Archive for the ‘Making of Pornography’ Category

28.10.2010 von Schröder & Kalender
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Time Was On My Side

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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An Sachbüchern, Essays, Romanen und sonstigen Betrachtungen über die Achtundsechziger und die Folgen herrscht kein Mangel. Wir haben viel davon gelesen und finden nach wie vor, dass der Marbacher ›Protest!‹-Katalog die beste Zusammenfassung über die Literatur um 1968 ist.

Soeben ist nun ›Das alternative Milieu‹ erschienen, in dem antibürgerlicher Lebensstil und linke Politik in der Bundesrepublik Deutschland und Europa verhandelt werden und die Marbacher Essays zum Literaturbetrieb trefflich ergänzen.

Im Zentrum des Buches steht also die transformatorische Rolle des alternativen Milieus zwischen den späten sechziger und den mittleren achtziger Jahren, seine spezifische Kultur, soziale Praxen sowie Selbst- und Fremdbilder. Neben der Bundesrepublik werden weitere europäische Länder betrachtet – nicht zuletzt, weil im alternativen Milieu selbst ein dezidiert transnationales Selbstverständnis vorherrschte. Die Herausgeber Sven Reichardt und Detlef Siegfried beschreiben in ihrem Vorwort ›Das alternative Milieu. Konturen einer Lebensform‹.

Die Beiträge wurden zunächst in Vortragsform auf einer Konferenz der Universität Kopenhagen gehalten. Das erste Kapitel ›Theoretische Annäherungen‹ enthält die Beiträge von Michael Vester: ›Alternativbewegungen und neue soziale Milieus. Ihre soziale Zusammensetzung und ihr Zusammenhang mit dem Wandel der Sozialstruktur‹ und von Dieter Rucht: ›Das alternative Milieu in der Bundesrepublik. Ursprünge, Infrastruktur und Nachwirkungen‹.

Im zweiten Kapitel ›Transnationale Räume und Ethnizität‹ folgen: Detlef Siegfried: ›Das gute Leben im falschen. Dänemark-Wahrnehmungen im westdeutschen Alternativmilieu‹, Anja Bertsch: ›Alternative (in) Bewegung. Distinktion und transnationale Vergemeinschaftung im alternativen Tourismus‹, Manuela Bojadžijev und Massimo Perinelli: ›Die Herausforderung der Migration. Migratische Lebenswelten in der Bundesrepublik in den siebziger Jahren‹, Knud Andresen: ›Linker Antisemitismus – Wandlungen in der Alternativbewegung‹, Moritz Ege: ›»Ich hab’s damals intuitiv richtig erlebt, also feeling gehabt«. Blackness und die Selbsttechniken der Alteritätsaneignung zwischen Gegen- und Popkultur‹.
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06.01.2008 von Schröder & Kalender
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Lass jucken, Kumpel (1)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

Ich setzte bei März und Olympia Press einen Hammerschlag auf den anderen und verstörte mit unseren Hervorbringungen viele, die spießigen Bölls, die feinsinnigen Liebhaber galanter Libretti wie Joachim Kaiser, die noch ziemlich sprachlosen Genossen wie Peter Schneider und solche linksbewegten Literaten wie Peter Handke. Ja, auch Handke war damals a bisserl links. Mehr aber als verstört, also fassungslos empört, waren die Sinngeber aus solchen Metropolen der Kultur wie Bottrop.

1971 lud ich zu einer Pressekonferenz in Dortmund, die intellektuelle Szene war damals erheblich proletarisiert, nicht weit entfernt vom ›Bitterfelder Weg‹, ›Greif zur Feder, Kumpel‹, Max von der Grün, F. C. Delius und Günter Wallraff vorneweg, die ehemalige ›Gruppe 61‹, jetzt ›Literatur der Arbeitswelt‹ oder auch ›Werkkreis 70‹ genannt. Ein schrecklicher bundesrepublikanischer DDR-Muff! Da kam mir Hans Henning Claer gerade recht, ein ehemaliger Polizeiboxmeister aus Berlin, der als Kumpel in Bergkamen lebte.

Noch in meiner Melzer-Zeit schickte er mir ein handgeschriebenes Manuskript in einer dumpfen großen Schönschreibschrift. Der Text war altfränkisch ausgedröhnt, besaß viele bombastische Genitive, die nobilitierende Protokollsprache des Polizeiwachtmeisters, der sich zum Schriftsteller berufen fühlt. Ich schrieb ihm einen Brief: »Lassen Sie doch diese gestelzte Sprache. Schreiben Sie, wie die Leute reden, die Leser wollen etwas vom Leben erfahren und nicht, ob Sie die Mittlere Reife geschafft haben.«

Ein halbes Jahr später erhielt ich einen dicken Umschlag, Claer teilte mit, daß er alle meine Anweisungen befolgt habe, jetzt stehe es so auf dem Papier, wie ich es ihm aufgetragen habe. Sein Manuskript hieß ›Glück auf, Kumpel‹. Und wegen der ›Bitterfelder‹ Jungs in den Feuilletons dachte ich mir, dieses Werk muß erscheinen, so, wie es ist, weil ich mir nämlich einen Ast lachte beim Lesen. Es gibt darin unschlagbare Sätze, anhand derer, wenn sie nicht so eng im Kopf wären, ganze Soziologenjahrgänge des Instituts für Handelsforschung der Universität zu Köln über Konsumismus forschen könnten, wie: »Der Slip flog in die Constructa.« Oder Alfons Silbermann könnte in der Schriftenreihe ›Kunst und Kommunikation‹ ausreichend Textstellen analysieren: »Auf dem reizvollen Körper hechelnd schlug der Glutäugige wieder zu: ›Oh, wie das juckt. Ich schmeck mein Blut.‹ ›Du Sau … du Mörder!‹ Und ganz von ferne vernahmen die Perversen das Keifen von Krampfader-Marie.«

Ja, das ist doch die reine Pütt-›Ilias‹. Haben sie nicht etwas Hauptumlocktes, etwas von der bombastischen Griechensprache, die schlau ersonnenen Worte dieses Kumpels, das ist doch Natur-Ilias, also Natursekt. Ich lachte Tränen und dachte: ›Glück auf, Kumpel‹ ist ein blöder Titel. Welche Wortverbindungen kenne ich mit ›Kumpel‹? Und weil ich von Düsseldorf aus oft im Ruhrgebiet war, fielen mir die geflügelten Worte ein: »Laß jucken, Kumpel!« Die waren damals überhaupt noch nicht sexuell besetzt, bedeuteten einfach nur: »Nu’ mach mal!« Am nächsten Tag gab ich das Manuskript meinem Olympia-Press-Lektor Hardo Wichmann: »Lies nur auf Orthographie, Zeichensetzung, ein wenig Grammatik, möglichst nichts ändern. Also quasi nur abtippen lassen, damit wir es so in Satz geben können.« Nach zwei Tagen kam Hardo: »Aaber«, er stotterte, wenn er sich erregte sogar heftig, »dadas kakann maman seseso nicht mamachen!« »Laß es so!«

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Dieses Buch sollte jetzt auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden – eine Dortmunder Inszenierung. … weiter lesen

08.08.2007 von Schröder & Kalender
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Geschichte der O – La seconde fois

von Schröder & Kalender

Dieser Beitrag vom 26.07.2006 wurde vermutlich beim Headcrash oder sonstwie aus unserem tazblog-Archiv gelöscht. Daher bringen wir ihn erneut.

Der Bär flattert heute mittag in östlicher Richtung.

Wie sich die Zeiten wandeln! Die Zeitschrift BuchMarkt berichtet über unsere Blog-Serie The Making of Pornography und über ein gemeinsames Sommerprojekt von Bertelsmanns Verlagsgruppe Random House und BILD: Die BILD-Erotik-Bibliothek, welche neun Pornos enthalten soll. Darunter auch die Geschichte der O. Da werden bestimmt Liz Mohn und Friede Springer vor Entrüstung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen!

(BK / JS, 26.07.2006 um 18:11)
Kommentar am 27.7.2006 um 14:58

Lieber Jörg, liebe Barbara,

hier mein kleiner Beitrag zur “Geschichte der O”; als kleine Impression, wie es damals an der Leserfront zuging:

Im “twen”, und zwar innerhalb dieses auf beigefarbenem Papier bedruckten Kulturteils, fand ich diese Kurzrezension, es waren vielleicht nur 35 Zeilen in einer Achtelspalte, verfasst von Alf Brustellin. Der hatte 1959, ich… weiter lesen

21.12.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (25)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in nordöstlicher Richtung.
Must read: Wer sich für das Verhältnis der Pornographie zur Kunst und vice versa interessiert, dem empfehlen wir das neue Heft von ›Texte zur Kunst: Porno‹. In seinem Beitrag ›Indie im Kampf mit dem Index‹ schreibt Diedrich Diederichsen über März und Olympia Press: »Indie-Porno ist eine etwas andere Geschichte. Ökonomisch war Porno immer Indie, aber nicht weil man anders wirtschaften und mehr Autonomie für die Künstler herausholen wollte, sondern weil das Geschäft geächtet war. Natürlich führte das in der Porno-Kultur auch immer wieder zur künstlerischen Effekten oder hohen Tabubruchkoeffizienten, so dass eine sozio-ästhetische Nähe zur Gegenkultur entstand: Wenn Herschell Gordon Lewis nicht Gore oder Nudies drehte, machte er was mit LSD und Black Panther. Der kulturrevolutionäre März Verlag produzierte unter dem Label Olympia Film nebenher Pornofilme. Sein Verleger, Jörg Schröder, hatte vorher die deutsche Olympia Press geführt, deren… weiter lesen

28.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (24)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördwestlicher Richtung.
Und so geht’s weiter: Noch gravierender aber als auf Heinrich Böll war die Wirkung des ›Stern‹ auf den Richter für Handelssachen am Landgericht Frankfurt. Es gab einen Rahmenvertrag mit Maurice Girodias, in dem vereinbart war, daß Tantiemen an ihn gezahlt werden zur Verteilung an die amerikanischen Autoren – eigentlich normal. Nun war wegen des großen Aufsehens, das die Olympia Press Deutschland erregte, unsere Erfolgsgeschichte auch an die Ohren dieser Schriftsteller gedrungen, denen Girodias zwar Tantiemen für die Originalausgabe in den USA gezahlt hatte, aber nicht für die deutsche Lizenz. Die Autoren veranstalteten deshalb Demonstrationen vor dem Büro der Olympia Press New York, um auf sich aufmerksam zu machen: ›Auch Pornoautoren müssen leben!‹, stand auf ihren Transparenten. Es häuften sich die Briefe des Ehepaars Abrams an mich, das waren die Verfasser des Buches ›Barbara‹, ihr Pseudonym war Frank Newman, und weiterer zwanzig Autoren. Girodias schrie zusätzlich aus New York, London, Mailand, Istanbul oder von den Bahamas nach höheren Abschlagszahlungen auf jene Tantiemen, die er den Autoren vorenthielt, und würzte seine Fernschreiben mit herzzerreißenden Sprüchen wie: »authors cry!«

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Unser Umsatz war in den ersten Monaten steil nach oben … weiter lesen

23.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (23)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

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Und so geht’s weiter mit einem P.E.N.-Kongreß in Nürnberg, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹:

Auf dem Rückweg fuhr ich mit der Familie nur bis Nürnberg, blieb allein dort, ich wollte zur PEN-Tagung, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹. Horst-Dieter Ebert vom ›Spiegel‹ hatte mir den Tip gegeben, dort aufzutauchen, ich war ja in Sachen Pornographie auch als Lobbyist tätig, es ging schließlich immer noch um die ›Freigabe‹. Die Meistersingerhalle war überfüllt, die Leute saßen auf dem Boden, die Diskussion mußte in die Wandelgänge übertragen werden. Präsident war Heinrich Böll, und auf dem Podium saßen Walter Jens, Werner Ross, mein ehemaliger Französischlehrer in Bonn, und einige andere unentwegte Debattierer. Aus dem Saal sollte mitdiskutiert werden. Ebert hatte für uns einen Platz in der ersten Reihe reserviert, neben mir saß Gabriele Henkel, die sich in der Bewegungszeit in jedes Kulturereignis einmischte, das irgendwo en vogue war. Es konnte gar nicht links und schrill genug zugehen, bis ihr Konrad so etwas strikt verbot.

Das jetzt nur als Volte, um klarzumachen, daß Gabriele Henkel sich damals geradezu manisch fortschrittlich gebärdete und in der Meistersingerhalle natürlich auch über Pornographie ein Wörtchen mitreden wollte. Die Veranstaltung begann, und Heinrich Böll posaunte vom Podium, ich traute meinen Ohren nicht — was erzählt er da? Er betete Petschulls ›Stern‹-Artikel über den Pornokönig runter wie auswendig gelernt. Anhand dieses Pornokönig-Bösewichts — Böll nannte mich nicht beim Namen, aber fixierte mich, ich saß ja nur ein paar Meter unter ihm —, anhand dieser »hemdsärmeligen Figur, die sich auch noch etwas darauf einbildet, daß sie kein guter Mensch sei und auch keiner werden wolle«, machte er seine Abscheu vor Pornographie klar, begleitet von rotbäckchenhafter Akklamation des Werner Ross und des Gummischuhgesichts Walter Jens. Derselbe Jens, der 1968 für mich zusammen mit seiner Frau Inge ein dreißig Seiten langes euphorisches Gutachten schrieb in Sachen ›Geschichte der O‹, was ja nun mal ein veritabler pornographischer Roman ist. Das glaubst du nicht? … weiter lesen

14.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (22)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Und so geht’s weiter mit einem sonderbaren Kurhotel: Von Garmisch komme ich einfach nicht los, so fängt in ›Siegfried‹ mein erzähltes Leben an, dort passieren mir immer wieder Geschichten, das ist fast wie ein magisches Dreieck: Berlin, die Rheinlande, Garmisch. Irgendwas habe ich mit diesem sonderbaren Tal, und da ich kein Skispringer bin, muß es was anderes sein. Anfang der 70er war ein Osterurlaub geplant, wir starteten am Gründonnerstag zu einem Familienausflug, meine Mutter, Erika und Katinka. Als wir abends in Garmisch ankamen, fand ich das ›Kurhotel Dr. Beger‹ nicht, in dem die Zimmer reserviert waren, weil der Fünfziger-Jahre-Kasten etwas zurückgesetzt von der Straße lag, unbeleuchtet hinter der Kiesauffahrt schlummerte. Ich stolperte durch die Rabatten, rüttelte an den Türen, es gab keine Rezeption, eine Kurklinik. Nach längerem Rufen und Kieselsteinwerfen an die Fenster ging Licht an, ein Fenster öffnete sich, im ersten Stock… weiter lesen

07.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (21)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Und so geht’s weiter mit der Geschichte vom Pornokönig im ›Stern‹: Die Geschichte erschien, es stand nichts von mir drin, alles Petschull-Substrate. Ich hatte ihm vier Stunden aus meinem Leben erzählt, weitere vier über die literarische Linie des März Verlags geredet, von den Anfängen im Melzer Verlag, von der Sezession, wie ich diese Literatur rüberholte zum März Verlag und wie wir uns finanzieren. Ein Gespräch über ein literarisches Programm, von dem sich nichts im ›Stern‹ wiederfand. Jeder glaubt doch einem Verleger, daß der eher über seine hundert Bücher spricht, die er gemacht hat, und über hundert, die er noch machen will, als über eine Pornographiereihe, weil darüber ja nicht so viel zu reden ist. Ich wundere mich also heute, daß ich mich damals im ›Siegfried‹ nicht so eindeutig, wie ich es jetzt hoffentlich tue, darüber ausgelassen habe, was dieser Petschull für ein Lump… weiter lesen

30.10.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (20)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Und so geht’s weiter mit einer Recherche des ›Stern‹ für die Geschichte vom Pornokönig: Zu allem Überfluß meldete sich — das ist jetzt die Sahne, dachte ich — im Februar ein Reporter, Jürgen Petschull, jetzt müsse endlich im ›Stern‹ die große definitive Geschichte über mich erscheinen. Kein Pippifax, eine Titelgeschichte sollte es werden, so fing er mich. Aber wie die Zeichen standen, konnte das nur gut für mich und den Verkauf der Bücher sein. Jürgen Petschull erschien mit dem Fotografen Jay Ullal in meiner Wohnung in der Günthersburgallee, ich erzählte ihm, wie ich immer erzähle, über mein Leben, meine Vorstellungen als Verleger, meine Schwierigkeiten, meine Erfolge, wie alles entstanden ist — dämlicherweise. »Alles wunderbar«, meinte Petschull, jetzt müsse er nur noch ein paar Bilder von einer Pornoproduktion haben, »wir können ja nicht nur Text veröffentlichen.« »Ich kann doch so eine Produktion nicht nachstellen.… weiter lesen

25.10.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (19)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
Und so geht’s weiter mit einem Happyend dank ›Lucy’s Lustbuch‹: Was damals schon Porno hieß! Es handelte sich bei unserem Bilderroman um eine jener sonderbaren Hervorbringungen im Zwischenbereich von Aktmodellstehen und Pornographie. Denn alle diese Kopulationsszenen waren gestellt, kein erigierter Schwanz durfte zu sehen sein, erst recht kein Rein-raus-Spiel. Gunter Rambow, der wirkliche Fotograf, baute Hunderte von Szenen auf, regelrechte Laokoon-Gruppen. Nach der Aufnahme stürzten die gestellten Bilder in sich zusammen wie eine Laiensportlerpyramide im Turnverein. Ich dokumentierte die Session mit meiner Sony-Schwarzweiß-Videoausstattung der ersten Generation, drehte die gefrorenen Posen und deren Auflösung. So entstand ein Sechs-Stunden-Band, sicher die komischste Pornodokumentation, die es je gab. Leichthändig war die Einheit von Handlung, Ort und Zeit gelungen, ein potenzierter Aristoteles nebst einer Katharsis von Schrecken und Jammer nicht zu knapp. Leider ist das Videoband jetzt so verblichen, daß du nur Schemen darauf erkennst. Aber der… weiter lesen