17.09.2008 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert heute nicht.
Späte Genugtuung für ein Buch, welches 1971 der Generalstaatsanwalt in Frankfurt a. M. mit einer Großaktion der Polizei in der Auslieferung und im Versteck – der Heizkeller des Nieder-Florstädter Herrenhauses – beschlagnahmen ließ.
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. September schrieb Jan-Frederik Bandel in einem langen Artikel u.a. über ›Lucy’s Lustbuch‹ von Alfred Demarc alias Alfred von Meysenbug:
»In seinem letzten längeren Comic für viele Jahre setzt Meysenbug dann neben die Science-Fiction–, Rocker- und Historienfantasien der Comic-Supergirls nach der konsumkritischen Variante noch eine weitere, durchaus im Geiste Leslie Fiedlers: die Pornografie. ›Lucy’s Lustbuch‹, 1971 unter dem Pseudonym Alfred Demarc veröffentlich, ist mit Abstand Meysenbugs aufwendigstes Buch. Im pastelligen Tableaus in Ramos-Manier reiht er Sexszene an Sexszene, wobei unter anderen Franz Josef Strauß, Thilo Koch, Roy Black und schließlich Elvis ihren Auftritt haben. … weiter lesen
07.12.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär war verheddert, jetzt flattert er wieder frei in nordöstlicher Richtung.
Die letzte ›Making of Pornography‹-Folge endete mit dem Wort ›Lucys Lustbuch‹. Diesen Comic von Alfred Demarc (d.i. Alfred von Meysenbug) ließ der Frankfurter Generalstaatsanwalt 1971 noch bei unserer damaligen Auslieferung Franz Müller-Rodenberger in der Goethestraße beschlagnahmen, da sich Personen aus Politik, Presse, Gesellschaft und Sangesleben wiedererkannt hatten. Wie die Staatsanwaltschaft so schnell von dieser Buchuntat Wind bekommen hatte, weiß ich nicht, mein Verteidiger durfte »wegen Gefahr im Verzuge« die Akten nicht einsehen. Die gesamte Auflage von 10 000 Exemplaren wurde dann nach einem späteren Verfahren eingestampft. Es handelte sich um einen Deal. Meine Zustimmung zur Makulierung wurde mit der Einstellung aller laufenden Strafprozesse wegen »Verbreitung unzüchtiger Schriften« belohnt. Es waren zwanzig Verfahren.
Das bedeutet aber auch: Es gibt von diesem März-Titel nur zwanzig Exemplare bei Sammlern und im Antiquariat. Entsprechend teuer ist das Buch, je nach Zustand wird Lucys Lustbuch für 600 bis 800 Euro gehandelt. Da Blogger aber alles umsonst tun und bekommen, stellen wir nun diesen lustigen skankalösen Comic aus dem Jahr 1971 in Fortsetzungen komplett ins Netz. Und so geht’s los:
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08.10.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
Und so geht’s weiter mit dem Comic-Roman Lucy’s Lustbuch: Erst mal wieder Alfred von Meysenbug, uns allen ja schon bekannt aus den vorangegangenen Erzählungen, der Mitarbeiter und Gefolgsmann von Günter Amendt, auch Zeichner von ›Sexfront‹, damals in Frankfurt ein scharfer Tunichtgut, politisch und sexual-politisch. 1968 war von ihm im Heinrich Heine Verlag ›Super-Mädchen. Das Ende der Verkäuferin Jolly Boom‹ erschienen. Als Modell für Jolly diente ihm Carla Aulaulu, eine von Rosa von Praunheims Musen, die ganze Clique traf sich oft in der Römerstadt bei einer Künstlermutter. Alfred bot mir für März einen neuen Comic an, er wollte viel Geld damit verdienen, beschrieb das Projekt so: »Das Mädchen Lucy wird zum ›Bravo‹-Girl des Jahres gewählt, das Ganze ist eine Polemik gegen die ›Bravo‹-Generation und den Konsumismus.« Fand ich gut. ›Lucy’s Lustbuch‹ sollte der Titel heißen. Meysenbug hing bei seinen Figuren dem Prinzip der Wirklichkeitsdopplung an. Das mußte so sein, weil er nicht frei zeichnen konnte, er brauchte genaue Vorlagen. Es war deshalb entsprechend kompliziert: Zunächst fertigte er ein Storyboard jeder Szene an, also eine Skizze, dafür mußten seine Freunde und Freundinnen posieren. Die Szene wurde danach fotografiert, und er begann dann erst, das Foto zum Comic umzuzeichnen. Die Hauptdarstellerin des neuen Comics hieß Lucy, gehörte zum Kreis der Frankfurter Boheme-Mädchen, die Pornographie als Befreiung propagierten, wozu auch Diddy Wah Diddy, also Fatima Igrahim, zählte. … weiter lesen