vonDetlef Berentzen 07.07.2017

Dr. Feelgood

Detlef Berentzen, Ex-tazler, Autor für Funk und Print, verbreitet hier „News“ der anderen Art. Gute zum Beispiel. Macht die Welt hör-und lesbar.

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Joern Schlund. Soviele Aquarelle, Zeichnungen, Collagen, auch Poeme, die vom „Wolkenflug“ zum Beispiel und immer mitten rein in den Alltag, das Graue beatmen, Farben und Formen neu erfinden, sie sichtbar machen, fast täglich habe ich dich besichtigt und du mich, wir haben uns gehalten, geliebt, heftig gestritten, uns begründet, Brüder fast, sind aus den Schatten unserer Kindheit ins Licht gestürzt, in die Farben, auch ins Schreiben. Gegen Gewalt, Zwang und Autorität. L’important c’est la rose!

enfant t. hieß unsere Zeitschrift, nachts in der taz produziert, exklusiv illustriert, in der Wattstraße noch, im Morgengrauen heimwärts, glücklich, müde und unbedingt noch die Pariser Straße besichtigen, in der du als Junge gewohnt hast. Wild genug. Nach den Trümmertagen zogst du aus der Pariser aus und weiter, in die Akademien, Berlin, Düsseldorf, dann die Ateliers, Dortmund, Münster und nach diversen Versuchen diese unendliche Lovestory mit einer großen Frau und einer kleinen Tochter. Hast gefordert. Dich, andere, ein Grenzgänger warst du. Dann wieder eine Skulptur (die für den DGB-Filmpreis zum Beispiel) oder du in London beim Fried, Lippen malen, einfach dichten und alles still und Wunder. Auch bohrender Schmerz, heiße Wut, düstere Trauer…und dein blaues Lachen, das ich jetzt noch höre. Gerade jetzt. Aber nur in meinem Kopf. Immer wieder.

 

Ich vermisse dich, entwerfe neue Tage für uns, auch Nächte, träume dich, warte auf einen Anruf, auf irgendeine Mail mit einem Strich, einer Form, einer Farbe, die den Tag skizziert: „Hier haste! Neue Zeichnungen! Wenn’se dir gefallen, ruf an!“ Ich kann dich nicht anrufen. Aber dich auf meine Schreibtischkante setzen, mich in meinen Tränen zurücklehnen und fragen: „Was geht?“ Und es geht immer was: du im langen Hemd und Schaffellstiefeln, locker genug und wir plaudern ein wenig. Das hört nicht auf. Kommt immer wieder. Bist zwar neulich gestorben, aber Sonntag, am neunten Juli, übermorgen, da hast du Geburtstag, den 83. Den Tag feiern wir. Nicht ohne dich.

la vita

gelebt-geliebt-gemalt

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