Posts Tagged ‘Gunter Rambow’

16.12.2010 von Schröder & Kalender
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Seine Texte werden bleiben

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
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Zum Tod von Peter O. Chotjewitz

Foto: Gunter Rambow
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Er kam 1968 aus Rom nach Frankfurt. Uve Schmidt stellte mir seinen Schwippschwager vor. Gunter Rambow hatte Pit im Park der Villa Massimo und an anderen Stätten nackt fotografiert. Das war zu der Zeit, als Emanzipation und Pornographie laufen lernten, im besten Oscar Wilde’schen Sinne also joke and truth at the same time. Bei Rowohlt war die ›Hommage à Frantek‹ erschienen, ›Die Insel‹, seine Berliner Erzählungen, wurden gerade im 6. Tausend verkauft. Wenn er bloß den Literaturbetrieb hätte ernst nehmen wollen!

Statt dessen schlug er mir einen ›Roman‹ vor, in dem Rambows Aktfotos mit angeschwemmten Schuhen und Texten verschränkt werden sollten, was ich sofort akzeptierte. Und so erschien, sehr zum Missvergnügen des Verlegers Joseph Melzer, ein aufwendig produzierter Folioband. Mit solchen Projekten verpulverte ich als Lektor im Melzer Verlag damals die Millionen, die mir die ›Geschichte der O‹ ins Haus gespült hatte. Der ehrbare Linke Jan Süselbeck nimmt Pit in seinem Nachruf noch heute »diese peinliche Selbstinszenierung« übel – das gehört ins Kapitel ›Die Linke und der Humor‹. … weiter lesen

01.10.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (2)

von Schröder & Kalender

Wir sind in Köln und wissen daher nicht, wie der Bär flattert.

doris-hella.jpg
Das Bild ›Doris / März‹ (Acryllack auf Leinwand) ist eine Arbeit des Malers Berndt Höppner aus dem Jahr 1970. Höppner gehörte zur Kölner Künstlergruppe Exit und war mit Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla befreundet. Er gestaltete auch den Schutzumschlag für Brinkmanns Gedichtband ›Gras‹ und illustrierte ›Gummibaum. Hauszeitschrift für neue Dichtung‹ (Hrsg. von R.D. Brinkmann Nr. 1 und 2). Das Bild ›Doris / März‹ von Berndt Höppner hängt seither in den jeweiligen Büros des März Verlags. … weiter lesen

20.09.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (12)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Und so geht’s weiter mit den klandestinen Dreharbeiten zum Pornofilm ›Sexokratie‹: Ob Svensson uns nachsetzte? Er löste sich auf geheimnisvolle Weise in Luft auf, dachte ich damals. Erst ein paar Jahre später wurde mir klarer, was es mit der Food-Schiene auf sich hatte, als Werner Klemming beschloß, sich nach Norditalien zu verkriechen, und mir vorher seine Malik-Sammlung verkaufen wollte. Beiläufig erzählte er mir von seiner Lehrzeit in Bechers Nachkriegs-Weizenkontor. Aber erst nachdem Hans Dieter Heilmann den Bericht des ollen Biss über die Budapester Verhandlungen neu herausgab, über Kastner, Eichmann, Becher, 1985, und da auch erst zwei Jahre später, dämmerte es mir endlich, mit welchem Netzwerk diese Hilfsorganisation auf Gegenseitigkeit die zweite Republik überzogen hatte. Da paßt mal ›Netzwerk‹, die neudeutsche Metapher für jedwede Gruppengemeinheit und lobbyistische Abstauberei. Ja, warte doch ab! Es verknüpft sich schon noch.

Erst mal waren wir wieder in Frankfurt, Beitlichs Nase wurde bald rosiger, aber er machte mich noch wochenlang verrückt mit seiner Schwedenparanoia. Ich dachte mir, die können mich mal, beauftragte Rechtsanwalt Riemann, einen Brief zu schreiben, daß ich als linker Verleger wegen der ungewöhnlichen Geschäfte, die Svensson und seine Geschäftspartner angedeutet hätten, von der Gründung der projektierten Aktiengesellschaft absehen müsse. Nach diesem Brief habe ich von den Typen direkt nichts mehr gehört. Was die Filmkopien anging, war ich so klug als wie zuvor. Da, gänzlich überraschend, meldete sich das Atlantik-Filmkopierwerk aus Hamburg, sie seien nun möglicherweise doch bereit, erotische Filme zu kopieren, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß ihnen ein Gutachten vorgelegt würde, welches sie juristisch freistellt, ein Gutachten von ausgewiesenen Wissenschaftlern, daß es sich bei unseren Filmen nicht um strafwürdige Pornographie handelt. Ein ungewöhnliches Zusammentreffen, diese plötzliche Bereitschaft von Atlantik-Film nach unserem Schwedenabenteuer, kann aber auch Zufall gewesen sein.

Nun ging die wunderbare Geschichte mit Konsul Breckwoldt los. Der erste Film war gedreht, das Gutachten für seinen ›Schüler‹-Film hatte sich Bazon Brock selbst geschrieben. Ich konnte also darangehen, das nächste Œuvre vorzubereiten. Es sollte eine Eigenproduktion von Uve Schmidt und mir werden, Rainer Boldt hatte seinen Freund Roland Hehn als Kameramann empfohlen. Der Film trug den Titel ›Sexokratie‹, ein Lehrfilm, in dem die Grundrechte des Grundgesetzes mittels erotischer Metaphern erklärt wurden: »Die Würde des Menschen ist unantastbar« oder »Die Kunst ist frei«. Jeder dieser Leitsätze – ja, stimmt schon, dumpf – wurde in einer Szene ausgespielt, ein erotischer Vulgär-Stanislawski, dafür mußten vier Leute gefunden werden.

sexokratie2.jpg

Rosi hatte bereits zugesagt, eine vollbusige Frau mit dunkelbraunen Haaren, der wir aber stets eine lockige blonde Mittellanghaarperücke nach Landfrauenart verpaßten. … weiter lesen

16.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (6)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

Und so geht’s weiter: Den Druckauftrag gab ich an eine Firma, deren Namen ich so erfolgreich vergaß wie Tante Elfis Lakritze. Wegen der Staatsanwälte durfte doch niemand wissen, wo die Liebespositionen hergestellt wurden, nackt auf nackt im Bild war in jenen Zeiten ebenso verpönt wie Sex mit Tieren heute. Erst als der Drucker mich nach dem Impressum fragte, fiel mir siedendheiß ein, daß dieser klandestine Titel ja keinesfalls bei Olympia Press erscheinen durfte, um das Geschäft mit der geschriebenen Pornographie nicht mit nackten Liebespositionen zu belasten, und erst recht war das nichts für März, weil der Avantgardeverlag sonst in die Nähe von Beate Uhse gerückt wäre. Also saß ich wieder einen Abend in meiner Formaldehydkabine und überlegte mir, wie ich denn um alles in der Welt den Verlag für mein ›Einmaleins für Zwei‹ nennen könnte. Weiß der Teufel, wie die Synapsen klickerten, es fiel mir die Porta Westfalica ein. Vielleicht, weil ich in den Wäldern um sie herum meine pubertierende Jugend verbracht und mir als Knabe oft, im Angesicht des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf den Sandsteinklippen des Wesergebirges hockend, einen runtergeholt hatte. … weiter lesen

08.08.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (5)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

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Und so geht’s weiter mit dem Foto-Shooting für das Stellungsbuch ›Einmaleins für Zwei. 111 Liebesvariationen‹:

Maurice Girodias kam alle zwei Monate nach Frankfurt, verspürte aber kein Bedürfnis, mich im Darmstädter Keller zu besuchen, saß lieber im ›Intercontinental‹ in einer Suite und berichtete mir dann von weltweiten Olympia-Press-Gründungsplänen. Der Grund seiner häufigen Besuche war vor allem, bei jedem Treffen einen Scheck von dreißig- oder vierzigtausend Mark à conto der Tantiemen entgegenzunehmen. So hatten wir es mündlich vereinbart, denn einen schriftlichen Lizenzvertrag gab es noch nicht. Girodias erhielt, wenn ich einen Titel aus seinem amerikanischen Programm übernahm, einen Vorschuß von tausend Dollar à conto der Autorentantieme von siebeneinhalb Prozent vom Ladenpreis. Zusätzlich war als Abgeltung für die Benutzung des Olympia-Press-Logos eine Lizenzgebühr von sieben Komma fünf Prozent vom Nettoverkaufspreis vereinbart, die für Girodias’ Genfer Holding bestimmt war. Diese trug den seltsamen Namen Euratom SA, hatte also, bevor Maurice sie übernahm, ganz anderen Zwecken gedient.

Girodias wurde zum Kuckuck, der nach immer mehr Geld schrie. Wenn er den Scheck eingelutscht hatte, redete er über neue Buchprojekte. Einer seiner Lieblingspläne war ein Fotopornoroman, Arbeitstitel ›Swedish Family‹. … weiter lesen