01.09.2011 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
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1970 gründete ich in Frankfurt a. M. und Genf die ›Bismarc Media‹ als GmbH bzw. SA (Schweizerische Aktiengesellschaft). Die Geschichte dieser Konzept-Agentur habe ich dann im ›Siegfried‹ erzählt. Auf den neuesten Stand gebracht (also inklusive Trittbrettfahrer Helmut Höge) wurde sie im soeben erschienenen Buch ›Immer radikal, niemals konsequent‹. Auch in diesem Blog gibt es einen Beitrag über Sinn und Zweck der kryptischen Agentur.
Lediglich um die Antwort auf die häufig gestellte Frage: »Warum hast du sie ausgerechnet ›Bismarc‹ genannt?« habe ich mich bisher gedrückt. Weil nämlich die Kette der Assoziationen bei den meisten Namen- und Titelsuchen aus vielen oft banalen Gliedern besteht. Der Name der Agentur sollte etwas mit mir zu tun haben, aber natürlich über das Biographische hinaus weisen. Also: Ich bin in der Bismarckstraße 36 a (heute Hermann-Hesse-Straße) in Pankow-Niederschönhausen aufgewachsen. Als… weiter lesen
28.08.2007 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.
Während des 9to5-Festivals haben mich viele Teilnehmer, die bei der Diskussion nicht zugehört hatten, nach der Bismarc Media gefragt. Deshalb hier nochmals in aller Kürze: Warum heißt der Kulturbetrieb Kulturbetrieb? Weil es dabei auch um Geschäfte geht. Obwohl dies so ist, werden die Produktionsbedingungen von Werken der Kunst und Literatur meist nicht thematisiert. Wir wollten das 1968 ändern und gründeten die Literaturproduzenten, ein Zusammenschluß von linken Autoren, Verlagsangestellten und Buchhändlern, welche die Produktionsverhältnisse zum Tanzen bringen wollten mittels Gründung von Autorenverlagen, Mitbestimmung und Meinungsfreiheit in Buchhandlung und Verlagen.

aus ›Protest! Literatur um 1968‹, Marbacher Kataloge, 1998
Ich hatte vorher in diversen Verlagen als Werbeleiter und Verlagsleiter gearbeitet und gründete 1969 den März Verlag und die Olympia Press. Bis zu einem gewissen Grade wurden die Vorstellungen der Literaturproduzenten bei März und Olympia Press eingelöst: Alle vier Mitgründer der beiden Verlage wurden Kommanditisten, ich… weiter lesen
09.09.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert leicht in östlicher Richtung.
Und so geht’s weiter: Wir saßen da und stützten die Köpfe, Uve Schmidt und ich. Zu dieser Zeit, Ende 1969/Anfang 1970, war Bazon Brock noch eine gerngesehene Person im Hause März. In jeder März-Programm-Vorschau stand damals seine ›Revolution des Ja‹, die ich bereits zwei Jahre vorher im Melzer Verlag angekündigt hatte. Mit Bazon Brock sprach ich über die Schwierigkeiten der Pornofilmproduktion, und er: »Kein Problem, den Film mache ich.« Er übernehme die gesamte Produktion, er kenne da einen jungen Absolventen der Münchner Filmhochschule. »Au weh, schon wieder ein Absolvent.« »Doch, das ist ein guter Mann.« Also, er realisiert das mit dem guten Mann und seiner Klasse an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg, »da kann nichts schiefgehen«. Ich, vorsichtig geworden, zahlte erst mal nur das Filmmaterial. Vor Drehbeginn wurde das Verteidigungskonzept festgelegt, wir durften ja nur Filme machen, die von vornherein so konzipiert… weiter lesen
12.08.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert schwach in nördlicher Richtung.
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Soeben ist ein Buch von Jürgen Roth im Oktober Verlag (http://www.oktoberverlag.de) erschienen: ›Anschwellendes Geschwätz. Kleine Chronik des kommunikativen Krawalls‹. Der Titel enthält auch ein längeres Interview über das ›Wahnsystem Feuilleton‹, das Jürgen Roth mit mir für ›Konkret‹ führte:

Eine Korrektur zur Konkret-Bildunterschrift: Ich habe natürlich gesagt: »Debile alte Säcke werden von solchen Hyänen plattgemacht.« Und hier ist das Konkret-Interview vom Juni 2004:
Wahnsystem Feuilleton
Hochstapelei, Nazipornos, verbotene Bücher und hysterisch diskutierte Verlagswandlungen und -wechsel scheinen die These zu bestätigen, daß der Literaturbetrieb endgültig auf den Hund gekommen ist. Jörg Schröder, der 1969 den März Verlag gründete, die hiesige Verlagslandschaft prägte, durch spektakuläre Publikationen und camouflageartige Aktionen für allerhand Wirbel sorgte und seit 1990 zusammen mit Barbara Kalender viermal jährlich etwa dreihundert Subskribenten mit der Serie Schröder erzählt beglückt, äußert sich zu den zahllosen jüngeren Fällen literarischer und feuilletonistischer Skandalisierung – und zwar auch aus dem Anlaß, daß im area Verlag jetzt die wichtigsten Bücher des März Verlags wiedererschienen sind
Jürgen Roth: In den aufgeregten Feuilletons ist von einer neuen Zeit der Literaturskandale und einer „neuen Klagelust“ (Frankfurter Rundschau) die Rede. Warum dieser Lärm um das ganze Kuddelmuddel von Maxim Biller über die offenbar erfundenen Spionageabenteuergeschichten der Pseudonyma Nima Zamar bis zu Thor Kunkel, um Fragen der Urheberschaft oder der Verquickung von Authentizität und Dichtung? Man könnte doch auch einfach sagen: Na ja, es geht halt mal was in die Hose, und damit hat es sich. Oder interessiert dich das alles überhaupt nicht?
Jörg Schröder: Was heißt interessieren? Interessieren tut mich das in der Weise, wie einen ein Feuilleton immer interessiert. Man liest das sehr intensiv, und wenn man’s weglegt, ist es egal, ob man’s gelesen hat oder nicht. Deswegen heißt das ja Feuilleton. Und jetzt wird halt alles mögliche versucht, weil die Zahlen rot sind und weil sich die Leute in den Feuilletons ihrer Nichtigkeit wenigstens in ökonomischer Hinsicht bewußt werden. Da treibt man eben ein Schwein nach dem anderen durchs Dorf, ob Walser und Reich-Ranicki oder wen und was auch immer. Nun haben sie vor allem die alte Geschichte mit der Würde der Person am Wickel. Zu den Feuilletons gesellen sich dann aber noch die Nachfolgetäter. Wenn es ernstgenommen wird, daß sich die ehemalige Freundin von Biller in dessen Roman wiedererkennt und deshalb die Justiz anruft, kommen sofort zwei, drei andere Figuren angewackelt. Die Feuilletons steigen darauf natürlich ein, weil man da nicht viel nachzudenken braucht. Was auf der Boulevardebene Bohlen ist, wird im Feinfeuilleton mit Biller abgehandelt. … weiter lesen