Das Barfuß-Experiment: Die Welt mit den Füßen sehen

Barfuß auf der Straße

Ich werfe meine Zigarette auf den Boden. Mist, denke ich, die kann ich gar nicht austreten – ich habe ja keine Schuhe an. Es ist November und kühl, um mich herum tragen alle Mantel und Schal.

Ich will erfahren wie die Menschen reagieren, wenn ich etwas so Selbstverständliches wie Schuhe weglasse. Enthusiastisch habe ich meinen Freunden davon erzählt. Alle waren besorgt, dass ich krank werden könnte.

Die Leute, die mit mir an der Bushaltestelle warten, scheinen gar nicht zu merken, dass mir heute etwas fehlt. Niemand begafft mich oder zeigt mit dem Finger auf mich. Ich stelle meine Umhängetasche auf den Boden und schiebe meine Zehen unter das Kunstleder. Hoffentlich kommt der Bus zur Hochschule bald. Ich bin gespannt, wie die anderen Studenten auf meine nackten Füße reagieren werden.

Mittags in der Mensa stelle ich mich an der Pommesschlange an. Verdutzt schaut mich ein junger Mann an. Sein Blick wandert von meinen Füßen bis zu meinem Gesicht. „Warum trägst du keine Schuhe?“, fragt er erstaunt. Endlich traut sich mal jemand mich auf meine nackten Füße anzusprechen! „Hast du keine Angst vor Fußpilz?“, fragt er besorgt. Fußpilz? Daran hatte ich tatsächlich nicht gedacht.

Einen Fuß vor den anderen – eigentlich ist es ganz leicht

Quer durch die Mensa laufe ich zu dem Tisch, an dem meine Kommilitonen sitzen. Der Boden fühlt sich angenehm glatt an. Ich liefe „modelesque“, sagt mein Kommilitone Florian, die anderen nicken kauend. Es stimmt, denke ich später, auf dem Weg zur Tablettabgabe, ich bewege mich anders als sonst. Jeden Schritt ertaste ich erst, ganz vorne mit den Zehen. Ist da eine Wölbung, eine Unebenheit, an die ich stoßen könnte? Erst wenn ich sicher bin, dass vor mir nichts ist, rolle ich vom Ballen zur Ferse ab.

Doch was ist das? Während ich über meine Füße nachdenke, trete ich mitten in eine Kartoffelpüreejägersoßenpfütze. Glitschige, kleine Klümpchen quellen zwischen meinen Zehen. Mit meinem letzten Taschentuch wische ich die Soße samt ihren Fettaugen von meinem Fuß. Hoffentlich hat das niemand gesehen.

Es ist fast dunkel, als ich aus der Hochschule komme. Orangerote Wolkenschleier durchziehen den Himmel. An der Bushaltestelle treffe ich den Sohn einer Freundin. Unruhig wandert sein Blick umher und bleibt an meinen entblößten Zehen hängen: „Warum hast du keine Schuhe an?“ Tja, warum eigentlich?

Wir sparen uns die Schuhanziehprozedur, es ist gesund für den Rücken und wir müssen kein Geld für Schuhe ausgeben, sind die pragmatischsten Antworten, die Barfuß-Fans im Internet-Forum hobby-barfuss.de auf diese Frage geben. Für manche ist es aber auch Protest gegen die Konsumgesellschaft oder schlichtweg Lifestyle.

Nach einem Tag ohne Schuhe kann ich nicht beurteilen, ob die Barfüßigkeit meinem Rücken hilft oder meine Kreativität fördert, wie manche behaupten. Aber einer Aussage aus dem Forum stimme ich zu: Das Barfußlaufen erweitert meinen Körper um die fühlenden, tastenden, greifenden Füße. Und ich habe Menschen staunen gesehen. Ein ehrliches, ursprüngliches Staunen, das ich sonst nur von Kindern kenne.

Kalt und rabenschwarz

Von der Bushaltestelle laufe ich im Regen nach Hause, Blätter rascheln unter meinen Füßen. Wie viele Menschen wohl wissen, wie es sich anfühlt, barfuß über Herbstlaub zu laufen? Zum ersten Mal an diesem Tag friere ich an den Füßen, außerdem sind sie rabenschwarz. Es wird bestimmt Stunden dauern, bis ich sie wieder sauber geschrubbt habe.

Zuhause angekommen, finde ich einen Zettel an der Badezimmertür. „Wegen Rohrbruch ist das Warmwasser abgestellt.“ Das kann doch nicht wahr sein! Resigniert stelle ich den Wasserkocher an, fülle das erhitzte Wasser in einen Eimer und bewaffne mich mit Seife und Wurzelbürste. Seufzend strecke ich meine Füße in das warme Nass.

Text: Birte Frey, Foto: Dunja Sadaqi

Morgen lesen Sie hier, wie verräterisch die Leidenschaft für einen bestimmten Schuh sein kann.

Kommentare (33)

  1. Hallo Birte

    Zunächst muss ich mich entschuldigen, dass ich nicht eher geantwortet habe, aber du fragtest mich am 19. 11. ob es die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums auch online gibt. Ja, die gibt es, und zwar hier: http://www.die-praevention.de/thema_des_monats/wandern/wanderformen/barfusswandern/
    Dort heißt es wörtlich: “Wer sich obenrum gut einpackt, kann bereits ab zehn Grad bequem barfuß laufen.”
    Der Link ist übrigens auch in Flyer des Hobby-Barfuß-Forums enthalten, den man hier findet: http://www.symbioseweb.de/artikel/hbf-flyer-8j.pdf

    Viele Grüße

    Ulrich

  2. Hallo fivefingers,
    von den Barfußschuhen, die du beschreibst, habe ich auch schon gehört. Klingt sehr interessant. Vor allem, wenn du damit schmerzfrei den Jakobsweg gelaufen bist, spricht das sehr für die Schuhe. Wie bist du denn überhaupt auf die Idee gekommen solche Schuhe zu tragen?

    Das Thema Babyschuhe hat uns in der Redaktion übrigens auch schon beschäftigt. Hier ein Artikel dazu: http://blogs.taz.de/schuhe/tag/kinderschuhe/

  3. fivefingers

    Seit knapp 2 jahren laufe ich ganzjährig in speziellen barfußschuhen, vor allem in der stadt.
    Mit “nackten” füssen sind mir die stadtwege zu ahygienisch.
    Die leute spucken rum ….Die hunde…Die wildpiesler…und noch ein paar saudumme sprüche obendrein…u.s.w.

    Man stelle sich vor,fast alle menschen würden barfusslaufen.
    Wie würde wohl unsere umwelt ausschauen ?

    2009 bin ich mit meinen zehenschuhen 700 km den Jakobsweg gelaufen.War super.
    Ich war ,nach meinen beobachtungen der einzige pilger o h n e fußprobleme.

    Mit einem meiner sündhaft teuren wanderschuhen hätte ich niemals
    diese strecke so angenehm,ja fast schon gemütlich bewältigen können.

    Ich sage nur:
    Man hat die wahl- huftier oder panther.

    Eine bitte an alle jungen eltern hätt ich:
    Schmeißt alle Baby und Kinderschuhe weg.

    Servus

  4. Hallo Herr Kleeberg,
    würde mich sehr über ein Gespräch freuen und mich per Mail bei Ihnen melden!

  5. @Birte: Über das Buch können wir uns gerne mal unterhalten

  6. Hallo Michael,

    interessant was Du da schreibst, was die Erfahrungen mit unseren Freuden und Helfern angeht, für Dich zur Information ich trug diesen schönen Gips ja von Ende November bis in den Januar hinnein und das bei Temperaturen von bis zu – 15° celsius und trotz diesen arktischen Temperaturen erfreuten sich meine Zehen purer Nacktheit, ich fand einfach das es bescheuert aussah da einen Socken drüberzustülpen.

    Das führte während dieser langen Zeit natürlich auch zu dem ein oder anderen Gespräch mit unseren Gesetzeshütern, und -hüterinnen…., wobei sich da aber wirklich jedes Gespräch ausgesprochen freundlich gestaltet hat, ebenso kam niemand auf die Idee mich mit auf die Wache zu nehmen, da hätte ich ja wohl auch sofort juristische Schritte eingeleitet.

    Im übrigen fand ich es ertaunlich das es wirklich geht, bei winterlichen Temperaturen auf Socken zu verzichten, solange man zumindest Schlappen oder Flip flops oder was auch immer trägt damit die nackten Fußsohlen nicht mit den Boden in Berührung kommen.

    Ciao

  7. Zum Thema Polizeieinsatz:
    Ich laufe in meiner Freizeit oft barfuß und trage kurze Hosen. Auch bei Temperaturen um +5°C ist dieses bei mir nichts Außergewöhnliches. Schon öfters bekam ich deswegen Ärger mit der Polizei. Grund für die Kontrolle waren aber in erster Linie die kurzen Hosen. Wer im November in kurzen Hosen, aber mit Schuhen unterwegs ist, fällt mehr auf als jemand, der bei gleicher Temperatur keine Schuhe, jedoch lange Hosen trägt. Zwar sind kurze Hosen weder in der Schweiz, noch in Deutschland verboten, aber in den Köpfen der Allgemeinheit trägt ein erwachsener Mann so etwas nur im Sommer bei Temperaturen über 20°C. Ich wurde sogar schon an einem trüben Junitag bei 15°C von Polizeischergen angehalten, als ich in kurzen Hosen und mit Turnschuhen auf dem Fahrrad unterwegs war. In manchen Fällen blieben die Kontrollen harmlos, aber ich wurde auch schon auf die Wache gefahren. Besonders schäbig verhielten sich die Polizisten in Stuttgart, Mulhouse, Renens, Basel und vor allem in Zofingen. Allgemein habe ich beobachtet, daß speziell in Kleinstädten die Bürger schnell die Polizei rufen, wenn jemand barfuß oder/und in kurzen Hosen unterwegs sind, während auf dem Land die Leute toleranter sind und in der Großstadt desinteressiert. In Zofingen hat mir mal ein Polizist gesagt, ein Mann in kurzen Hosen und ohne Schuhe würde dem Image der Stadt Zofingen als “saubere Kleinstadt” abträglich sein.

  8. im sommer ist es claro sehr angenehm, aber hatten die chinesischen barfuss-ärzte, in deren angenehmer tradition auch ich mich sehe, eigentlich SCHUHE? Sie wurden bezahlt, wenn der patient wieder heil war, sonst nicht. bei uns in lüchow-pannenzwerg läuft es glatt, sommers wie winters. den castor schultern wir halt, wir leidgeprüften. interessiert in groß-D eh keine socke mehr! vorbei ist vergessen. amnesie, dissoziation, wir grüßen Sie! vergessen Sie uns nicht, wir tun es auch nicht. lg aus Hitzacker von die heimliche mama vons camp, Sattva (meine Taste spinnt)

  9. Hallo Karsten,

    im Sommer barfuß zu laufen ist natürlich gerade für “Anfänger” sehr viel angenehmer, aber dafür ist der Unterschied zu Schuhträgern auch nicht so stark, da ja auch viele Schuhträger im Sommer mit Flipflops oder Sandalen unterwegs – und damit sozusagen fast barfuß – sind. Ich schätze mal, dass deshalb auch meine Mitmenschen nicht so überrascht gewesen wären, wenn sie mich barfuß gesehen hätten. Aber der eigentliche Grund dafür, dass ich erst jetzt und nicht im Sommer barfuß unterwegs war, ist, dass wir den Blog ja erst vor kurzem gestartet haben. Ich wusste also im Sommer noch gar nicht, dass ich bald die Möglichkeit haben werde übers Barfußlaufen zu schreiben.

    Creme zum Saubermachen der Füße zu benutzen ist ne tolle Idee. Klingt so logisch und doch wär ich nie selbst drauf gekommen! Danke, das werde ich das nächste Mal auf jeden Fall ausprobieren.

  10. Huhu Birte,

    auch ich habe Respekt vor Dir und finde Dein Experiment mutig – vor alle, jedoch wegen der Temperaturen. Warum bist Du nicht im Sommer auf diese Idee gekommen ? Vermutlich wäre noch so mancher Tag “unten ohne” gefolgt. Zum Thema Saubermachen ein Tipp: dunkle Stellen, die durch bloßes Waschen mit Seife oder Waschgel nicht verschwinden kann man auch mit etwas Creme oder Lotion (ohnehin empfehlenswert!!) einfach “wegcremen”. Hast ja vielleicht auch schon mal Lidschatten o.ä. mangels Alternative mit etwas Nivea entfernt, oder ? Dir weiterhin angenehme Reize an den Sohlen, spätestens im nächsten Frühling!

  11. @Fachfrosch, interessant so kann man es ja auch sehen nur lasse ich mir von keinem Arzt der Welt verbieten nur weil ich für einige Wochen ein Gipsbein habe damit “rumzutigern” wo ich will…… zumal ich nach einigen Tagen mit den Krücken fast schneller war als mit zwei gesunden Füßen.

    Ich hatte den Gips im übrigen von Anfang Dezember bis Mitte Januar dieses Jahres, und trug über die gesamten sechs Wochen aus einer Laune herraus oder aus Trotz weil Du das Gipsbein eh nicht verstecken kannst nur Shorts und auch nie einen Socken über`n Gips.

    Was ich interessant fande und auch spannend , dass Du Aufgrund dessen von vielen Menschen angesprochen wurdest, mit denen Du sonst nie ins Gespräch gekommen wärst und es sich daraus auch nette Gespräche ergeben haben.

    Zum Thema Dorfgespräch……, also sowas wäre mir an Deiner Stelle so was von wurscht solang Du nix verwerfliches tust sollen Sie doch tratschen worüber sie wollen, nur ich würde mich doch dadurch nicht beeinflussen lassen in dem was ich gerne tu ! Und wenn ich halt barfuss laufen möchte tue ich es auch, Dorfklatsch hin Dorfklatsch her.

    Ich fand die Kälte während der Zeit als ich den Gips hatte an den Zehen sogar angenehm, so das ich da wirklich nicht einmal auf die Idee gekommen da einen Socken drüberzuziehen, im übrigen trug ich während dieser Zeit auch am gesunden Fuß nur eine Adilette und diese natürlich “BARFUSS” ;-)

    Die Aussagen der Passanten fand ich richtig spannend, da war alles vertreten von “cool” “kalt” “oh sommer” und manche fandens sogar “sexy”

    So, das war mein letztet post hier, Euch allen einen schönen Sonntag, und Du “Fachfrosch” trau Dich was ….. als erstes vielleicht hier unter Deinem richtigen Namen zu posten, ohne Dich jetzt anzugreifen ;-.)

    Heinz

  12. Ich bin auch jemand der sehr gerne barfuss durch die Weltgeschichte läuft und finde dieses Selbstexperiment echt super und mutig.

    Ich persönlich würde mich dies in der Gegend wo ich wohne – a little Village – niemals trauen, zumindest nicht um diese Jahreszeit, da man sonst direkt zum Dorfgespräch wird.
    “Da musste drüberstehen” ist die eine Meinung,
    da ich nicht täglich schief angesehen werden möchte
    steht dazu im Gegensatz auf der anderen Seite.

    Im Sommer sieht das anders aus, man wird zwar “begafft” aber es scheint um diese Jahreszeit ja nichts Aussergewöhnliches zu sein.

    Ich beneide Kinder – ja, manchmal wäre ich gerne nochmal Kind, die können barfuss rumlaufen wo sie möchten und keiner “klagt” sie deswegen an oder beäugt sie gar schief. Kinder tun alles was ihnen gafällt ohne darüber nachzudenken.

    Klar, alles ist eine Kopfsache.
    Und irgendwann hat sich die Umwelt – hoffentlich – daran gewöhnt.

    Ich beobachte im Zeitraum der vergangenen 3 Jahre
    immer häufiger, das Menschen ohne Schuhe unterwegs sind,
    Mädchen/Frauen doppelt so häufig wie Jungs/Männer,
    warum das so ist weiss ich nicht.

    Möglicherweise haben Frauen wirklich mehr “Freiheiten” in unserer Gesellschaft – weibliche Füße sind ja bekanntlich erotischer und wohl gepflegter als männliche, obwohl ich bei meinen Füßen auf Pflege achte – zum Anderen tragen die meisten Frauen aber auch Schuhe wo ich mir die Frage stellen muss: “Sind solche Treter notwendig?” Sei es der Mode wegen oder nur um UP TO DATE zu sein !?
    Diese hat man 2 KM am Fuß und schon muss man sich trennen wegen Blasen oder anderer Probleme…
    Warum dann nicht gleich barfuss ???

    Ich freue mich auf jeden Fall auf den kommenden Frühling !!! :)

    @ Heinz:
    Deine Situation kann ich voll und ganz nachvollziehen.
    Es sind schon einige “Patienten” von der Chirurgie
    ohne Einverständnis des Arztes in der Stadt rumgetigert.
    Nicht um Dich jetzt anzugreifen oder Dir was zu unterstellen:
    Jene Person wo die Polozei zur Hilfe zog
    dachte wohl im ersten Moment genauso wie ich jetzt.
    Allerdings wäre ich auf Dich zugegangen und hätte mal gefragt
    warum man bei fast 0°C in Shorts in der Bank anzutreffen ist ;)

    Gruß,
    Der Fachfrosch

  13. Hallo Peter,
    wenn du sagst, dass du mit dir im Reinen bist, meinst du das auf einer spirituellen Ebene? Ich musste nämlich sofort an die Novelle “Barfuß” von Michael Kleeberg denken, als ich deinen Kommentar gelesen habe. Also nur, weil in dem Buch das Barfußlaufen an sich auch so eine Symoblwirkung hat.

    Kennt das Buch jemand von euch? Würde mich echt mal interessieren, was ihr davon haltet. Ich finde nämlich, dass es wirklich sehr gut geschrieben ist und es hat mir viele Denkanstöße dazu gegeben, was Barfußlaufen bedeuten kann, also wofür es symbolisch stehen kann. Andererseits hatte ich auch das Gefühl, dass es für den unbedarften Leser vielleicht auch missverständlich wirken kann, so nach dem Motto: “Genau das bedeutet Barfüßigkeit immer und für jeden.” Denn nach meinem momentanen Eindruck ist es ja eher so, dass die meisten Laute barfuß laufen, weil es bequemer und praktischer ist und dem Ganzen gar nicht so eine Symbolwirkung beimessen. Was meint ihr?

  14. @Heinz: Ah, jetzt kann ich mir die Situation mit deinem Gipsbein viel besser vorstellen! So wird auch verständlich, warum die Passanten sich Sorgen gemacht haben. Aber ich finds trotzdem ungewöhnlich, dass sie so besorgt waren, dass sie die Polizei gerufen haben.

  15. Hallo Birte,
    in diesem Jahr bin ich wirklich sehr viel draußen barfuß gelaufen,. Ich habe dabei emerkt, dass sich der Trainingseffekt nicht nur an den Fußsohlen einstellt, sodern auch im Kopf. Ich denke oft kaum noch daran, dass ich keine Schuhe dabei habe. Es ist für mich nicht unbedingt normal. Ich bin mir schon bewusst, dass Barfüßer in der Öffentlichkeit in der Minderheit sind und auffallen. Aber ich bin mit mir im Reinen, wenn ich barfuß laufe. Das gehört einfach zu mir, und deshalb fühle ich mich auch mit nackten Füßen “angezogen” und bereit, überall hin zu gehen.
    Deshalb mein Tipp: Wer gern barfuß läuft, sollte möglichst viel barfuß laufen.

  16. Hey Peter,
    ich finde, du bringst es auf den Punkt mit dem Satz: “Das ist allerdings eher ein Problem im eigenen Kopf.” Wirklich wahr. Aber für mich bleibt die Frage, warum das so ist und vor allem wie man das ändern könnte. Oder kann man die Menschen in diesem Punkt einfach nicht ändern?

    @Ulrich: Ich wusste nicht, dass das Bundesgesundheitsministerium da eine Empfehlung zu abgegeben hat. Höcht interessant. Das könnten Barfußläufer ja als Argumentationsgrundlage in Situationen nutzen, in denen jemand versucht sie zu zwingen Schuhe anzuziehen. Gibts diese Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums eigentlich online?

  17. @Birte, danke für Deine Antwort da ist es mir ja glatt eine Pflicht Dir auf Deine Fragen eine Antwort zu geben.

    Zu der Situation die den Polizeieinsatz hervorgerufen hat, es war an dem Tag nachdem man mir den Unterschenkelgips angelegt hatte, ich musste zur Gipskontrolle ins Krankenhaus und jeder der schon einmal so ein Monsterteil am Fuß hatte , der weiss das es da mit langen Hosen Probleme gibt, und da ich nix zerschneiden wollte trug ich halt eine kurze Sporthose da ich ja nur die paar Schritte zum Auto musste und eh nicht schnell friere. Nach der Gipskontrolle bin ich dann noch schnell in die Stadt zur Bank…. und nun geb ich Dir Recht, da es ja nunmal um diese Jahreszeit bei knapp unter 0° nicht der Norm entspricht waren wohl einige Passanten verwirrt, oder dachten eben dieses von mir….. und informierten so unsere Freunde und Helfer, das Gespräch mit eben diesen lief aber sehr freundlich ab.

    In dem Restaurant , ebenso gekleidet sagte man mir im Sommer wär`s kein Problem aber jetzt im Winter ging`s so nicht. Ich hatte keine Lust mehr mich da auf Diskusionen einzulassen und bin gegangen.

    Hoffe Deine Fragen zur Genüge beantwortet zu haben, Barfußläufer im allgemeinen bin ich aber nicht, die Frage nach der Akzeptanz war mehr allgemein gestellt, denn offene Schuhe ohne Socken trag ich schon recht gern, da es die Arbeit verlangt den ganzen Tag in Buisnessschuhen
    herumzulaufen, da ist es eine Wohltat abends da so schnell wie möglich rauszuzkommen.

    Wünsche Dir weiterhin viel Spass bei Deinen Studium und der Arbeit.

    Gruß, Heinz

  18. Hallo Birte

    Zunächst mal auch von mir meine Gratulation zu deinem Selbstversuch.
    Es ist übrigens nicht so, dass man erst ab 10 Grad barfuß laufen soll, sondern ab dieser Temperatur empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium barfuß zu laufen. Wer ein bisschen geübt ist, kann es auch bei deutlich niedrigeren Temperaturen.
    Die Akzeptanz des Barfußlaufens ist übrigen in der Tat ein Problem. Barfüßigkeit wird in zahlreichen Restaurants nicht geduldet, weil sich angeblich andere Gäste dadurch gestört fühlen könnte. Viele Leute glauben eben, das bare Füße riechen würden, was gar nicht der Fall ist, da sich an der frischen Luft logischerweise kein Geruch aufbauen kann. Diese Leute schließen halt von ihren schweißtriefenden Füßen auf andere Leute.
    Ähnliche Probleme gibt es auch in zahlreichen Museen, wie etwa jenen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. So wird z. B. im Pergamonmuseum jeder Barfüßer des Museums verwiesen mit der haarsträubenden Begründung, dass das Salz im Fußschweiß dem Marmorboden chemisch schaden würde. Warum jedoch winterliches Tausalz kein Problem darstellt, bleibt fraglich.

    Viele Grüße

    Ulrich

  19. Hallo Birte,
    es ist schon mutig, im November mit dem Barfußlaufen in der Öffentlichkeit anzufangen. Die Temperaturen sind eher kein Problem. Unsere Füße sind so gebaut, dass sie mit etwas Training zumindest alles im Plusbereich gut verkraften. Es ist eher der krasse Unterschied zu (fast) allen anderen Leuten. Im Sommer tragen die meisten von ihnen Flipflops oder Sandalen, da fallen ganz nackte Füße nicht so auf. Der Unterschied zu geschlossenen Schuhen und Stiefeln ist halt deutlich größer. Das ist allerdings eher ein Problem im eigenen Kopf. Du schreibst ja auch, dass an der Bushaltestelle zunächst niemand auf deine nackten Füße reagiert hat. Das geht mir ganz ähnlich, obwohl ich auch jetzt noch fast jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit quer durch die Stadt barfuß laufe.

  20. @Ulfert: Finde ich interessant, dass dir das auch so geht mit den schwarzen Füßen. Wirklich merkwürdig…

    @Heinz: Polizeieinsatz? Nur weil du einen Gips getragen hast? Das ist ja absurd. Ich kann mir das gerade nicht so richtig vorstellen..Wie war denn die Situation genau? Du schreibst, dass es dir um die Akzeptanz nackter Füße geht, also trägst du auch sonst keine Schuhe, oder?

    Ich selbst habe so etwas nicht erlebt, aber ich war auch nicht in einem schicken Restaurant essen, wo auf solche Äußerlichkeiten vielleicht mehr Wert gelegt wird, als in der Uni. Ich finde deine Erfahrungen spannend, weil sie noch mal zeigen, dass es auch immer auf den Kontext ankommt, ob Leute sich gestört fühlen, wenn jemand barfuß läuft. Je größer die Bedeutung von “gutem Benehmen” an einem Ort ist, desto mehr scheint es die Leute zu stören, wenn man barfuß läuft. Was ja im Umkehrschluss bedeuten würde, dass Barfußlaufen als schlechtes Benehmen wahrgenommen wird… Grübel….aber vielleicht ist es aber auch so, dass barfuß laufen nicht der Norm entspricht und was nicht normal ist, verwirrt manche Menschen, macht ihnen Angst? Was meint ihr?

    @Heinz, was für einen Grund haben sie dir den im Restaurant genannt, warum du deine Zehen bedecken sollst? Musstest du dann wirklich was anziehen, oder sogar gehen?

  21. Hi Birte,
    cooler Selbstversuch, denke da an ein Erlebnis bei mir aus dem letzten Winter zurück. Habe für einige Wochen in der Weihnachtszeit ein Gipsbein gehabt,da schauten ja auch die nackten Zehen vorne raus da ich trotz eisiger Temperaturen keinen Socken trug. Das hat einmal zu einem Polizeieinsatz geführt,da wohl besorgte Passanten dachten ich würde mir die Zehen abfrierenDas zweite unangenehme Erlebnis war in einem Restaurant, dort bestand man drauf die nackten Zehen zu bekleiden. Hast Du ähnliches erlebt ?

    Gruß Heinz.

    P.S. Mir gehts da um die Akzeptanz nackter Füße in der Gesellschaft.

  22. Hey Micha,

    danke für den Tipp, das Forum kenne ich (habe ich ja auch in meinem Artikel verlinkt).

    Habe bei meiner Recherche auch eine andere Webseite gefunden, die im Moment leider nicht online ist (http://www.gobib.de/). Dort wurde empfohlen, dass man erst ab 10 °C barfuß laufen soll/kann und es gab sogar eine extra Wettervorhersage, die angezeigt hat, ob man in den kommenden Tagen barfuß laufen kann. Da habe ich mich auch gewundert, weil es ja viele Menschen gibt die das ganze Jahr barfuß laufen. Aber vielleicht war das auch nur eine Empfehlung für Anfänger..

    @Manfred: Gehst du auch bei Schnee barfuß?

  23. Ich bin seit Jahren barfuss im Sommer in Flip-Flops und im Winter in Trekkingsandalen unterwegs. Dieses Jahr habe ich mir im Frühjahr überlegt, warum lässt du die Flip-Flops nicht einfach weg. Ich fühle mich seitdem sauwohl, mich hat noch niemand unangenehm angesprochen, und ich laufe auch heute noch bei 5° ohne Schuhe jeden Abend nach Hause und ich suche mir auch meistens einen etwas weiteren Weg, damit die Freude länger andauert. Die Sache mit den schwarzen Sohlen ist mir selbst ein Rätsel. Im Moment regnet es meistens, das Laub ist herrlich nass, also sehr barfussfreundlich und durch Pfützen gehe ich ständig. Trotzdem sind die Fusssohlen mal rabenschwarz und mal fast sauber. Natürlich werden sie jeden Abend gescheuert, aber wo die Ursache für diese Unterschiede liegen, habe ich noch nicht herausgefunden.

    Ulfert.

  24. Besser “www.hobby-barfuss-forum.de” eingeben, dann ist man direkt drin

    Manfred (Ganzjahresbarfüsser seit über vier Jahren)

  25. Hallo Birte,

    ganz sauber werden die Füße auch bei Regen nicht. Nur ist es so, dass die Füße bei Regenwetter deutlich sauberer sind als bei trockenem Wetter.
    Gewaschen werden die Füße beim nach Hause kommen jedoch auf jeden Fall. Nur der Aufwand ist bei Regenwetter eben geringer. ;o)

    Ansonsten kann man dir als Tip für den Einstieg nur sagen: Fang im Sommer an und laß die Schuhe einfach aus, auch wenn es kälter wird. Habe ich auch so gemacht und bin auch z.Zt. bei ~5°C noch Dauerbarfuß.
    PS: Diesen und andere gute Tips zum Thema Barfuß bekommt man bei http://www.hobby-barfuss.de/ speziell auch im dortigen Forum.

  26. Hallo Micha,
    den Selbstversuch habe ich Anfang November gemacht, um genau zu sein am 4. November.

    Ich weiß nicht, wieso meine Füße vom Regen nicht rein gewaschen wurden. Ich habe da ja nicht so viel Erfahrung. Vielleicht hat es nicht stark genug geregnet? Oder noch nicht lange genug? Jedenfalls gab es keine großen Pfützen, da wäre ich sonst sofort reingesprungen. In Pfützen springen fand ich nämlich als Kind schon toll.

    Werden deine Füße sonst vom Regen wieder ganz sauber?
    Als ich an dem Tag nach Hause gekommen bin, habe ich auch darüber nachgedacht, wie anstrengend das wäre seine Füße jeden abend so intensiv zu schrubben. Wie sind denn da deine Erfahrungen? Würde mich über Tipps freuen.

  27. Mich würde mal interessieren zu welchem Datum und was für Temperaturen dieser Selbstversuch stattgefunden hat?

    BTW: Bei Regenwetter sind meine Fußsohlen immer am saubersten. Wie die Autorin zu “rabenschwarzen” Füßen gekommen ist, kann ich mir als aktiver Barfüsser nicht recht erklären.

  28. Das bewusste Barfußlaufen war wirklich eine spannende Erfahrung. Ich bin auch schon im Sommer öfter barfuß gelaufen und werde bestimmt auch in Zukunft noch öfter barfuß laufen. Aber im Moment ist es wirklich etwas frisch für “ungeübte” Füße. @Andreas: Aber ich glaube gern, dass wenn man das lange genug macht einem die Kälte nichts mehr ausmacht. Gabs bei dir einen bestimmten Grund, warum du aufgehört hast Schuhe zu tragen?

    Hab gerade darüber nachgedacht, ob ich ne Zigarette mit bloßen Füßen austreten würde, wenn ich genügend Hornhaut hätte. Ich glaube, es würde mich einige Überwindung kosten, selbst wenn ich wüsste, dass es nicht weh tut.

  29. Kurz vor der Bundestagswahl habe ich einige Piratenwähler ohne Schuhe gesehen… Ich dachte mir: “wartet nur ab bis die Wahl gelaufen ist und der Winter kommt. Dann vergeht euch die Begeisterung – wahrscheinlich nicht nur für die Partei, sondern auch für’s barfüßeln.” Seitdem habe ich das Phänomen auch nicht mehr beobachtet. Aber offenbar gibt es ja doch einige die barfüßig für ihre Freiheit auf die Straße gehen.

    @Andreas ist dir schonmal jemand auf den nackten Fuß getreten… womöglich mit Stöckel- oder Wanderschuh?

  30. Ich bin auch ein paar Sommer barfuß gelaufen, allerdings nur solangen es noch warm war. Irgendwie hat mich das ungewohnte Laufen anfangs doch behindert und ich hatte richtig Probleme über Schotter oder ähnliches zu laufen.
    Wenn ich heute mit Schuhen laufe, fühle ich mich allerdings auch etwas behindert. Ich könnte doch schließlich genauso gut ein paar Siebenmeilenstiefel besitzen, die mich in Windeseile an den Ort meiner Wünsche tragen. Zum Beispiel könnte ich als allererstes und ständig die 350 km, die meine Freundin und mich von einander trennen, überwinden. Bei ihr angekommen würden die Stiefel allerdings völlig ihren Wert verlieren. Naja, ich könnte sie ja an einen verzweifelten Liebenden weiter verschenken.

  31. Hi Birte,
    ich, als jahrelanger Barfußläufer kann nur sagen, daß man sich super dran gewöhnen kann.m Auch an die vermeintliche Kälte gewöhnt man sich irgendwann. Das Barfußlaufen hat mich abgehärtet und ich bin seit dieser zeit viiiel seltener krank geworden.Das sich nach längerem Barfußlaufen eine Hornhaut bildet, kann ich nicht bestätigen. Eher bildet sich eine Lederhaut auf den Fußsohlen, welche die Füße unempfindlicher macht. Zigaretten kann man auch ohne große Übung barfuß austreten. Man muß nur schnell genug dtrauftreten.
    ich fühle mich seit dem ich barfuß laufe, viel freier uind selbstsicherer. Auch habe ich noch nie Prrobleme mit dem Rücken gehabt und meine Umwelt hat sich schon so daran gewöhnt, daß es schon sehr auffällt, wenn man mich , z.B. bei Schnee, mit Schuhe sieht….Ichj wünsche dir, daß Du die angenehmen Seiten des Barfußlaufens schätzen gelernt hast und auch weiterhin ab und zu barfuß durch die Welt läufst.

    Gruß und Fuß,

    Andreas

  32. Ich habe sogar von meinem Interviewpartner gehört, dass wenn man konsequent barfuß geht, die Fußsohle klappert wie bei echten, harten Schuhsohlen. Da kannst du über so viele Glasscherben laufen, wie du willst und Zigaretten der Reihe nach austreten ;-) . Und wärmere Füße soll man davon auch noch bekommen.

  33. Schön beschrieben. :)
    Wobei es einige Leute gibt, die wirklich regelmäßig komplett ohne Schuhe unterwegs sind.
    Und wenn du das auch lange machst, kannst du irgendwann auch die Zigarette Barfuß austreten. Hornhaut macht´s möglich. Hehe.
    Schönen Tag.