Posts Tagged ‘SPD’

26.01.2010 von Schröder & Kalender
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Großes Musiktheater und kleine Opfer

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Peter Edelmann

Foto: Peter Edelmann

In Pfungstadt ist eine Fassade zusammengestürzt, die Südhessische Energie AG (HSE) hatte, ohne auf die Statik zu achten, einen Graben ausschachten lassen. »Die HSE fördert Kunst und Kultur, die für die Region Identität stiftend sind«, steht vollmundig auf ihrer Website. Gegenwärtig tut sie dies mit dem Musiktheater ›Gisei – Das Opfer‹ von Carl Orff. Die kleinen Opfer Maria und Peter Edelmann saßen sechs Wochen in ihrem Hinterhaus und froren. Das Ton- und Videostudio von Freund Peter ist zerstört – so viel zur Förderung von Kunst und Kultur.

Wir fragen den Aufsichtsrat der HSE, den SPD-Bundesabgeordneten und Darmstädter Bürgermeister Walter Hoffmann: Kann die von ihm beaufsichtigte HSE es sich leisten, die Verantwortung für den Mist, den sie gebaut hat, auf kleine Bauunternehmer abzuwälzen? Und hatte nicht das Bauamt… weiter lesen

13.06.2009 von Schröder & Kalender
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Die Geschichte meines Zeitgenossen

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Wladimir Korolenko (1853 bis 1921), Freund und Zeitgenosse von Gorki und Tolstoi hat als ›Geschichte meines Zeitgenossen‹ die lyrisch-distanzierte Autobiographie seiner Jugend geschrieben. Die Geschichte von der Erziehung im Elternhaus, den Lehrern im Privatinternat, springt von verinnerlichter Landschaftsbeschreibung zu ironischer Charakterschilderung und deutet bereits Korolenkos späteres Engagement für die Entrechteten und Unterdrückten an. Dem jungen Korolenko öffnen sich immer deutlicher Perspektiven der Befreiung von Provinzenge und zaristischem Beamtenklüngel. Rosa Luxemburg übersetzte das Buch 1918 im Gefängnis von Breslau.

Sechs Monate später wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Mitgliedern der Wilmersdorfer Bürgerwehr aus einer Wohnung in der Mannheimer Straße in das Stabsquartier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division im Hotel Eden am Kurfürstendamm verschleppt. Der Generalstabsoffizier Hauptmann Waldemar Pabst hatte die ehemalige kaiserliche Division in ein Freikorps umgewandelt, das sich vor allem bei der Niederschlagung des Spartakusaufstandes hervortat. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 vom Pabsts Männern ermordet. Rosa Luxemburgs Leiche warfen die Freikorpsverbrecher von der Brücke in der Budapester Straße in den Landwehrkanal. Der SPD-Reichswehrminister Gustav Noske war in das Mordkomplott eingeweiht.

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Rosa Luxemburg schrieb zur ›Die Geschichte meines Zeitgenossen‹ in ihrer Einleitung: »Die Grundzüge des Korolenkoschen Schaffens: zauberhafte Landschafts- und Stimmungsmalerei, liebenswürdige, frische Natürlichkeit und warmherziges Interesse für die ›Erniedrigten und Enterbten‹. Die starke soziale Note in Korolenkos Schriften hat jedoch gar nichts Lehrhaftes, Streitbares, Apostolisches an sich, wie etwa bei Tolstoi. Und er bleibt nicht bloß Beobachter wie Turgenjew, der feine, gepflegte Aristokrat. Korolenko kostet es gar keine Mühe, mit Leuten aus dem Volke nach wenigen Worten Fühlung zu bekommen, ihren Ton zu treffen, in der Menge unterzutauchen. Man findet hier keine Phrasen, kein lautes Pathos, keine Senitimentalität, nichts als größte Schlichtheit und Sachlichkeit.«
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Wladimir Korolenko, ›Die Geschichte meines Zeitgenossen‹. Aus dem Russischen übersetzt und eingeleitet von Rosa Luxemburg. Engl. Brosch, 456 Seiten. März Verlag, 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich).

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22.03.2009 von Schröder & Kalender
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Märzrevolution im Ruhrgebiet

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Erhard Lucas, ›Märzrevolution im Ruhrgebiet. Vom Generalstreik gegen den Militärputsch zum bewaffneten Arbeiteraufstand. März / April 1920‹, engl. brosch., 360 Seiten, März Verlag 1970 (nur noch antiquarisch erhältlich), Ein zweiter Band wurde angekündigt, ist aber bei März nicht mehr erschienen.

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»Bundeswehr schießt nicht auf Reichswehr!«, erklärten die Generäle in Berlin in der Nacht zum 13. März 1920, als die Reichsregierung sie aufforderte gegen die Kapp-Putschisten vorzugehen. Die Reichsregierung floh von Berlin nach Dresden, dann weiter nach Stuttgart, während sich die Putschisten in Berlin einrichteten; im Gegeneinander der beiden Regierungen und im Generalstreik gegen den Putsch brach die Verwaltungsmaschinerie zusammen.

Im Ruhrgebiet versuchte der kommandierende General von Watter, die letzten von Militär und Polizei noch nicht besetzten Städte in den Griff zu bekommen. Doch die Arbeiter nahmen den Kampf gegen das einmarschierende Militär auf und blieben schon in den ersten Gefechten siegreich. Aus dem Generalstreik entwickelte sich ein bewaffneter Arbeiteraufstand. Die Arbeiter kämpften nicht nur gegen den Kapp-Putsch; ihr Kampf richtete sich gegen die gesamte Entwicklung nach rechts.

Erhard Lucas legte nach umfangreichen Ermittlungen in den Staats- und Stadtarchiven des Ruhrgebiets eine detaillierte Untersuchung des Aufstandes vor. Sein Buch widerlegt die gängige These, die Weimarer Republik sei zwischen links und rechts zerrieben worden. Als die von der SPD geführte Regierung mit der reaktionären Reichswehrführung einen Pakt gegen die revolutionären Arbeiter einging, hatte sie den Untergang der Republik besiegelt.

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Inhalt
Vorbemerkung
Einführung
1. Kapitel: Die Niederlage der Novemberrevolution und die Errichtung der Militärdiktatur
1.1. Die Bergarbeitergewerkschaften und die Hamborner Streikbewegung (November 1918 bis Januar 1919)
1.2. Die sozialistischen Parteien, die Arbeiter- und Soldatenräte und die politischen Entscheidungen in Berlin bis zum Januaraufstand 1919
1.3. die Essener Sozialisierungsbewegung und ihr Ende (Januar / Februar 1919)
1.4. Die Errichtung der Militärherrschaft, die Nationalversammlung in Weimar und der Generalstreik der Bergarbeiter (März / April 1919)
1.5 Das Vordringen der Konterrevolution (Mai 1919 bis März 1920)
a) Arbeit und Kapital
b) Die Arbeiterorganisationen
c) Militär und Polizei
d) die Vorbereitung des Putsches und die Stellung der Verschwörer im Verhältnis der gesellschaftlichen Kräfte … weiter lesen

04.12.2008 von Schröder & Kalender
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Noch einmal: Das Fulda Gap

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.
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In dem neuen Buch von Detlef Bald, ›Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt‹ wird der Nato-Doppelbeschluß wie eine Rettungsaktion gegen die flächendeckende Bereitstellung von Atomwaffen entlang der Grenze dargestellt. Das es sich anders verhielt, steht heute in unserer Kolumne in der jungen Welt.

Im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung, … weiter lesen

14.08.2007 von Schröder & Kalender
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Frankfurt am Main, 1968

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südöstlicher Richtung.

Das Schöne am Sommerloch ist, daß jetzt die Belege mit unseren Beiträgen eingehen, weil ja Anfang Oktober die Buchmesse stattfindet und langsam die Herbsttitel fertig werden. So trudeln jetzt Texte ein, die wir vor langer Zeit abgeliefert und längst vergessen hatten.

Letzter Eingang das ›Frankfurtmainbuch‹ im Verbrecher Verlag, herausgegeben von Werner Labisch und Jörg Sundermeier mit Texten und Bildern von Anja Becker, Christian Bartz, F.W. Bernstein, Barbara Bollwahn, Tom Combo, Sarah Diehl, Steffen Falk, Oliver Grajewski, Caroline Hartge, Claudia Honecker, Meike Jansen, Barbara Kalender, Susanne Klingner, Maximilian König, Izy Kusche, Frank Lähnemann, Holger Lübkemann, Julia Mantel, Thomas von der Osten-Sacken, Oliver M. Piecha, Rattelschneck, Jana Schmidt, Jörg Schröder, Martin Sonneborn, Jan Süselbeck, Thomas Uwer, Linus Volkmann, Ambros Waibel, Klaus Walter und Georg Weerth.

Wir bringen als Teaser unseren Beitrag:

Freiheit für Meysenbug!

Ich fuhr zur PEN-Jahresversammlung, das Tagungsthema hieß ›Wer hat Angst… weiter lesen

11.02.2007 von Schröder & Kalender
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August Kuper und die Sozialistische Aktion

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.

Dieses Märchen handelt von einem, der auszog, das Französische zu lernen. Allerdings hat in meiner Geschichte der Vater nur den einen ungeratenen Sohn: Die Rede ist von Peter Kuper, genannt Hamlet, der inzwischen durch sein Buch zu einem Frankfurter Original avancierte. Als junger Mann war er eine Weile mit Helga Matura zusammen, der zweitberühmtesten Hure vom Autostrich – nicht als ihr Zuhälter, eher als Diener, denn sie zahlte ihm nur ein Taschengeld. Der Matura-Mörder wurde nie gefaßt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß sie auch die Kokotte eines saudischen Prinzen war, der ihr den Cadillac schenkte, mit dem sie ihre Runden drehte. Aber ich will hier keinen neuen Handstreich gegen die Opec verüben, sondern nur von Hamlet berichten, der mir bei meinen Streifzügen durchs Nachtleben aufgefallen war.

Als komische Szenefigur geisterte er durch die Frankfurter Halbwelt, ein dünnes langes Elend: »Ich bin einsdreiundneunzig groß«, teilte er jedem ungefragt mit. Und weil er als Kind hellblondes Haar hatte, ließ er es jetzt bleichen. Also lange grellblonde Flusen unter einem schwarzen Hut, dicke blaue Gläser im Ray-Ban-Gestell – der Mann ist extrem kurzsichtig –, und wie Franco Nero als Django trug er einen langen Leinenflattermantel. Dieser dürre, gebeugte Mensch in pittoreskem Aufzug hatte außerdem einen merkwürdigen Gang. Später erfuhr ich von Hamlet, daß er sich diesen »Tigergang« angewöhnt habe, weil ihm als Knabe der wiegende Schritt der schwarzen G.I.s imponiert hatte. So tigert er auch heute noch als Neunundsechzigjähriger in Frankfurt herum. Damit nicht genug, dieser Ausbund regredierter Phantasie führte einen falbfarbenen Afghanenhund an der Leine. Kannst du dir vorstellen, was diese beiden Langhaarigen zusammen für ein seltsames Gespann waren?!

Zum ersten Mal sprach mich Hamlet im ›Dominique‹ an, einem Szenelokal in der kleinen Bockenheimer neben dem ›Jazzkeller‹. Während ich Prinzessin Meyer begrüßte, die mir ihren neuen Freund vorstellte, blies mir ein warmer Atem wie aus Pferdenüstern ins Ohr: »Kurz nach Anbruch der Morgendämmerung betrat Captain Hornblower das Achterdeck der ›Lydia‹ …« Es hatte etwas von einem Zauberspruch, … weiter lesen

12.08.2006 von Schröder & Kalender
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Günter Grass schämt sich nicht

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert immer noch schwach in nördlicher Richtung.

Günter Grass schämt sich nicht, nach 45 Jahren moralinsauren Schreibens und Redens als Reklame für sein neues Buch das »Geständnis« abzulegen: »Ich habe damals in der Waffen-SS gedient. Eine Eliteeinheit mit den meisten Verlusten.« So holt er sich zeitgeistkonform nach 35 Jahren des Trommels für die EsPeDe auch noch die Leser aus der rechten Ecke für seine ›Zwiebel‹. Zum Heulen? Nee, eher zum Lachen!

(BK / JS)