Posts Tagged ‘Valerie Solanas’

20.09.2010 von Schröder & Kalender
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Die festgeschweißte Helena

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Was eine Unterschriftenliste im Edeka-Laden und ein bisschen Bloggen doch bewirken können: Die für uns fußläufig in drei Minuten erreichbare und lange von einer Schließung bedrohte Postfiliale in der Mainzer Straße wird nicht geschlossen! So können wir weiterhin unsere Folgen mit der Sackkarre über den Bundesplatz schieben. Heute war es wieder soweit: Wir haben die 55. Folge von ›Schröder erzählt: Wenn Baby bellt‹ ausgeliefert.

Im Aufzug in der Wexstraße mit Sackkarre, Jörg Schröder und Barbara Kalender
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Jörg vor der mit Eisenstäben festgeschweißten Helena an der Ecke Mainzer Straße. Da hat der trojanische Prinz Paris keine Entführungschance.

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Der erste Teil der neuen Folge ist eine Chronologie der Editionsgeschichte von Valerie Solanas’ ›Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer – S.C.U.M.‹. Schließlich wurde ich (JS) einst von Valerie zum ›Contact man of the mob‹ ernannt. weiter lesen

26.09.2009 von Schröder & Kalender
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Mammut (2)

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.

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Aus einer Besprechung des ›März-Mammut. März-Texte 1 & 2‹ von Diedrich Diederichsen aus dem Jahr 1984, die der ›Spiegel‹ bestellt, aber nicht abgedruckt hatte, ebenso wenig wie die von Rainald Goetz. Aus dem Diederichsen-Text veröffentlichen wir hier eine kurze Passage:

»Herausragend in ‘Mammut’ sind dennoch nicht nur die Schröder-Texte. Der Komplex Terrorismus mit Vespers und Gudrun Ensslins Reisefotoalbum und Wolfgang Pohrts Amnestie-Kampagne und einem Brief über Vesper von Jugendfreund Henner Voss, Gunnar Heinsohns erste materialistische Beschreibung der Hexenverfolgung, der Komplex Psychoanalyse/Otto Groß, Franz Jung etc., der Komplex Upton Sinclair / Henry Ford / U.S.-Anti-Semitismus der 30er Jahre. Man könnte noch viel mehr saugute Texte aufzählen, fast ebensoviel Mystik-Unsinn und moderne Literatur – die den Kampf gegen die Post-Literatur von Schröder, Warhol, Schröders Halbwelt-Spezi Hamlet Kuper, Tom Wolfe etc. so niederschmetternd verliert. Je neuer sie ist, desto schrecklicher ihre Niederlage. Wie peinlich so ein Essay, der fordert, die Literatur möge sich doch überall bedienen und ihre Scheu vor der Trivialität verlieren – ganz neu, hab ich noch nie gehört -, gegen das wirkliche Leben, egal ob es in ‘Mammut’ von einem Aufsatz Charles Darwins oder einer Dummheit Hubert Burdas, aber von der Gestalt wie ein eigener Beitrag behandelt, vertreten wird.

Da Schröder Lebensgeschichte betreibt, betreibt er automatisch auch Wirkungsgeschichte. Gegen Ende von ‘Mammut’ dokumentiert er ein paar Reaktionen auf ‘Cosmic’. In diesem Zusammenhang bringt er, ebenfalls erstmals in Deutsch, einen Ausschnitt aus Tom Wolfes ‘The Electric Kool-Aid Acid Test’, ein Buch, das auch schon fast 20 Jahre alt ist, ‘Die gefrorene Friedensversammlung’. Wolfe erzählt darin, wie Ken Kesey und seine Merry Pranksters in den 60er Jahren absolut punkmäßig eine Friedensversammlung sprengen, absolut aktuell, absolut richtig. Die, die in den 60ern wirklich weit vorn waren, sind es bedauerlicherweise immer noch. Eine Alternative zur liberalen Dummheit hat sich nicht durchsetzen können. Am Ende von ‘Mammut’ steht eine alte Utopie (aus den 60er Jahren) ’1994′, die die Hippies als Agenten des Establishments ausweist. Auch das ist leider wahr geworden/geblieben. Der Weg dahin, dadurch und daran vorbei, die Geschichte der letzten 20 Jahre als Geschichte des Scheiterns steht in ‘Mammut’. Schröder, Warhol und Wolfe haben ihren Humor nicht verloren.«
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Die vollständige Version der beiden Besprechungen druckten wir in unseren ›Vorinformationen für Buchhandel und Presse Juni bis November 1985‹ ab und erlebten eine Überraschung. Die Auflage von 10.000 war sofort vergriffen, wir mußten 10.000 nachdrucken. Diese gingen – kostenlos versteht sich – wieder weg wie die warmen Semmeln. Seitdem sind die März-Vorinformationen 1985 ein Rarum, der seltene Fall einer Werbedrucksache, die heute Geld kostet. Den vollständigen Text von Diedrich Diederichsen kann man auf der Seite der Filmzentrale lesen, als Anhang zur Rezension der ›März-Akte‹, also bitte runterrollen.

›März Mammut. März-Texte 1 & 2. 1969 bis 1984‹. Herausgegeben von Jörg Schröder. Leinen, 1.276 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, März Verlag, 1984. 

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Die Mäzenatenausgabe ist noch lieferbar: › März Mammut. März-Texte 1 & 2. 1969 bis 1984, Vorzugsausgabe der Erstausgabe 1984 in 150 numerierten und vom Herausgeber und MÄRZ-Verleger Jörg Schröder dem Mäzen handschriftlich gewidmeten Exemplaren. 1274 S. m. zahlr. Abb. Säurefreies, alterungsbeständiges, 60 g/qm-Papier von Schoeller & Hoesch, Gernsbach. Fadenheftung. Gelber Seidentafteinband mit Blindprägung des Schriftzuges ›Mammut‹ und rote Rückenprägung des Schriftzuges ›MÄRZ‹. Rotes Kapital- und Lesebändchen. 150,00 Euro
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Zum 15jährigen Bestehen von März erschien ›März-Mammut‹. Titel und Themen: Initiation, Vanille, Rote Horizonte, Tiere, Schulkampf, Kernzonen, Kindheiten, Mlle. Brigitte Bardot, Aggression und Widerstand, Hamlet-Chiffren, Schwarze Musik, Gewissensbisse, Wirte und Parasiten, Gott als Frau, Existenzfeste, Terror, Opfer, Rausch, Blutsterne, vom Spiralismus zum Neo-Banalismus, Taubnesseln, Postmoderne, Kokain und Mutterrecht, Joviale Russen, Eingemachtes u.v.a.

›Mammut‹ ist ein dickes Buch. Die erste Vorstellung in den ›März-Zitaten‹ findet man hier, einige weitere werden folgen.

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09.03.2009 von Schröder & Kalender
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Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer (2)

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

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Valerie Solanas

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Mit einigen anderen Titeln der Olympia Press New York schickte mir Maurice Girodias 1969 das Manuskript der ›Society For Cutting Up Men‹ von Valerie Solanas. Eine paranoide, surrealistische Theorie, also innerhalb des Wahnsystems schlüssig. Ich antwortete ihm umgehend: »Machen wir!« Maurice hatte Valeries Manifest im Jahr 1968 – gleich nach dem Warhol-Attentat – veröffentlicht. Er zahlte Valerie ein Pauschalhonorar von 500 Dollar, ich überwies ihm für die deutschen Rechte ein flat fee von 1000 Dollar.

Die deutsche Übersetzung erschien 1969 bei März mit einem Nachwort des ›Arbeitskreises Frauenemanzipation‹, dem auch einige Frauen des ›Weiberrats der Gruppe Frankfurt‹ angehörten. Von dieser Gruppe stammt der ›Rechenschaftsbericht‹ mit den komischen abgehackten Pimmeln der Genossen Schauer, Gäng, Kunzelmann, Krahl und Rabehl, wie Jagdtrophäen an der Wand aufgereiht. Auf der Rückseite des Flugblatts outeten die Frauen fünfzig weitere SDS-Schwanzträger mit einem Solanasnahen Text, dessen Schlußzeile lautete: »Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen!« Mir konnte ja in dieser Richtung nichts passieren, weil Valerie mich zum »contact man of the mob« ernannt hatte. Damit gehörte ich zu den wenigen Männern, die der Vernichtung durch die Frauen entgehen sollen, per Gnadenerlaß der Anführerin der Society For Cutting Up Men.

Als Valerie Solanas gefragt wurde, warum sie auf Andy Warhol geschossen habe, antwortete sie: »Ich habe eine Menge schwerwiegender Gründe, lesen Sie mein Manifest und Sie wissen, wer ich bin.«

Valerie Solana – das s am Ende ihres Namens fügte sie später hinzu – wurde 1936 in Atlantic City, New Jersey geboren. Sie wuchs in desolaten Familienverhältnissen auf, die Mutter war Trinkerin und gewalttätig, der Vater quälte sie mit sexuellen Übergriffen. Mit 13 kam Valerie in ein Mädcheninternat für straffällige Jugendliche und legte später im Fach Psychologie ein Examen an der University of Maryland ab.

In New York begann Valerie Solanas zu schreiben, darunter ein Theaterstück ›Up Your Ass‹, das sie Andy Warhol gab, und das ›S.C.U.M.-Manifesto‹. Ihr Manifest verkaufte sie hektographiert in den Cafés von Greenwich Village. Zuweilen schlug sie sich auch mit Prostitution durch.

1968 hatte Valerie Solanas eine kleine Nebenrolle in dem Andy Warhol Film ›I A Man‹ für ein Honorar von 25 Dollar. Vorher hatte Andy Warhol ihr gestanden, daß irgend jemand in der Factory das einzige Manuskript ihres Theaterstücks  ›Up Your Ass‹ weggeworfen habe. Ein Jahr später zog Valerie Solanas eine 32er Beretta Automatik und schoß auf Andy Warhol. Dem Polizisten, der sie festnahm, sagte sie: »Er hatte zu viel Kontrolle über mein Leben.«

Im ›März-Mammut. März Texte 1 & 2‹ haben wir Andy Warhols Bericht ›Nachdem sie mich niedergeschossen hatte, drehte sich Valerie um und schoß auf Mario Amaya‹ veröffentlicht.

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08.03.2009 von Schröder & Kalender
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Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer (1)

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

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Valerie Solanas, ›S.C.U.M. Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer‹,  Pb., 104 Seiten. Aus dem Amerikanischen von Nils Lindquist. Mit einem Vorwort von Paul Krassner und einem Nachwort des Arbeitskreises Frauenemanzipation, Frankfurt a. M. März Verlag 1969 (Die MÄRZ-Ausgabe ist nur noch antiquarisch erhältlich). Im Maro Verlag ist eine Lizenzausgabe lieferbar.

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