…und wieder mal kein Land in Sicht!

Das schwarze Notizbuch auf dem runden Tisch, einen abgekauten Bleistift in der Hand, den schwarzen Hut im Nacken, die Lesebrille auf der Nase, so hockt er da, mit blauen Augen, grauem Bart, genau wie ich, und sein altes Jahr ist zu Ende. Alles vorbei. Gut so. Die ersten Stunden des angeblich Neuen verbringt er immer hier oben.

Meist kommt dann noch Gerd, der schwarze Tupamaro, auf einen Sprung vorbei und hat seine zynische Begeisterung für all den Punk der Zukunft im Gepäck. Heute bleibt er fort. Die vielen Treppen vielleicht. Es ist ja auch nicht jedermanns Sache, nachts allein hoch auf diesen Leuchtturm und wieder mal kein Land in Sicht. Draußen auf dem tobenden Meer nur erloschene Leuchtfeuer, Panik-Routen, die keiner kennt, hie und da ein rostiger Seelenverkäufer mit neuem Anstrich und genügend Paranoia im Sonderangebot. Nein, dieses Jahr ist ganz und gar nicht neu, genauso wenig wie die Clowns, die es dort draußen festgeredet haben.

Der Sturm heult vor den Fenstern und der Alte versucht seine Position zu bestimmen, notiert mit dem Bleistift, dass all die regierenden Leichtmatrosen und ihre völkischen Beobachter das Land vor die Wand gefahren haben und es nötig sein wird, die Republik gründlich zu renovieren. Dann summt er ein wenig, irgendwas von den toten Hosen, kippt eiskalt seinen Genever, hört sie kreischen, schaut durch all den Möwenschiet auf den wogenden Horizont, der glüht schon mächtig vor und plötzlich kommt der alte Tupamaro doch noch, streicht sich das schüttere Haar, erzählt wie alles anfing und hat auch ein paar Bulletten mitgebracht. Sie grinsen beide, kippen noch einen und ahnen, dass das Jahr der Clowns noch nicht zu Ende ist. Im Hafen um die Ecke legen derweil die ersten Piratenschiffe ab. Der schwarze Block fährt endlich zur See. Es kommt darauf an, die Perspektive zu wechseln.

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