vonDetlef Berentzen 12.05.2018

Dr. Feelgood

Detlef Berentzen, Ex-tazler, Autor für Funk und Print, verbreitet hier „News“ der anderen Art. Gute zum Beispiel. Macht die Welt hör-und lesbar.

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Meine Güte, ich habe es doch versucht, aber ich schaffe es einfach nicht, schau doch nur, da draußen auf dem Balkon, ja, da, vor dem blühenden Oleander steht mein alter Ohrensessel, mein traditionelles Rückzugsgebiet sozusagen, in dem habe ich gestern abend gesessen und heute morgen beim ersten Amselruf schon wieder, habe mit mir gerungen, schwer geatmet mitunter, kleine Schweißtropfen auf der Stirn, ich habe versucht, mir vorzustellen, dass ich’s tue, so vor dem inneren Auge, du weißt schon, es sollte endlich mal klappen, obwohl es nun wirklich nicht meins ist, aber selbst die taz macht ja schon lange mobil, gute Laune wird verbreitet, alles Europa, alles Kreisch, alles bunt, und ich alter Mann habe in diesem rosa Sessel auf dem windigen Balkon gehockt, in dem schon mein Großvater fette Zigarren rauchte, und habe mich von meinen Zweifeln prügeln lassen: wie komme ich dazu mir so ein Hohlwerk anzuschauen?, ich will doch gar nicht, mir wird immer so verdammt übel, aber der Wilhelm hat angerufen und mir noch zugeredet: Stell dich nicht so an, jedes Jahr das gleiche Theater, bist schon so alt, willste etwa in die Gruft fahren, ohne wenigstens einmal hingeschaut zu haben? Nee, will ich nicht, in die Gruft fahren, meine ich, aber ich kann mir so ein Hirsebreiformat wirklich nicht anschauen, auch wenn die Sandy Shaw dort schon mal barfuss, egal, die Popper rocken mich nicht, außerdem haben Tocotronic, die Ärzte und die Hosen abgesagt, das wird also auch in diesem Jahr nix, da  ziehe ich lieber wieder durch die Stadt, schließlich gibt es hier an jeder Ecke einen scharfen Sound zu entdecken.

 


Ohrbooten&friends

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