02.06.2011 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Heute wird Bazon Brock 75. Pünktlich zu seinem Geburtstag erscheint die Brock-Ausgabe der Buchzeitschrift TUMULT: ›Kein Halten mehr? Modelle der Letztbegründung‹. TOLLE LEGE ET AD MULTOS ANNOS, BAZON!

Bazon Brock schreibt dazu: »Firma Falke markierte mein Strumpfpaar in der Treue zum Menschendienst mit ›L‹ und ›R‹. Als ich das Paar in Wien 1977 während meiner Antrittsvorlesung in der Hochschule für angewandte Künste vorführte, reagierte der Dichter Ernst Jandl mit der poetischen Replik: ›Bazon Brocks Liebe zu den Dingen beruht auf einer unhaltbaren Voraussetzung. Er glaubt, lechts und rinks könne man nicht velwechsern. Werch ein Illtum.‹ Seither trage ich unmarkierte Socken und überführte das markierte Paar in den Status eines theoretischen Objekts als Werkzeug experimenteller, also humanistischer Geschichtsschreibung.«
»Im Hauptteil des TUMULT geht es um das Leviathan-Angeln in Neuhardenberg mit Petra Bahr, Bazon Brock, Petra Duffek, Gunnar Heinsohn, Jochen Hörisch, Peter Koslowski, Michael Ley, Ernst Pöppel, Eva Ruhnau, Erika Schäfer und Manfred Schlapp. Kein Halten mehr? Auf welchen Fels der Letztbegründung bauen wir unser Weltverständnis, nachdem der Markt als ultima ratio aller gesellschaftlichen Wahrheitsansprüche durch Allmachtsphantasien des frei flottierenden Finanzkapitals jedwede Glaubwürdigkeit bei mehr als drei Viertel der westlichen Bevölkerung verloren hat und der Fels Petri wie der Fels des Prometheus nur noch sehr wenigen Kundigen Trost der Gewißheit zu bieten vermögen?« Wie immer Lebenshilfe für Intellektuelle made by Bazon Brock. … weiter lesen
16.12.2010 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
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Zum Tod von Peter O. Chotjewitz

Foto: Gunter Rambow
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Er kam 1968 aus Rom nach Frankfurt. Uve Schmidt stellte mir seinen Schwippschwager vor. Gunter Rambow hatte Pit im Park der Villa Massimo und an anderen Stätten nackt fotografiert. Das war zu der Zeit, als Emanzipation und Pornographie laufen lernten, im besten Oscar Wilde’schen Sinne also joke and truth at the same time. Bei Rowohlt war die ›Hommage à Frantek‹ erschienen, ›Die Insel‹, seine Berliner Erzählungen, wurden gerade im 6. Tausend verkauft. Wenn er bloß den Literaturbetrieb hätte ernst nehmen wollen!
Statt dessen schlug er mir einen ›Roman‹ vor, in dem Rambows Aktfotos mit angeschwemmten Schuhen und Texten verschränkt werden sollten, was ich sofort akzeptierte. Und so erschien, sehr zum Missvergnügen des Verlegers Joseph Melzer, ein aufwendig produzierter Folioband. Mit solchen Projekten verpulverte ich als Lektor im Melzer Verlag damals die Millionen, die mir die ›Geschichte der O‹ ins Haus gespült hatte. Der ehrbare Linke Jan Süselbeck nimmt Pit in seinem Nachruf noch heute »diese peinliche Selbstinszenierung« übel – das gehört ins Kapitel ›Die Linke und der Humor‹. … weiter lesen
09.06.2009 von Schröder & Kalender
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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.
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In den letzten März-Zitaten haben wir Jules Vallès, ›Jacques Vingtras. Das Kind / Die Bildung / Die Revolte‹ vorgestellt, da uns wegen der Fülle der Informationen die Auswahl schwer fiel, folgt hier ein zweiter Teil:
Jules Vallès widmete das erste Buch des ›Jacques Vingtras‹ mit dem Titel ›Das Kind‹: »Allen, die in der Schule vor Langeweile umkamen oder zu Haus weinten, die in der Kindheit von ihren Lehrern tyrannisiert oder von ihren Eltern verprügelt wurden.«
Der zweite Teil, ›Die Bildung‹, trägt folgende Widmung: »Denen, die mit Griechisch und Latein genährt, Hungers gestorben sind, widme ich dieses Buch.«
Den dritten Teil, ›Die Revolte‹, widmete Jules Vallès: »Den Toten von 1871. Allen, die als Opfer der sozialen Ungerechtigkeit gegen eine schlecht eingerichtete Welt zu den Waffen griffen und unter der Fahne der Kommune die große Förderation der Schmerzen bildeten, widme ich dieses Buch.«

Jacques Tardi, der fabelhafte Zeichner des Nestor Burma, von Adeles ungewöhnlichen Abenteuern und anderen Meisterwerken, schuf nach dem Roman von Jean Vautrin das dreibändige Werk ›Die Macht des Volkes‹, in dem Jules Vallès eine der Hauptpersonen ist. Wir bringen zwei weitere Seite aus dem wunderbaren Werk, das wir dringend empfehlen. … weiter lesen
21.06.2008 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert schwach in östlicher Richtung.

Oppenheimers Sohn wollte die Lebenserinnerungen seines Vaters vor dem Vergessen bewahren und gab sie 1964 dem Joseph Melzer Verlag. Was heißt gab? Er bezahlte den Druck. Anständig, aber dumm. Hätte er das Manuskript bloß dem Erwin Barth von Wehrenalp für seinen Econ Verlag geschickt! Dann brauchte ich heute den Namen Oppenheimer nicht in der Wüste auszurufen. Melzer trug das Manuskript lediglich zum Kalima-Druck in Düsseldorf und versandte nach Fertigstellung zehn Besprechungsexemplare an die Presse, damit hatte es sich. Der Oppenheimer-Sohn wurde wütend, weil so gar keine Resonanz kam, und rang endlich Joseph Melzer jenen Prospekt ab, den ich dem Verleger entwarf und der wegen der falschen Daten zu unserem ersten Zerwürfnis führte. Die fünftausend Exemplare ›Erlebtes Erstrebtes Erreichtes‹ lagen seitdem wie Blei bei der Auslieferung.
Das durfte doch nicht wahr sein! Ein Buch mit einem Geleitwort von Ludwig Erhard lag auf Halde! … weiter lesen
09.09.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert leicht in östlicher Richtung.
Und so geht’s weiter: Wir saßen da und stützten die Köpfe, Uve Schmidt und ich. Zu dieser Zeit, Ende 1969/Anfang 1970, war Bazon Brock noch eine gerngesehene Person im Hause März. In jeder März-Programm-Vorschau stand damals seine ›Revolution des Ja‹, die ich bereits zwei Jahre vorher im Melzer Verlag angekündigt hatte. Mit Bazon Brock sprach ich über die Schwierigkeiten der Pornofilmproduktion, und er: »Kein Problem, den Film mache ich.« Er übernehme die gesamte Produktion, er kenne da einen jungen Absolventen der Münchner Filmhochschule. »Au weh, schon wieder ein Absolvent.« »Doch, das ist ein guter Mann.« Also, er realisiert das mit dem guten Mann und seiner Klasse an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg, »da kann nichts schiefgehen«. Ich, vorsichtig geworden, zahlte erst mal nur das Filmmaterial. Vor Drehbeginn wurde das Verteidigungskonzept festgelegt, wir durften ja nur Filme machen, die von vornherein so konzipiert… weiter lesen
23.08.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert in östlicher Richtung.
Gestern Abend stellte der Verbrecher Verlag im Festsaal Kreuzberg seine Anthologie ›Das Buch vom Klauen‹ vor. Darin steht auch eine Geschichte aus der 21. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Stille Verbraucher‹. Für alle, die nicht zur Lesung kommen konnten, bringen wir hier den Text:
›Konzerne klauen im Großen und Kleinen‹ so lautet das vulgär-marxistische Axiom Nummer eins, sie handeln wie der Besenbinder aus den ›zwei honetten Kaufleuten‹ des Johann Peter Hebel. Und damit so was nicht im Ungefähren bleibt, müssen Geschichten wie diese immer mal wieder erzählt werden. Wenn wir nämlich davon ausgehen, daß es in zweihundert Jahren noch Menschen gibt, die sich für unsere Zeit interessieren, dann sollen sie wissen: Die Holtzbrinck-Gruppe und ihre Manager betrieben einen Gaunerkonzern.
Zunächst einmal stellt sich die Frage: Geld wird geklaut aus Habsucht und Gier, aber warum bereichern sich Leute an der Lebensleistung… weiter lesen
28.07.2006 von Schröder & Kalender
Der Bär flattert heftig in nordwestlicher Richtung.
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Und so geht’s weiter mit der Erfindung meiner deutschen Sektion der Olympia Press: Im Jahre 1968 verlegte ich bei Melzer achtunddreißig Neuerscheinungen, dazu die abschließenden Bände vier und fünf der Börne-Ausgabe, deren Herstellung soviel kostete wie sechs normale Titel. Das Programm hatte das Format eines Big Players und nicht das eines mittleren Verlages. Dank der ›Geschichte der O‹ boomte der Umsatz, aber die Kosten explodierten ebenfalls. Im November wurde das Buch von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Ich frage mich übrigens, wie ›Bild‹ und Random House die ›Geschichte der O‹ jetzt in der ›Bild-Erotik-Bibliothek‹ verkaufen wollen. Unter dem Ladentisch? Denn soviel ich weiß, ist die Indizierung niemals aufgehoben worden. Lediglich die Strafsache gegen mich wurde von der Staatsanwaltschaft Darmstadt nach dem Gutachten von Inge und Walter Jens niedergeschlagen.
Jedenfalls ließ der Absatz Ende 1968 erheblich nach, weil die ›O‹ nur noch unter dem Ladentisch verkauft werden durfte. So stand es damals mit der Pornographie: Manchmal erschien ein Erotikon bei Desch, Gala, Hieronimi oder eben Melzer, und spätestens nach einem halben Jahr war es durch Indizierung weg aus dem Buchhandelsfenster. Man konnte es dann nur noch auf Anfrage und gegen Revers erstehen. Ich aber hatte mir nun in den Kopf gesetzt, Pornographie auf breiter Front durchzusetzen. … weiter lesen