Posts Tagged ‘Rolf Dieter Brinkmann’

09.04.2011 von Schröder & Kalender
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Das Medium ist hier die Botschaft

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert munter in südöstlicher Richtung.
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›Acid‹ heißt auf Deutsch Säure, meint aber meistens LSD. Schon der Titel war Programm für die  Sammlung, eine Explosion aus Lyrik, Prosa, Essays, Interviews, Textmontagen, pornografischen Texten, Comics, Fotos und Illustrationen. Eine Grenzüberschreitung zwischen Hoch- und Trivialliteratur. »Das Buch ist in diesem Falle wirklich als Medium die Botschaft«, schrieb ›Die Zeit‹. ›Acid‹ enthält Beiträge von 62 Autorinnen und Autoren (siehe bibliographische Angaben weiter unten) und Titel und Themen wie: Die neuen Mutanten/Kultur-Strömung / Carols Traum, ein Hund / Ein Interview mit John Cage / Das Treffen zwischen Elizabeth Barrett und Robert Browning /  Auf der anderen Seite des Mondes / Kim Novak / Am Fußende die Amsel  steht / Die neuen Mädchen / Was ich aß und wo / Rausch, Rock und Revolution / Anmerkungen zu einigen neuen Filmen und zur Glückseligkeit / Erdbeeren in Mexiko / Ghost Tantra / Die elektrische Banane / Männer, Frauen und die übrigen Geschlechter / Knoblauch-Geschichten / Träume / Vier Filme von Andy Warhol / Die Zeitung als Literatur / Lilien in meinem Gehirn / Akademie 23 – Eine Entwöhnung / Auf Omas Privatweg / Die Zukunft der Sexualität u. v. a.

Wer sich für die Entstehungsgeschichte der viel gerühmten Sammlung und darüber hinaus für die Geschichte des MÄRZ Verlags interessiert, kann demnächst fündig werden in dem Buch ›Immer radikal, niemals konsequent. Der März Verlag – erweitertes Verlegertum, postmoderne Literatur und Business Art‹, das demnächst bei Philo Fine Arts erscheint.

Bibliographische Angaben der Erstausgabe: ›Acid. Neue amerikanische Szene‹. Herausgegeben von Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla, Gesamtgestaltung mit Jörg Schröder. Nachwort von Rolf Dieter Brinkmann ›Der Film in Worten‹. Mit Beiträgen von Chester Anderson, Sherry Barba, Donald Barthelme, Gregory Battcock, Mary Beach, Ted Berrigan, Paul Blackburn, Douglas Blazek, Aram Boyajian, Charles Bukowski, William S. Burroughs, John Cage, Don Cauble, E. F. Cherrytree, Tom Clark, Fielding Dawson, Bill Deemer, Diane Di Prima, Kenward Elmslie, Larry Fagin, Leslie A. Fiedler, Dick Gallup, John Giorno, Mrs. Greenberg, Calvin C. Hernton, Interview mit einem Hippie, Norman J. Hoegberg, John Clellon Holmes, Lenore Kandel, Rich Krech, Seymor Krim, Tuli Kupferberg, Gerard Malanga, Harry Mathews, Michael McClure, Marshall McLuhan, Toylor Mead, Jonas Mekas, George Montgomery, Robert Nichols, Haroldd Norse, Frank O’Hara, Gil Orlovitz, Ron Padgett, John Perreault, Joe Pinelli, Roxie Powell, Steve Richmond, Ed Sanders, Joe Schwartz, George Sparling, Peter Stafford, George Stanley, Robert Sward, Parker Tyler, Tom Veitch, Anne Waldman, Andy Warhol, The Willie, Douglas Wolf, Frank Zappa. Übersetzt von Katja Behrens, Peter Behrens, Rolf Dieter Brinkmann, Peter Faulhammer, Herbert Graf, Rolf Eckart John, Gerd Kreuser, Klaus Novy, Edward Reavis, Burghardt H. Kiegeland, Ralf-Rainer Rygulla, Horst Schröder, Carl Weissner. Großformatiger Pappbd. mit Fensterstanzen (27,5 : 21), 424 Seiten. Einbandgestaltung: Typographie und schwarzer Einband mit Fensterstanzen von Jörg Schröder mit einer darunter liegenden Collage von Rolf Dieter Brinkmann. März Verlag, Darmstadt 1969. Zweite Ausgabe: März Verlag, Frankfurt a. M. 1970 mit gelbem Einband.
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17.11.2010 von Schröder & Kalender
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Apollinaire ist tot

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Sonnet 37 übersetzt von Rolf Dieter Brinkmann
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Berrigan, Ted: ›Guillaume Apollinaire ist tot. Gedichte, Prosa, Kollaborationen mit Notizen von Tom Clark, Allen Kaplan und Ron Padgett‹. Herausgegeben von Rolf Dieter Brinkmann. Aus dem Amerikanischen von Peter Behrens, Rolf Dieter Brinkmann, Herbert Graf, Rolf Eckhart John, Nils Lindquist und Ralf-Rainer Rygulla. Engl. Brosch., 256 Seiten. Umschlaggestaltung: Typographie von Jörg Schröder mit einer Zeichnung von Henning John von Freyend. März Verlag, Frankfurt a. M. 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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26.09.2010 von Schröder & Kalender
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To a world filled with compromise, we make no contribution

von Schröder & Kalender

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Es ist neblig, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Wenn wir unsere Folgen widmen, nummerieren und versenden, reden wir en passent über die eine Subskribentin oder über den anderen Subskribenten, so auch vor einer Woche über Martin Büsser: »Lange nichts von ihm gehört!«


v.l.n.r.: Martin Büsser, Barbara Kalender, Jörg Schröder, Wolfgang Müller. Während der Linken Buchtage trafen wir uns immer in den letzten Jahren. Foto: Jürgen Brömmer.
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Martins letzte Mail im Mai handelte davon, dass er sich eine kleine Zweitwohnung in Berlin, von der wir gehört hatten, nicht leisten könne, weil die ökonomische Lage im Ventil Verlag es nicht zulasse. Und gestern erfuhren wir von Bernd Distler, dass Martin am Donnerstag an Krebs gestorben sei. Dieser stille und im persönlichen Umgang zunächst fast autistisch wirkende Kritiker, Verleger und Herausgeber von Testcardein Leuchtturm kluger Aufsätzeweiter lesen

05.03.2009 von Schröder & Kalender
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Wie ich lebe und warum

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in westlicher Richtung
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Der Künstler und Hochschullehrer Karl-Eckhard Carius entwickelte mit Studentinnen und Studenten in Vechta das Gruppenprojekt ›Rolf Dieter Brinkmann. Zeichen für einen Grenzgänger‹. Außerdem plante er eine Dichterplastik, deren Realisierung sich bis heute hinzieht. Carius konzentrierte sich deshalb zunächst auf die Ausstellung ›Der unheimliche Brinkmann‹ und die sie begleitende Anthologie ›Brinkmann. Schnitte im Atemschutz‹ (edition text + kritik, München), an der wir uns mit dem Text ›Zum harten Kern‹ beteiligt haben. Gut gefallen hat uns der Beitrag von Bazon Brock, ›Ich bin kein Dichter – ich fühle den Schmerz – R. D. Brinkmann ließ die Fetzen fliegen wie die Buddhisten ihre Gebetsfähnchen‹.

Und sehr interessant für uns, weil wir vorher nichts davon wußten, war der Essay des Dramaturgen Ludwig Haugk. Er berichtet von einer Laienaufführung im Jahr 1958 in der Aula des Gymnasiums Vechta. Wolfgang Borcherts Stück ›Draußen vor der Tür‹ wurde gegeben, in der Hauptrolle Rolf Dieter Brinkmann als Heimkehrer Beckmann. Ludwig Haugk schreibt: »Der Beckmann/Brinkmann hat jedoch Spuren hinterlassen. Über das normale Maß hinaus habe er sich mit der Rolle des Außenseiters Beckmann identifiziert, habe sich einen Bart wachsen lassen und sei tagelang in Maske und Kostüm durch die Stadt gelaufen, ›wie ein Gespenst‹ in einem – na klar: Borchert! – ledernen langen Mantel. Und dann nickt man in Vechta oder schüttelt mit dem Kopf, um anzudeuten: Dieser Auftritt war paradigmatisch für ›den Rolf‹: immer draußen, immer anders, abstoßend irgendwie und faszinierend zugleich.«

In seiner Besprechung der Anthologie in der FAZ erinnert Christopher Strunz an Jutta Koethers Aufsatz über R. D. Brinkmanns Beitrag zu der 1970 im März Verlag erschienenen Anthologie ›Trivialmythen‹:

»Wie die New Yorker Künstlerin Jutta Koether 1993 im Magazin ›Spex‹ schrieb, können Texte von Rolf Dieter Brinkmann beim Lesen einen aktuellen Existentialismus produzieren, der die vermeintlich eigenen Lebensumstände zugunsten der Kunst produktiv in Frage stellt. Jutta Koether hatte den Foto-Essay ›Wie ich lebe und warum‹ aus der 1970 veröffentlichten Anthologie ›Trivialmythen‹ gelesen: “Wie wir leben und warum. Gerade gestern diesen Satz als Titel einer Fotostrecke des Kölner Dichters R. D. Brinkmann gefunden; in einem alten März-Verlag-Reader. Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Neu-Existenzialismus. Warum will ich jetzt doch hier leben und warum mich nicht davonmachen? Ja, ich hatte mich davongemacht. Seit 1989 habe ich die wenigste Zeit meines Lebens in Deutschland verbracht. Und in diesem Jahr ganz besonders Zweifel gehabt.”
Der Essay ›Wie ich lebe und warum‹ besteht aus einer Serie von Fotos, die Brinkmanns nähere Lebensumgebung, das vermeintlich Private, Ende der sechziger Jahre in Köln, wie seine Wohnung, zeigen. Banal, schmuddelig, trostlos. Die Bilder zeigen einen Alltag, dessen Sinn, ›warum‹, den Lesern zum Geschenk gemacht wird: Da könnten sie selbst darauf kommen. Es geht nicht um die Verwandlung relativ trostlosen privaten Lebens eines Autors in Kunst; als ›Fotostrecke‹, Foto-Essay, verschiebt der Text die philosophisch-existentialistische Frage des Titels auf die Ebene eigensinnig künstlerischer Produktion. Das ist das ›Anfangen‹, der schreibende Anfang von Brinkmann, den er in den Tonbandaufzeichnungen “Die Wörter sind böse” als etwas Schönes bezeichnet.«

Weil ›Trivialmythen‹ nur noch antiquarisch erhältlich ist (u.a. in der ›Großen März-Kassette‹ auf unserer Website, siehe März Verlag: Antiquariat) bringen wir jetzt Rolf Dieter Brinkmanns Beitrag in voller Länge: … weiter lesen

23.11.2006 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography (23)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nördlicher Richtung.

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Und so geht’s weiter mit einem P.E.N.-Kongreß in Nürnberg, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹:

Auf dem Rückweg fuhr ich mit der Familie nur bis Nürnberg, blieb allein dort, ich wollte zur PEN-Tagung, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst vor Pornographie?‹. Horst-Dieter Ebert vom ›Spiegel‹ hatte mir den Tip gegeben, dort aufzutauchen, ich war ja in Sachen Pornographie auch als Lobbyist tätig, es ging schließlich immer noch um die ›Freigabe‹. Die Meistersingerhalle war überfüllt, die Leute saßen auf dem Boden, die Diskussion mußte in die Wandelgänge übertragen werden. Präsident war Heinrich Böll, und auf dem Podium saßen Walter Jens, Werner Ross, mein ehemaliger Französischlehrer in Bonn, und einige andere unentwegte Debattierer. Aus dem Saal sollte mitdiskutiert werden. Ebert hatte für uns einen Platz in der ersten Reihe reserviert, neben mir saß Gabriele Henkel, die sich in der Bewegungszeit in jedes Kulturereignis einmischte, das irgendwo en vogue war. Es konnte gar nicht links und schrill genug zugehen, bis ihr Konrad so etwas strikt verbot.

Das jetzt nur als Volte, um klarzumachen, daß Gabriele Henkel sich damals geradezu manisch fortschrittlich gebärdete und in der Meistersingerhalle natürlich auch über Pornographie ein Wörtchen mitreden wollte. Die Veranstaltung begann, und Heinrich Böll posaunte vom Podium, ich traute meinen Ohren nicht — was erzählt er da? Er betete Petschulls ›Stern‹-Artikel über den Pornokönig runter wie auswendig gelernt. Anhand dieses Pornokönig-Bösewichts — Böll nannte mich nicht beim Namen, aber fixierte mich, ich saß ja nur ein paar Meter unter ihm —, anhand dieser »hemdsärmeligen Figur, die sich auch noch etwas darauf einbildet, daß sie kein guter Mensch sei und auch keiner werden wolle«, machte er seine Abscheu vor Pornographie klar, begleitet von rotbäckchenhafter Akklamation des Werner Ross und des Gummischuhgesichts Walter Jens. Derselbe Jens, der 1968 für mich zusammen mit seiner Frau Inge ein dreißig Seiten langes euphorisches Gutachten schrieb in Sachen ›Geschichte der O‹, was ja nun mal ein veritabler pornographischer Roman ist. Das glaubst du nicht? … weiter lesen

20.11.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (12)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Das Bild ›Hella / März‹ malte Berndt Höppner als Pendant zu ›Doris / März‹, welches wir als Cover-Illustration für Gunter Rambows Fotobuch benutzten. Höppner war Mitglied der Kölner Künstlergruppe Exit, die eng mit Rolf Dieter Brinkmann, Ralf Rainer Rygulla und Rolf Eckart John zusammen arbeitete. Die Bilder von Exit zeigte Uwe Husslein erstmalig in der Kölner Pop-Ausstellung im Zusammenhang mit Brinkmanns literarischer Produktion. Höppners Illustrationen wurden neben ›Doris‹ für zwölf weitere März-Titel benutzt darunter Ken Kesey, ›Einer flog über das Kuckucksnest,

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Paulus Böhmer, ›Aktionen auf der äußeren Rinde‹ und Hermann Peter Piwitt, ›Das Bein des Bergmann Wu‹. Berndt Höppner (1941 in Chemnitz geboren) ist Professor an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, er lebt in Biel. … weiter lesen

05.10.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (3)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

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01.10.2006 von Schröder & Kalender
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Außerordentlich und obszön – Bildertausch (2)

von Schröder & Kalender

Wir sind in Köln und wissen daher nicht, wie der Bär flattert.

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Das Bild ›Doris / März‹ (Acryllack auf Leinwand) ist eine Arbeit des Malers Berndt Höppner aus dem Jahr 1970. Höppner gehörte zur Kölner Künstlergruppe Exit und war mit Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla befreundet. Er gestaltete auch den Schutzumschlag für Brinkmanns Gedichtband ›Gras‹ und illustrierte ›Gummibaum. Hauszeitschrift für neue Dichtung‹ (Hrsg. von R.D. Brinkmann Nr. 1 und 2). Das Bild ›Doris / März‹ von Berndt Höppner hängt seither in den jeweiligen Büros des März Verlags. … weiter lesen

23.08.2006 von Schröder & Kalender
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Diebstahl postmodern

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Gestern Abend stellte der Verbrecher Verlag im Festsaal Kreuzberg seine Anthologie ›Das Buch vom Klauen‹ vor. Darin steht auch eine Geschichte aus der 21. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Stille Verbraucher‹. Für alle, die nicht zur Lesung kommen konnten, bringen wir hier den Text:

›Konzerne klauen im Großen und Kleinen‹ so lautet das vulgär-marxistische Axiom Nummer eins, sie handeln wie der Besenbinder aus den ›zwei honetten Kaufleuten‹ des Johann Peter Hebel. Und damit so was nicht im Ungefähren bleibt, müssen Geschichten wie diese immer mal wieder erzählt werden. Wenn wir nämlich davon ausgehen, daß es in zweihundert Jahren noch Menschen gibt, die sich für unsere Zeit interessieren, dann sollen sie wissen: Die Holtzbrinck-Gruppe und ihre Manager betrieben einen Gaunerkonzern.

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Geld wird geklaut aus Habsucht und Gier, aber warum bereichern sich Leute an der Lebensleistung… weiter lesen

23.06.2006 von Schröder & Kalender
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Peters Purzelbaum im Lavendel

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert schwach in östlicher Richtung.

Die schönste Schote in der Handke-Sache platzte gerade im Tagesspiegel, Alexander Gauland ließ sie platzen: »Dabei sind das Schreiben Handkes wie der ›Anschwellende Boxgesang‹ von Botho Strauß neben der ›Blechtrommel‹ von Günter Grass die letzten Überreste jener deutschen literarischen Leitkultur, von der bald niemand mehr wissen wird, was sie denn sei …« Wie recht der Mann hat, inklusive Synapsenfehler! Da wollen wir nicht abseits stehen und erlauben uns die folgende sommerliche Reminiszenz:

Und nun geschah das Sonderbarste, was ich während dieser Petrarca-Preis-Verleihung sah. Die Leute pflückten Lavendel, der Porträt des toten Dichters Rolf Dieter Brinkmann auf der Spanplatte wurde vom ZDF an die provenzalische Mauer gelehnt und abgefilmt. Genau die Atmosphäre, über die Brinkmann sich zu Lebzeiten schreibend ausgeätzt hätte, über dieses Lämmeressen, den Lorbeermuff, die Witwe … na ja, und die Tischreden. Ich war beim Sonderbaren, ach so, die Lavendelwiese – alles verteilte sich, da sehe ich diesen unglücklichen Handke, wie er auf einem leichten Hang Kobolz schießt. Im Turnsport nennt man das ja wohl ›Rolle vorwärts‹. Macht doch dieser Fiti tatsächlich drei unbeholfene Rollen auf einer Lavendelwiese. Das mußt du dir einmal vorstellen: Einer, der es nicht kann, jemand, der nicht fröhlich ist, der ein Erwachsener ist, der Schriftsteller ist und obendrein einer, der Handke heißt, im Lavendel mit drei, vier mißratenen Rollen nach vorn! … weiter lesen