The Day After

Es bleibt zu vieles unwidersprochen. Die Damen und Herren in den First-Class-Medien haben komplett ihren Job verlernt. Gestern zum Beispiel. Was sind das nur für steifgefrorene Moderatoren in den Anstalten? Unreflektiert, eindimensional, aber ne flotte Krawatte um den Hals und immer hübsch freundlich in die Kamera. Da reden sie angesichts des Zuwachses der Gauländereien doch tatsächlich vollkommen unbedarft von „Protestwählern“. Protest? Widerstand? Aber ja doch, alles legitim und mehr als notwendig. Aber seit wann wählt man aus Protest Nationalisten, Völkische und Rassisten? Was hat das, bitte schön, mit Protest zu tun? Die Wahl der angeblich hilflosen und gebeutelten „Protestler“ repräsentiert eine Haltung, die wieder mal ins Offene und sichtbar werden will: Ein demokratiefeindliches und paranoides Ressentiment, das ohne die Charta der Menschenrechte auskommt. Und sich selbst genug ist. Meine Güte! Aus Protest kann man seinen Wahlschein zerreißen und meinetwegen auch Gernot Hassknecht wählen, aber doch nicht den national und völkisch Besoffenenen den Weg in die Parlamente bereiten. Von wegen „Protestwähler“! Da hat etwas gewartet. In den Schatten. Und es war nicht Godot.

 

paranoid

Illustration: Joern Schlund

1 Kommentar

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  1. Dass viele die Rechtsradikalen wählten, aus Protest, wie die Meinungsforscher versichern: Shit happens! Aber die Demokratie ist nicht in Gefahr! Die Sozialdemokratie übernimmt die Oppositionsfunktion, Jamaika regiert.

    Und dann kommt es anders: Die CSU könnte doch auch bundesweit antreten, ein alter Traum, mit dem sich die rechtgläubigen Bavarier von der rheinischen und zuweilen preussischen CDU emanzipieren könnten. Nur fehlt ein Gesicht, mit dem ausserhalb Bayerns Prozente zu holen wären. Der Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat telefoniert mit Dresden. Nicht mit der sächsischen CDU. Mit Frauke Petry bespricht er eine Strategie, wie die vielen Prozente der konzeptionslosen AfD wieder in einem sicheren Rahmen mit Obergrenze (also natürlich ohne Obergrenze für CSU-Prozente) untergebracht werden könnten.

    Am Montag, 25. September um 09.16 Uhr erklärt Frauke Petry, dass sie der AfD-Fraktionsgemeinschaft nicht angehören wolle. Um 11.09 Uhr stellt CSU-Chef Seehofer die Fraktionsgemeinschaft zur Debatte, was um 12.25 Uhr durch Beschluss des Parteivorstands zurückgenommen wird. Petry solle nun auch die AfD verlassen fordern mehrere ihrer Funktionäre. Um 14.12 Uhr berichtet BILD, dass Markus Söder nach 10,5 Prozent-Verlust in Bayern die CSU-Machtfrage stellt.

    Also, mal über den heutigen Tag hinaus gedacht: CSU-Vorsitzender Söder und CSU-Vizevorsitzende Petry erringen bei den Neuwahlen im Februar 2018 bundesweit 21 Prozent, überholen die SPD, die dann 19 Prozent erreicht. Die CDU schafft noch 25 Prozent. Linke 11 Prozent, FDP 11 Prozent, Grüne 9 Prozent. AfD und andere: 4 Prozent. – Schwarz-Schwarz-Gelb hätte eine satte Mehrheit.

    So macht man Politik.