Wiener Korrespondenzen (13)

Die FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter hatte auf ihrer Facebook-Seite zunächst einen Link zu einem „spiegel.de“-Artikel, in dem der ungarische Premier Viktor Orban die Finanzindustrie für die Flüchtlinge verantwortlich macht, allem voran den Finanzinvestor George Soros, geteilt. Dieser Artikel wurde von einem User folgendermaßen kommentiert: „Die Zionistischen Geld – Juden Weltweit sind das Problem. Europa und Deutschland im speziellen bekommt nun von den Zionistischen Juden und speziell von den Reichen Zionistischen Juden in den USA die Quittung für Jahrhundertelange Judenverfolgung in Europa. Europa und im Besonderen Deutschland sollen nach dem Willen der zionistischen Juden als wirtschaftliche Konkurrenz gegenüber den USA ein für alle mal ausgeschaltet werden.“ Daraufhin antwortete Winter: „…..schön, dass Sie mir die Worte aus dem Mund nehmen ;-). Vieles darf ich nicht schreiben, daher freue ich mich um so mehr über mutige, unabhängige Menschen!“ (Die Presse, Wien)

 

Lieber Detlef,
tja, Susanne Winter. Nicht zimperlich in der Wortwahl und immer solide auf der rechten Seite stehend. Der „Einwanderungstsunami“ und der „Kinderschänder Mohammed“ sind ihre bekanntesten Aussagen. Für letztere wurde sie sogar verurteilt. Wegen der Herübwürdigung religiöser Lehren. Einen Freispruch erhielt sie im selben Prozess für den Vorschlag ein Tierbordell einzurichten. Sie sei da missverstanden worden und habe nur ihren Sohn verteidigt. Der Sohn indes hatte 2008 drei Monate bedingter Haft für einen Artikel erhalten, in dem er als „Sofortmaßnahme“ gegen vermeintliche Vergewaltigungen von Grazer Frauen und Mädchen durch Muslime gefordert hatte, „eine Schafherde im Grazer Stadtpark grasen“ lassen. Er unterstellte Muslimen sodomistische Tendenzen und wollte ihnen daher Schafe zur Verfügung stellen, um heimische Frauen zu retten. Sorry, auch ich hab’s zunächst nicht glauben können. War aber so.

Mutter Winter, eine gelernte Juristin, sorgt sich aber nicht nur um den Fortbestand ihres Abendlandes, sie hat auch ein großes Herz für Miethaie. So empörte sich 2013 über eine Website der Arbeiterkammer, auf der Mieterinnen und Mietern Hilfestellung bei überhöhtem Mietzins gegeben wird. Damit, so meinte sie, würden „Vermieter gegenüber den Mietern systematisch schlechter gestellt werden. Dadurch werden der Willkür Tür und Tor geöffnet.“ Vom Wirtschaftsminister wollte sie in einer Anfrage wissen, was dieser gegen solche Preisminderungen und für die „Stabilisierung“ des Wohnungsmarkts (also Mieterhöhungen) zu tun gedenke.

Und natürlich hat Frau Winter Angst vor der Europäischen Union. Im heurigen Frühjahr stellte sie eine parlamentarische Anfrage ob „das österreichische Bundesheer auf einen Angriff durch die EU ausreichend vorbereitet“ sei. Im Mai gab es zum Thema EU auf Winters Facebook-Seite das folgende Posting eines Winter-Adoranten: „Solche Drecksäue. Für was brauchen sie so viel Geld. Fürs nichts tun. Irgendwann werden sie das bereuen was sie dem Menschen angetan haben. Dann brauchen sie kein Geld mehr. Die Gaskammer wartet“. Das Posting blieb 36 Stunden auf Winters Seite stehen.

Nun hat Susanne Winter einfach Pech gehabt. Die FPÖ und ihr Vordenker, Herbert Kickl, wollen endlich regieren. Nicht nur in der burgendländischen und oberösterreichischen Provinz, wo das in Koalitionen mit SPÖ und ÖVP möglich ist. Sie wollen die ganze Macht im Land. Also mit Bundeskanzler Strache und der ÖVP als kleinerem Koalitionspartner in der nächsten Bundesregierung die Geschicke Österreichs bestimmen. Auf dem Weg dorthin sollte man ein bisserl Kreide fressen und nicht durch allzu plumpe antisemitische Töne auffallen. Das hat Susanne Winter übersehen. Somit ist sie nun ihr Parteibuch los.

Noch ein ganz kurzer Blick auf das, was der gemeine Teil des Volkes zum Thema denkt. Schaut man sich die Kommentare auf Susanne Winters Facebookseite an, läßt sich dieses Denken folgendermaßen verdichten: „Frau Winter ist eine österreichische Heldin, die es wagt, die Wahrheit auszusprechen““.

Auf „Winter“ folgt normalerweise Frühling. Ich hoffe weiter.

Auf bald
Michael

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