Den Verlag leite ich, so ist es mit Ihnen und der BfG vereinbart, nun lassen Sie mich in Ruhe arbeiten!« Dann redete er drei Tage kein Wort mit mir, doch es war eindeutig, er kehrte immer mehr den Chef heraus, und das war nicht nur unangenehm, sondern absurd. Richtig schlimm wurde es Ende Februar, als der ›Spiegel‹ eine Olympia-Press-Geschichte unter dem Titel ›Sportliches Geschehen‹ brachte. Dazu war es gekommen, weil ich im ›Börsenblatt‹ das Erscheinen der Olympia-Press-Bände für den 1. März angekündigt hatte. Sofort mahnte mich… weiter lesen