Posts Tagged ‘BRD’

22.07.2010 von Schröder & Kalender
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Ein Fall von bilateraler Zensur

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert munter in südöstlicher Richtung.
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Als der März-Verlag im Jahr 1972 den ›OMGUS-Bericht‹ ankündigte, verursachte dies allergrößte Aufregung in der Vorstandsetage der Deutschen Bank. Es handelte sich um die Ermittlungen gegen die Deutsche Bank, welche eine Gruppe von Mitarbeitern der US-Finanzabteilung 1946 – 1947 im Auftrag der Militärregierung der Vereinigten Staaten für Deutschland vorlegte. Das Resümee des über vierhundert Seiten starken Manuskripts lautete: »Es wird empfohlen, dass:
1. die Deutsche Bank liquidiert wird,
2. die verantwortlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden,
3. die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden.«


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07.11.2009 von Schröder & Kalender
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Keine Heimat

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.
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Auch das gab es bei März: 1980 erschien das Buch des freigekauften DDR-Dissidenten Wolf Deinert, der weder im Osten noch im Westen seine Heimat fand. Und so wurde es bei Zweitausendeins im Merkheft Nr. 54 verkauft: »Wolf Deinert ist ein Freigekaufter aus der DDR. Sein Buch heißt ›Meine Heimat‹. Er meint damit nicht die DDR, die er verlassen wollte / durfte. Nicht die BRD, die ihn sich gekauft hat. Er meint beides. Und mit Ironie. Deinert stellt in seinem Buch den Deutschen vor, der gegen alle Realitäten sein Heimatrecht fordert. Erst versucht er es mit der positiven Utopie einer wahrhaft sozialistischen Gesellschaft. Dann versucht er es mit der optimistischen Utopie, daß der freie Markt in der Bundesrepublik auch freie Beziehungen untereinander möglich macht. Ergebnis: Keine Heimat. Deinert hält es hier wie dort nicht aus. ›Die deutsche Thematik, interessant, weil gut geschrieben‹, Süddeutscher Rundfunk. 166 Seiten, fester Einband, März. 16 DM. Nummer 15866.«
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Heute hat Wolf Deinert offenbar seine Heimat gefunden, er schreibt für die Junge Freiheit – Kommentar überflüssig. Nach David Horowitz der zweite Renegat im März-Programm vor solchen unangenehmen Überraschungen ist man als Verleger nie sicher.

Wolf Deinert, Meine Heimat, März Verlag
Wolf Deinert, ›Meine Heimat‹. Hardcover ohne Schutzumschlag, 168 Seiten. März Verlag, 1980 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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18.07.2009 von Schröder & Kalender
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Kopf und Bauch

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Gerhard Zwerenz gehört zu den vitalsten Gestalten in der deutschen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. »Wie bei Norman Mailer und Henry Miller sind es die Tabus, die sein Interesse wecken: politisches Engagement, das Experimentieren mit den Formen des Trivialromans und immer wieder die Sexualität. Schon lange vor den Achtundsechzigern plädierte Zwerenz in seinem Roman ›Casanova‹ für sexuelle Freizügigkeit von gesellschaftlichen Zwängen und Normen.« (Kindlers Neues Literaturlexikon)

In seinem autobiographischen Roman ›Kopf und Bauch‹ berichtet Zwerenz vom Ausbruch aus den Grenzen seiner Herkunft, seiner Lehre als Kupferschmied, den Erfahrungen aus Krieg und Gefangenschaft und der Begegnung mit seinem ›zweiten Vater‹  Ernst Bloch, bei dem er in Leipzig Philosophie studierte. Der Autor schildert seine rebellische Existenz in der DDR wie auch in der Bundesrepublik als Sozialist und Libertin. »Lebendig, echt und wahr wirken die Menschen, die Zwerenz beschreibt, weil er die Umstände unter denen sie leben und leiden und sterben, mit einer Genauigkeit und Intensität schildert, die in der deutschen Gegenwartsliteratur ihresgleichen suchen.« (Tagesanzeiger, Zürich). Zwerenz Engagement für Freiheit und Sozialismus begann, als er 19 Jahre alt war, er desertierte und wurde zum Antimilitaristen. Es liegt deshalb in der Natur der Sache, daß die Zahl seiner Gegner so groß ist wie die seiner Sympathisanten.

Aus der Fülle der Pressestimmen und Urteile über Gerhard Zwerenz:

»Gerhard Zwerenz ist ein Moralist klassischen Stils. Einer, der es im Westen nicht leicht hat, weil er sich dem Klüngel nicht anschließt, der hier das Wetter macht.« Robert Neumann in seiner Autobiographie ›Vielleicht das Heitere‹, 1968.

»Gerhard Zwerenz ist eine der umstrittensten und streitbarsten Figuren auf der deutschsprachigen Literaturszene, und ›Kopf und Bauch‹ ist ein glänzendes und ärgerliches Buch. Zwerenz hat nie aufgehört, die Intellektuellen zu hassen, obgleich er selbst zu ihnen gehört. Schwierig aufzuzählen, was ›Kopf und Bauch‹ alles ist: autobiographisch, politisch, polemisch, pornographisch, erzählend, quälend, umsichtig, kurzsichtig, und sicherlich eines der am wenigsten rezensierbaren Bücher, spannend und bemerkenswert,  ein typischer Zwerenz. Noch nie war er so ausfallend: die ganze Kulturscheiße ist auf 300 Seiten versammelt – und dann rein in die Fresse, jede Seite ein Schlag.« Martin Gregor-Dellin, 1971.

»Verdächtig war Zwerenz mit seinem Widerspruch ohnehin . So viel Bekennermut und Widerspruchsgeist erbitterte die Parteiwächter drüben sogar noch eher als die Scharfmacher hüben.« Alfred Kantorowicz, ›Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt‹, 1975.

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Gerhard Zwerenz, ›Kopf und Bauch. Die Geschichte eines Arbeiters, der unter die Intellektuellen gefallen ist‹. Pappband, 352 Seiten. Neuauflage der Erstausgabe des S. Fischer Verlags (1971) im März Verlag, 2005 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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11.02.2007 von Schröder & Kalender
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August Kuper und die Sozialistische Aktion

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.

Dieses Märchen handelt von einem, der auszog, das Französische zu lernen. Allerdings hat in meiner Geschichte der Vater nur den einen ungeratenen Sohn: Die Rede ist von Peter Kuper, genannt Hamlet, der inzwischen durch sein Buch zu einem Frankfurter Original avancierte. Als junger Mann war er eine Weile mit Helga Matura zusammen, der zweitberühmtesten Hure vom Autostrich – nicht als ihr Zuhälter, eher als Diener, denn sie zahlte ihm nur ein Taschengeld. Der Matura-Mörder wurde nie gefaßt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß sie auch die Kokotte eines saudischen Prinzen war, der ihr den Cadillac schenkte, mit dem sie ihre Runden drehte. Aber ich will hier keinen neuen Handstreich gegen die Opec verüben, sondern nur von Hamlet berichten, der mir bei meinen Streifzügen durchs Nachtleben aufgefallen war.

Als komische Szenefigur geisterte er durch die Frankfurter Halbwelt, ein dünnes langes Elend: »Ich bin einsdreiundneunzig groß«, teilte er jedem ungefragt mit. Und weil er als Kind hellblondes Haar hatte, ließ er es jetzt bleichen. Also lange grellblonde Flusen unter einem schwarzen Hut, dicke blaue Gläser im Ray-Ban-Gestell – der Mann ist extrem kurzsichtig –, und wie Franco Nero als Django trug er einen langen Leinenflattermantel. Dieser dürre, gebeugte Mensch in pittoreskem Aufzug hatte außerdem einen merkwürdigen Gang. Später erfuhr ich von Hamlet, daß er sich diesen »Tigergang« angewöhnt habe, weil ihm als Knabe der wiegende Schritt der schwarzen G.I.s imponiert hatte. So tigert er auch heute noch als Neunundsechzigjähriger in Frankfurt herum. Damit nicht genug, dieser Ausbund regredierter Phantasie führte einen falbfarbenen Afghanenhund an der Leine. Kannst du dir vorstellen, was diese beiden Langhaarigen zusammen für ein seltsames Gespann waren?!

Zum ersten Mal sprach mich Hamlet im ›Dominique‹ an, einem Szenelokal in der kleinen Bockenheimer neben dem ›Jazzkeller‹. Während ich Prinzessin Meyer begrüßte, die mir ihren neuen Freund vorstellte, blies mir ein warmer Atem wie aus Pferdenüstern ins Ohr: »Kurz nach Anbruch der Morgendämmerung betrat Captain Hornblower das Achterdeck der ›Lydia‹ …« Es hatte etwas von einem Zauberspruch, … weiter lesen