vonDetlef Berentzen 16.04.2017

Dr. Feelgood

Detlef Berentzen, Ex-tazler, Autor für Funk und Print, verbreitet hier „News“ der anderen Art. Gute zum Beispiel. Macht die Welt hör-und lesbar.

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Schon als ich Kind war, gab es ein Osterfest. Nach all dem Golgatha der Nachkriegs- und Schultage ein farbiger Moment in meinem Leben. Bereits am frühen Morgen stand damals die kleine Großmutter in der engen Küche und verkündete fröhlich: „Der Hase war da!“, war sich kurz darauf aber nicht mehr ganz so sicher: „Vielleicht ist er auch im Schornstein stecken geblieben! “ Die Oma brachte eben gern mal die Feste durcheinander. Was komplett egal war: Hauptsache Eier! Blaue, rote, grüne, gelbe. Unterm Sofa, in der Lampenschale, im Blumentopf.

Es war ein großes Suchen, ein fröhliches Finden. Und ich erinnere mich genau: immer hatte ich dabei kurze Hosen an, abgewetzte schwarze Lederhosen. In denen war ich zu Hause, in denen lebte ich, die durfte man mir nicht verbieten. Man hat mir als Kind vieles bei Höchststrafe verboten, aber nicht diese Lederhosen. Da war schon die Oma davor: „Lasst den Jungen doch!“ Nahm mich in die Arme und machte mir nach erfolgreicher Eiersuche immer ein Brot mit guter Butter und viel Senf oben drauf. Weil Senf, so hieß es damals, „dumm macht“ und zu echt harten Eiern ganz prima schmeckt. Die Oma wusste das genau. Und so war ich am Osterfest immer ganz dumm vor Glück. Heute ist das anders. Und kurze Lederhosen trage ich auch nicht mehr.

 

Illustration: Joern Schlund

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