Posts Tagged ‘Gudrun Ensslin’

09.03.2011 von Schröder & Kalender
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Bernward Vesper war vollkommen anders

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Leider können wir dem Impuls nicht nachgeben, die ignoranten und zuweilen kranken Elogen zu Veiels Film ›Wer, wenn nicht wir‹, einfach zu ignorieren. Denn als Herausgeber und Verleger von Bernward Vespers Romanessay ›Die Reise‹, den Peter Weiss einen »intellektuellen Höhepunkt der Bewegung des Jahres ’68« nannte, haben wir die Verantwortung das Lebensbild und das Werk von Bernward Vesper zu schützen. Heute hat uns der Autor, Komponist und Regisseur Ronald Steckel, ein Freund von Bernward Vesper und Autor in dessen Edition Voltaire, seinen Brief an Andres Veiel gemailt und uns gestattet, diesen hier zu bringen. Der Text spricht für sich selbst.

»Lieber Andres,

…noch ein kommentar zu Deinem film: als erstes gratuliere ich natürlich zu Deinem erfolg! mit dem ersten spielfilm gleich den Alfred-Bauer-Preis zu erringen, das ist wirklich bemerkenswert… mein eindruck war… anders – nicht so gut, ich verliess das kino… weiter lesen

02.03.2011 von Schröder & Kalender
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Vulgärpsychologie

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Als hätte es keinen Vietnamkrieg gegeben, kein My Lai, kein Napalm und kein Agent Orange, gründelt Andres Veiel in seinem Film ›Wer, wenn nicht wir‹ in den Szenen eines verschlungenen Familienromans, der im Pfarrhaus der Ensslins und in Bernward Vespers elterlichen Gutshaus spielt. Dort sucht er nach der Motivation des bewaffneten Kampfes der RAF. Also Vulgärpsychologie at its best, die so wenig stimmt wie die Familiendetails.

Man kann nur den Kopf schütteln über die schlampige Recherche des als Dokumentarfilmers hoch gepriesenen Regisseurs Veiel. Der Film kommt morgen in die Kinos, und wer sich den öden Streifen unbedingt ansehen möchte, der sollte vorher lesen, was Gottfried Ensslin, der Bruder von Gudrun Ensslin, darüber schreibt. Was wir davon halten, haben wir ja schon gebloggt. Damit man sich wenigstens qualifiziert über den Film ärgern kann.

(BK / JS)

18.02.2011 von Schröder & Kalender
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Viel Falsches bei Veiel

von Schröder & Kalender

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Es ist neblig, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Bereits vor der Berlinale distanzierten wir uns als Verleger und Herausgeber ›Der Reise‹ von Andres Veiels Film ›Wer wenn nicht wir‹ und zwar mit der Begründung, dass es sich dabei um eine Adaption von Koenens Buch ›Vesper, Ensslin, Baader‹ handelt, also um eine Adaption tendenziöser Sekundärliteratur.

Jetzt haben wir den Film gesehen, es ist noch schlimmer gekommen! Andres Veiel hat Dokumentarisches und Fiktionales, dem jede innere und äußere Wahrheit fehlt, zusammengerührt. Ein paar Beispiele: In der Berghütte ihrer Familie zerschlägt Gudrun Ensslin ein Glas und setzt sich mit dem nackten Hintern in die Scherben. Bernward Vesper rettet sie aus dem Wald, wohin sie sich geflüchtet hat. Diese von Lars von Trier schlecht geklaute Szene hat es in der Realität nie gegeben. Auch besaß die Pfarrersfamilie keine Berghütte, und die Ensslins waren auch keine pietistischen… weiter lesen

12.01.2011 von Schröder & Kalender
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Berlinale: Die Urszenen der RAF als Seifenoper

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Wie gemeldet, wurde der Film ›Wer, wenn nicht wir‹ von Andres Veiel für den Wettbewerb der diesjährigen Berlinale nominiert. Angeblich erzählt der Film die wahre Liebesgeschichte von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper, die angeblich an Gudrun Ensslins politischer Radikalisierung scheiterte, so propagiert die Produktion Zero One den Film.

Bekanntlich scheiterte die Beziehung Ensslin-Vesper jedoch daran, dass Gudrun Ensslin sich in Andreas Baader verliebte und Vesper verließ. Der Regisseur Veiel will aber dem Publikum die Urszenen der RAF als ›Tristan und Isolde‹-Seifenoper andrehen. Das ist sein gutes Recht als Regisseur, jeder so gut er kann. Fest steht, dass sich Gudrun Ensslin und Bernward Vesper im Grabe herumdrehen würden, wenn sie erführen, wie hier mit ihren Biographien umgesprungen wird.

Hinzu kommt, dass Veiel nach eigener Aussage den Autor Vesper so darstellt: »Bernward Vesper rebellierte gegen den Nazivater und blieb dessen Gedankenwelt doch… weiter lesen

26.09.2009 von Schröder & Kalender
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Mammut (2)

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.

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Aus einer Besprechung des ›März-Mammut. März-Texte 1 & 2‹ von Diedrich Diederichsen aus dem Jahr 1984, die der ›Spiegel‹ bestellt, aber nicht abgedruckt hatte, ebenso wenig wie die von Rainald Goetz. Aus dem Diederichsen-Text veröffentlichen wir hier eine kurze Passage:

»Herausragend in ‘Mammut’ sind dennoch nicht nur die Schröder-Texte. Der Komplex Terrorismus mit Vespers und Gudrun Ensslins Reisefotoalbum und Wolfgang Pohrts Amnestie-Kampagne und einem Brief über Vesper von Jugendfreund Henner Voss, Gunnar Heinsohns erste materialistische Beschreibung der Hexenverfolgung, der Komplex Psychoanalyse/Otto Groß, Franz Jung etc., der Komplex Upton Sinclair / Henry Ford / U.S.-Anti-Semitismus der 30er Jahre. Man könnte noch viel mehr saugute Texte aufzählen, fast ebensoviel Mystik-Unsinn und moderne Literatur – die den Kampf gegen die Post-Literatur von Schröder, Warhol, Schröders Halbwelt-Spezi Hamlet Kuper, Tom Wolfe etc. so niederschmetternd verliert. Je neuer sie ist, desto schrecklicher ihre Niederlage. Wie peinlich so ein Essay, der fordert, die Literatur möge sich doch überall bedienen und ihre Scheu vor der Trivialität verlieren – ganz neu, hab ich noch nie gehört -, gegen das wirkliche Leben, egal ob es in ‘Mammut’ von einem Aufsatz Charles Darwins oder einer Dummheit Hubert Burdas, aber von der Gestalt wie ein eigener Beitrag behandelt, vertreten wird.

Da Schröder Lebensgeschichte betreibt, betreibt er automatisch auch Wirkungsgeschichte. Gegen Ende von ‘Mammut’ dokumentiert er ein paar Reaktionen auf ‘Cosmic’. In diesem Zusammenhang bringt er, ebenfalls erstmals in Deutsch, einen Ausschnitt aus Tom Wolfes ‘The Electric Kool-Aid Acid Test’, ein Buch, das auch schon fast 20 Jahre alt ist, ‘Die gefrorene Friedensversammlung’. Wolfe erzählt darin, wie Ken Kesey und seine Merry Pranksters in den 60er Jahren absolut punkmäßig eine Friedensversammlung sprengen, absolut aktuell, absolut richtig. Die, die in den 60ern wirklich weit vorn waren, sind es bedauerlicherweise immer noch. Eine Alternative zur liberalen Dummheit hat sich nicht durchsetzen können. Am Ende von ‘Mammut’ steht eine alte Utopie (aus den 60er Jahren) ’1994′, die die Hippies als Agenten des Establishments ausweist. Auch das ist leider wahr geworden/geblieben. Der Weg dahin, dadurch und daran vorbei, die Geschichte der letzten 20 Jahre als Geschichte des Scheiterns steht in ‘Mammut’. Schröder, Warhol und Wolfe haben ihren Humor nicht verloren.«
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Die vollständige Version der beiden Besprechungen druckten wir in unseren ›Vorinformationen für Buchhandel und Presse Juni bis November 1985‹ ab und erlebten eine Überraschung. Die Auflage von 10.000 war sofort vergriffen, wir mußten 10.000 nachdrucken. Diese gingen – kostenlos versteht sich – wieder weg wie die warmen Semmeln. Seitdem sind die März-Vorinformationen 1985 ein Rarum, der seltene Fall einer Werbedrucksache, die heute Geld kostet. Den vollständigen Text von Diedrich Diederichsen kann man auf der Seite der Filmzentrale lesen, als Anhang zur Rezension der ›März-Akte‹, also bitte runterrollen.

›März Mammut. März-Texte 1 & 2. 1969 bis 1984‹. Herausgegeben von Jörg Schröder. Leinen, 1.276 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, März Verlag, 1984. 

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Die Mäzenatenausgabe ist noch lieferbar: › März Mammut. März-Texte 1 & 2. 1969 bis 1984, Vorzugsausgabe der Erstausgabe 1984 in 150 numerierten und vom Herausgeber und MÄRZ-Verleger Jörg Schröder dem Mäzen handschriftlich gewidmeten Exemplaren. 1274 S. m. zahlr. Abb. Säurefreies, alterungsbeständiges, 60 g/qm-Papier von Schoeller & Hoesch, Gernsbach. Fadenheftung. Gelber Seidentafteinband mit Blindprägung des Schriftzuges ›Mammut‹ und rote Rückenprägung des Schriftzuges ›MÄRZ‹. Rotes Kapital- und Lesebändchen. 150,00 Euro
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Zum 15jährigen Bestehen von März erschien ›März-Mammut‹. Titel und Themen: Initiation, Vanille, Rote Horizonte, Tiere, Schulkampf, Kernzonen, Kindheiten, Mlle. Brigitte Bardot, Aggression und Widerstand, Hamlet-Chiffren, Schwarze Musik, Gewissensbisse, Wirte und Parasiten, Gott als Frau, Existenzfeste, Terror, Opfer, Rausch, Blutsterne, vom Spiralismus zum Neo-Banalismus, Taubnesseln, Postmoderne, Kokain und Mutterrecht, Joviale Russen, Eingemachtes u.v.a.

›Mammut‹ ist ein dickes Buch. Die erste Vorstellung in den ›März-Zitaten‹ findet man hier, einige weitere werden folgen.

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06.09.2009 von Schröder & Kalender
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Die Totenmasken von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Helmut Ensslin hatte am 18. Oktober 1977 dem Tübinger Künstler Gerhard Halbritter erlaubt, Totenmasken von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe anzufertigen. Halbritter fotografierte diese Totenmasken und schickte Abzüge an Helmut Ensslin, der diese an Christiane Ensslin weitergab. Diese Fotos wurden bisher nicht veröffentlicht.
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Totenmaske Andreas Baader
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07.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Kampf gegen Gipfel – Christiane Ensslin wird Siebzig

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Christiane Ensslin, Konfirmation März 1954
(aus ›Zieht den Trennungsstrich, jede Minute‹)

Wenn dieses Blog erscheint, sitzen wir im Zug nach Köln, um Christiane zum Geburtstag zu gratulieren. Zum ersten Mal habe ich (JS) von ihr gehört, als sie 1977 für Franz Greno die Korrektur der Druckfahnen von Bernward Vespers ›Reise‹ las, die Greno für MÄRZ herstellte. Etwa zur selben Zeit war Christiane Mitgründerin der EMMA, auf dem ersten Titelblatt schreiten vier Frauen mit entschlossenen Mienen vorwärts:

Christiane Ensslin, Alice Schwarzer, Angelika Wittlich, Sabine Schruff
v.l.n.r.: Christiane Ensslin, Alice Schwarzer, Angelika Wittlich und Sabine Schruff

Heute hört sich das auf der EMMA-Website anders an: »Alice Schwarzer ist Herausgeberin und Gründerin der EMMA.« Kein Wort davon, daß die Zeitschrift ursprünglich ein Kollektivunternehmen war. Drei Jahre nach der Gründung gehörte dann Christiane Ensslin zu den 32 ehemaligen Mitarbeiterinnen der EMMA, die Alice Schwarzer »Respektlosigkeit gegenüber der Arbeit ihrer Kolleginnen, Selbstherrlichkeit und Dogmatismus vorwarfen«. … weiter lesen

16.07.2008 von Schröder & Kalender
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Pietätvoll

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung. Wer sich demnächst im Freizeitpark der Bavaria Filmstadt ergeht, wird von der Kulisse von ›Das Boot‹ direkt in den Zellengang von Stammheim gelangen, mit der Zelle, in der sich Gudrun Ensslin erhängt hat. Toilettenschüssel, Waschbecken und Seifenhalter stammen aus der Asservatenkammer. Wieviel hat Bernd Eichinger wohl dafür bezahlt?

Wie die Bavaria Filmstadt mitteilt, hat man aus Pietät davon abgesehen, die erhängte Gudrun Ensslin als Puppe in der Zelle zu zeigen.

(BK / JS)