Geschichten von Frau K. (30)

Irgendwo in Kreuzberg. Vierter Stock. Frau K. sitzt in ihrem zerschlissenen Sessel, liest den grauen Brief noch einmal und schüttelt den klugen Kopf: „Das können die doch nicht machen!“ Sie atmet schwer. Brian, der alte Parteienforscher, steigt vom Kreuz, schlurft rüber und streicht über ihr ergrautes Haar: „Geht mir doch auch nicht anders. Aber du hast recht, für die Miete wird’s nicht mehr reichen! Und ansonsten alles Aldi.“

Frau K. denkt kurz nach, steht dann mit einem Ruck auf, setzt sich ans Klavier, spielt ein paar Takte vom blauen Mariannenplatz und grinst: „Dann müssen wir eben ein Haus besetzen. So wie damals!“ Brian hat schon den Telefonhörer in der Hand: „Ich rufe mal Zwille, Trudi und Gerd an. Denen geht’s doch auch nicht anders!“ Sie telefonieren noch die ganze Nacht. Gegen Morgen nickt Frau K. und lacht fröhlich: „Das wird schon! Aber erstmal verbrennen wir unsere Rentenbescheide! Und zwar vorm Reichstag!“

 

…geben wir die Freiheit noch nicht her…

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