08.05.2012 von Detlef Berentzen

“Unablässig stürzen Informationen, Bilder und Klänge auf die Mediennutzer ein und setzen sie dauernden Schocks aus. Immer kürzer werden die Botschaften, die auf diese Weise übermittelt werden, immer fragmentarisierter die Zeiten der Wahrnehmung, und immer nachhaltiger wird ihr Vermögen zerstört, Zusammenhänge herzustellen. Dieser Entwicklung wird das Kulturradio Widerstand leisten müssen. Es muss eine perforierte Wahrnehmung aufgreifen und ihre Verletzungen durcharbeiten.” (Hans-Joachim-Lenger)
Kulturradio. Widerstand. Voilà, dann mal ran und all die “Verletzungen durcharbeiten”! Es gibt genug davon. Das hört sich grausam an, aber irgendwie auch sensibel und hat den alten Sigmund Freud auf der zukünftigen Tagesordnung – “Erinnern. Wiederholen. Durcharbeiten.” Wiederholt wird ja überall genug, das weiß auch Hans-Joachim Lenger: In Zeiten, in denen “Radio-Retter” die öffentlich-rechtliche Bühne entern müssen, ist Gefahr im Verzuge. Und dennoch braucht es mehr als die Sehnsucht nach dem alten Status Quo. Der Hamburger Philosoph postuliert in seinem Beitrag für das aktuelle Medienmagazin “Mehrspur” (SWR2)… weiter lesen
12.04.2012 von Detlef Berentzen

“Also Radio. Das war immer meins. Als Kind schon. Ein Kontakt zur weiten Welt. Das Beste: Eine leichte Grippe haben. Nicht zur Schule gehen. Im Bett bleiben. Und Schulfunk hören.Man wurde sogar klüger dabei. Aber das war nicht das Wichtigste.” (Tom Schimmeck)
Jetzt werden beim Medienmagazin “Mehrspur” (SWR2) also keine “medialen Säue” mehr durch die Dörfer gejagt, sondern Erfahrungen abgefragt. Solche, die man mit dem Radiogerät macht oder auch gemacht hat – mit irgendeinem Grundig-, Blaupunkt-, Telefunken- oder Philipsgerät, aber gern auch actualiter mit dem iPhone oder dem webradio. Kurzum: Redakteur Wolfram Wessels lässt illustre Zeitgenossen über ihre RadioDays berichten und schafft so eine neue Rubrik für sein Magazin. Diesmal Tom Schimmeck: … weiter lesen
06.03.2012 von Detlef Berentzen

“Journalisten berichteten 1968 aus Berkley vom Beginn der Studentenrevolten, Ulrike Meinhof und Luc Jochimsen kamen als Journalistinnen, probierten die neuen Formen und wurden zu Hörspielautorinnen beim SWR. Das O-Ton-Hörspiel war nur eine der unter Hermann Naber entwickelten Mischformen.”
Der kürzlich verstorbene Hermann Naber belebte in den 60er- und 70er-Jahren das Hörspiel des alten SWF, experimentierte, provozierte, war sogar ein Pionier der Hörerbeteiligung beim Kriminalhörspiel. Die neue Ausgabe von “Mehrspur”, dem äußerst reflektierten Radiomagazin von SWR2, erinnert jetzt an ihn: … weiter lesen
18.01.2012 von Detlef Berentzen

Die Qualität eines Radioprogramms wird sich in Zukunft, zumindest für ein bestimmtes Segment von Angeboten, zunehmend über die Merkmale Nischeninteressen, soziale Bindung und Selbstwirksamkeitserfahrung definieren. (Golo Föllmer)
Es hat einmal mehr Spuren hinterlassen, dieses Magazin mit Namen “Mehrspur” (SWR2). Und mal wieder Radio reflektiert. “Mehrspur” ist zwar livehaftig bereits am letzten Sonntag gelaufen, aber das hat ja im Zeitalter von Podcast und Nachhörkultur (just click the link) gar nichts mehr zu sagen. “Alles ist in Bewegung!”, verkündete Redakteur Wolfram Wessels (im Beisein seiner Kollegin Anja Brockert) im sonntäglichen Äther: “Altes bricht zusammen, vor allem aber bricht Neues auf”, was wiederum nichts Neues ist: It’s the end of the world as we know it! Und das schon lange.
Nehmen wir also Golo Föllmer. Der firmiert im Netz und an der Uni Halle als “Onlineradiomaster” und hat für Mehrspur darüber nachgedacht, welche wesentliche Frage die Altvorderen im Radio wohl als nächste zu beantworten haben: “Wie können Radio-Professionals konstruktiv damit umgehen, dass sie in Zukunft nicht mehr allein entscheiden, was die Qualität des Radios ausmacht, sondern zusammen mit ihren Hörern?”…mit denen sie soziale Netzwerke bilden und nächtens in deren Nischen kuscheln. Warum nicht? … weiter lesen
18.12.2011 von Detlef Berentzen

“Es gab ja Kollektive in allen möglichen Bereichen!” Da packte es eben auch Karl Rössler und seine Kumpanen. In Sachen Journalismus. Anfang der 80er-Jahre wurde ohnehin wieder “in die Hände gespuckt”, Unzufriedene, Zweifler und Kreative waren nach all dem 68 und 77 wieder auf der Suche nach Gegenentwürfen, Alternativen zum autoritär erstarrten Status Quo der Mehltau-Republik. … weiter lesen
05.11.2011 von Detlef Berentzen

“Wer unsere Radio-Features hört, schenkt uns 40 Minuten Lebenszeit. Und wir müssen dafür sorgen, daß er dafür etwas zurückbekommt. Und das wichtigste ist, daß der Hörer es verstehen, der Geschichte folgen kann. Erst dann kommen die ästhetischen Parameter wie szenische Umsetzung, Dramaturgie, Erzähler und Musik.” ( Liam O’Brien)
Eine der neuen “Spuren” führt zum “Prix Europa”. Die seit 25 Jahren existierende Leistungsschau der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehredaktionen fand in Berlin (s. Foto) und in der letzten Woche statt. … weiter lesen
08.10.2011 von Detlef Berentzen

„Große Treffen, aufregende Veranstaltungen, Radiomachen als Teil des Lehrplans, all das ist möglich. Aber es kann nur dann erfolgreich sein, wenn es auch wirklich inspirierend ist. Wir brauchen eine neue Radiophilosophie. Ich habe nicht die Absicht, Radio nur um seiner selbst willen, isoliert von den anderen Medien, zu propagieren. Das ist wirklich überholt.“ (Josephine Bosma)
Eindeutig “Mehrspur”. Und auf der Überholspur. Das sonntägliche, leider nur monatlich ausgestrahlte SWR2-Medienmagazin antizipiert wieder mal neue Formen des Radiomachens. Redakteur Wolfram Wessels hat den Medientheoretiker Geert Lovink aus Amsterdam eine radiophone Zukunft entwerfen lassen, in der nicht nur jeder ein Künstler, sondern irgendwie auch ein Autor ist: per Smartphone und Skype enstehen Radionetze, in denen HörerInnen eigene Programmbeiträge liefern, die live importiert zu Elementen globaler Radioparties (s. Foto) werden – alles kollektiv und interaktiv. … weiter lesen
03.07.2011 von Detlef Berentzen

“Dennoch ist und bleibt das Radio ein relevantes journalistisches Informationsmedium, das sich trotz verschärfter Medienkonkurrenz weiterhin behaupten wird – durch kluge Reportagen, spannende Features, anregende Hörspiele, also all diejenigen Erzählformen, die das viel zitierte „Kino im Kopf“ hör- und erlebbar machen. Nur eines wird das Radio nie wieder sein können: ein primäres Nachrichten- und Live-Medium.” (Stephan Weichert)
“Rainy Day. Dream away. Let the sun take a holiday.”… Die Radioguys der öffentlich Verrechteten sollten vielleicht öfter mal von Jimi Hendrix & Co. erzählen, seine Songs spielen, ganz egal, was die computergestützte Musikauswahl sonst gerade vorsieht, egal auch, ob die “Silbermondgeneration” mit einem “Eelctric Ladyland” nichts anfangen kann, weil sie sich gerade in den Songs der Bleichgesichter als Prekariat feiert - Campact!, brothers and sisters!
“Rainy Day, the world rains away”, …den Text schrieb Hendrix in Miami, “in the back of the car”, es läutete Sturm vom Himmel und “Hey Joe”… weiter lesen
01.05.2011 von Detlef Berentzen

“Das im Radio gesprochene Wort hat größere Chancen, in Erinnerung zu bleiben, als der mit Bildern unterlegte Text im Fernsehen. Und dies trotz der Faszinationskraft des Visuellen.”(Hans-Jürgen Heinrichs)
Was für ein erster Maientag! Eine gelbe Sonne leuchtet unverschämt vom blauen Himmel, schwarz gekleidete junge Menschen tragen mit grimmigen Mienen den Kapitalismus zu Grabe und im Handy oder Player wieder kein revolutionäres HörProgramm! Das muss nicht so sein, behaupten die Mehrspurigen vom SWR2,…und das ist auch nicht so. Man muss nur genau hinhören. Heute abend zum Beispiel. Da berichtet das ziemlich postmoderne Hörfunkmagazin “Mehrspur” über das “Mobile Interface Radio”, über “Radio apore” und mp3-gesteuerte “Memory Loops”, die sogar schon den Hörspielpreis ergattert haben.
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02.04.2011 von Detlef Berentzen

“Das Publikum kann sich beim Radio voll auf das konzentrieren, was gesprochen wird; es ist nicht vom Bild – wie beim Fernsehen – oder von den Multitasking-Ansprüchen des Internet abgelenkt. Und so führt die Beschränkung, der das Radio unterliegt, auch zu einer Entlastung. Allein deshalb hat es eine Lobrede verdient.” (Wolfgang Ulrich)
Erst lobt er seine frühen RadioDays, dann startet er den Abgesang auf den Nostalgieclub vergreister Radiohörer, dann aber wühlt er sich wieder aus all dem Elend empor, salbt uns mit Hoffnung: “Oder hat das Radio doch noch eine Chance?” und hudelt mächtig Lob, weil es für ihn doch noch eine hörbare Perspektive gibt. Medienwissenschaftler Wolfgang Ulrich will das Radio erneut zum Wort führen, zum streitbaren Wort, zum korrespondierenden Wort, auch zum sportlichen Wort, weil er schon als junger Mensch keine ARD-Bundesligakonferenz versäumt hat.Das Radio soll vermehrt Live-Anlässe inszenieren, nutzen, um die Welt zu beworten. Voilà! … weiter lesen