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Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.
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Gestern fand in Mülheim die Uraufführung von Fassbinders ›Der Müll, die Stadt und der Tod‹ statt. Wir erzählen hier die Geschichte der ›Notausgabe‹ im eigens dafür gegründeten April, April! Verlag:
Der Verlag der Autoren bekam Wind von der Sache und beantragte beim Schnellrichter eine Beschlagnahmung der ›April, April!‹-Ausgabe. Einen Tag vor der Pressekonferenz erschienen zwei hessische Polizisten mit dem Gerichtsvollzieher Hohler – der Mann hieß tatsächlich so! – und präsentierten einen Durchsuchungsbefehl, der sie ermächtigte, alle auffindbaren Exemplare der ›April, April!‹-Ausgabe sicherzustellen. Vorsichtig, wie wir gewesen waren, befanden sich die für die Pressekonferenz vorgesehenen zweihundert Bücher nicht im Hause, sondern lagen im Volvo-Kofferraum. Die Polizisten und der Gerichtsvollzieher machten die Bude links, ans Auto, das dick und fett vor der Haustür stand, dachten sie nicht. So fanden sie nur zwei Belegexemplare, die sie beschlagnahmen konnten.
Trotzdem hatten die Beamten Spaß an der Aktion, mit ihren Stinkefingern wühlten sie ausgiebig in Barbaras Unterwäsche. Obwohl Barbara sie darauf hinwies, dass dies ihr Privatzimmer sei, durchstöberten sie jede Schublade der Kommode. Wie japanische Wäscheschnüffler begrapschten sie jeden Slip. Nein, dieser Vergleich ist falsch! Barbara legt Wert auf die Feststellung, dass in ihren Schränken keine benutzte Wäsche aufbewahrt wird.
Warum wir für die Pressekonferenz ausgerechnet den ›Frankfurter Hof‹ wählten? Na, ganz einfach: Weil erfahrungsgemäß in so einem ersten Haus am Platze mehr Journalisten erscheinen, als wenn du ins Gewerkschaftshaus einlädst, zweiter Stock, dritte Tür links. Der Konferenzraum war rappelvoll mit zirka sechzig Leuten. Es gab auch eine Fernsehkamera, alle wichtigen Zeitungen und Magazine hatten Korrespondenten und Reporter geschickt: ›Baseler Nachrichten‹, ›Frankfurter Allgemeine‹, ›Frankfurter Rundschau‹, ›Süddeutsche‹ und wie sie alle hießen. Zwerenz sprach über die Genesis von Drehbuch und ›Müllstück‹, Anwalt Oehme legte unsere Urheberrechtsposition dar, ich polemisierte gegen den Verlag der Autoren, der als einer der Kollektivverlage 1969 aus der Literaturproduzentenbewegung hervorgegangen sei und jetzt einem anderen linken Verlag die Polizei ins Haus schicke. Und nicht nur uns, auch der Sozialistischen Verlagsauslieferung; Helmut Richter hatte es ebenfalls empört, dass der Genosse Karlheinz Braun das Sova-Lager von Polizeikräften durchsuchen ließ, übrigens auch hier ohne Erfolg. Doch als Barbara den Presseleuten berichtete, wie die Bullen mit den Wichsgriffeln in ihrer Unterwäsche rumgestöbert hatten, wirkte diese schlichte Geschichte überzeugender als unser ganzer elaborierter Urheberrechtsklimbim.
Das war wirklich ein Ding! Man kann sich ja vor Gericht bekämpfen, aber einem anderen Verlag die Bullen ins Haus schicken, dazu würde ich mich nicht hinreißen lassen. Noch ganz andere Geschmacksbollwerke begannen unter dem Druck der Ereignisse zu bröckeln. Klaus Schöffling, damals noch nicht Verleger, sondern Dozent an der Buchhändlerschule, schrieb im ›Börsenblatt für den deutschen Buchhandel‹ sieben Seiten voll mit grotesken Sätzen wie: »Jedenfalls schreckt jetzt ein Verleger, der dieses Handwerk seit immerhin zwanzig Jahren betreibt, nicht vor einem Raubdruck zurück und versucht auch noch, den Rechteinhaber als ›links‹ zu diffamieren: Jörg Schröder.« Dass ›links‹ einer Diffamierung gleichkommt, muß einem erst mal einfallen! Man konnte sich nur noch an den Kopf fassen, was hier bei bisher intellektuell satisfaktionsfähigen Leuten vor sich ging. Es zeigte sich eben, dass diese ›Müllstück‹-Kontroverse mehr vom ewigen Antisemitismus hochspülte als geahnt, ein ähnliches Phänomen wie bei der Walser-Diskussion. … weiter lesen

