“Thomas Weibel ist Journalist und Hochschullehrer, Blogger und Bassist.” Das hört man gerne, daß auch mal ein Bassist Kritik üben und Perspektiven malen darf, die des Kulturradios nämlich, um das es dem “Mehrspur”-Team um Wolfram Wessels (SWR2) nach wie vor und dringlich in seinem monatlichen Magazin geht. Längst kümmern sich die Badener-Badener nicht mehr nur um die audible Zukunft des deutschen Michels und seiner Michelin, sondern um das ganze Große, um das radiophone Europa. Wie steht es also um die kulturellen Frequenzen anderer Länder? Gibt’s da was zu lernen? Von jenem Thomas Weibel zum Beispiel, der neulich noch Programmentwickler beim Schweizer Rundfunk (DRS2) war? Und für “Mehrspur” zunächst den eidgenössischen Status Quo erläutert: … weiter lesen
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Karl Jaspers. Ein Norddeutscher, nicht zu überhören! Ein Absolvent des Oldenburger „Alten Gymnasiums“, das noch heute stolz auf ihn ist. 1883, vor 130 Jahren also, an den Ufern des niedersächsischen Flüsschens Hunte geboren, ein Sohn aus gutem Hause – Bankiersfamilie! Und immer ein bißchen sssteif und ssstur. Im Gepäck eine Lungenkrankheit, die ihn Zeit seines Lebens behindern wird. Studierte am Neckar zunächst Jurisprudenz. Machte sich als liberaler Bürgerssohn über all die Kaisertreuen und deren schlagende Verbindungen lustig, die für ihn, erinnert er sich später, in ihrem uniformen „Wichs“ wie „Narren“ aussahen. Blieb auch erst einmal nicht lange in Heidelberg, zog weiter nach München, gab das Jurastudium auf, reiste bald darauf nach Berlin, studierte inzwischen Medizin, danach Göttingen und dann doch wieder Heidelberg. Jahrzehntelang Heidelberg,….dessen Charme schon der von Jaspers bewunderte Hölderlin intonierte: “Hölderlins ‘Heidelberg’ hat die wundersamste Deutung gegeben. Welche Stadt besitzt solch ein Lied? Ihr Adel weist durch… weiter lesen
Wenn wir unser Selbstvertrauen wieder gewinnen, können wir eine ganze Menge tun. Wir müssen den Hörern vertrauen. (Marie Wennersten)
Radio ist mehr als eine Summe von podcasts, die irgendwo im Netz zwecks Download Schlange stehen, allzeit bereit für den nächsten Global Player als atomisierte Möglichkeiten für das Mittelohr all der Suchenden, die wie Wasser, von Klippe zu Klippe geworfen, sich blindlings von einer postmodernen Stunde zur anderen hören, womit wir schon bei Hölderlin wären, da lande ich immer, wenn mir all das Lobgehudel auf Webradio und Zukunft zu viel wird.
Radio will gemacht werden, geplant, entworfen, skizziert, phantasiert, inszeniert werden, es braucht die Sprache, den Klang, den Atem seiner MacherInnen, der es immer wieder neu belebt, in leuchtende Zusammenhänge setzt und vor dem schlimmsten Zeitgeist bewahrt. All die Debatten um derlei Belebungen geschehen viel zu oft Backstage und da ist es gut, daß es hie und da noch Sendungen gibt, die das Radio an und für sich reflektieren, nachfragen, was Radio einmal war, was aus ihm wird, was werden könnte und ob es nicht ein wenig zu schnell gedacht ist, wenn all die irrlichternden Beschleunigungen nun auch noch festgefügtes Programm und eherne Struktur werden sollen. Prima also, daß es so mutige kleine Lowest-Budget-Magazine wie “Mehrspur” (SWR2) gibt, die dem Kulturradio heimleuchten. Zumindest versuchen das Redakteur Wolfram Wessels und sein Team (s. Foto) Monat für Monat, satte (!) 30 Minuten lang – mehr gibt’s nicht, das muß reichen. … weiter lesen

“Alle Lust will Ewigkeit!”..Solche Sätze wie der von Nietzsche wollen entdeckt werden. Philosophie ist nicht nur eine Sache von schlecht beleuchteten Seminaren, man muss ihrem Sinn nachspüren, ihre Wahrheit nachempfinden, wohlmöglich mit ihr unterwegs sein – auch im ganz realen Sinne. Wie sagte es Thomas Bernhard noch: “Wir müssen gehen, um denken zu können!” … weiter lesen
Die große Lüge unserer Zeit besteht aus zwei Sätzen. Der erste: Du bist ein einzigartiges Individuum, der zweite: Sei genau so wie alle anderen auch. Dem Individuum zu helfen, wirklich einzigartig zu sein und das in aller Bescheidenheit, das ist die Aufgabe von Kulturradio. (Jutta Brückner)
Jetzt aber dalli! Die Preisverleihung ist schon übermorgen. Und Wolfram Wessels hat heute schon mit dem Juryvorsitzenden Christoph Buggert über den Preisträger gesprochen. stellt ihn im Mehrspur-Podcast von SWR2 vor. Was er eigentlich gar nicht zu tun braucht. Wer liest und hört, der kennt ihn auch: Jürgen Becker. Und jetzt der Preis für das Lebenswerk! Den verleihen sie immer wieder gerne und man kann ihn diesmal auch annehmen, immerhin trägt er den Namen des Lyrikers und Hörspielautoren Günter Eich und der kannte sich aus, auch in Berlin: “Bundeseck? /Dazu kann ich nicht viel beitragen/war bloß einmal da, fand das Bier/schlecht, die Buletten dito.” Becker könnte ihn mit seinen ‘Journalsätzen” trösten: “Mittags Apfelpfannekuchen!” oder mit Buchtiteln wie “Im Radio das Meer!” Einfach mal zuhören. Wie gesagt, im reflektierten Radio gibt es die nötigen Sätze… … weiter lesen
Das Persönliche ist eine Haltung. Und die mag ich eben auch als Zuhörer. (Helmut Kopetzky)
Es ist vielleicht schon ein bißchen spät für einen Hinweis auf das “Mehrspur”-Magazin (SWR2) vom Dezember letzten Jahres, aber was und wen Redakteur Wolfram Wessels da in seinen Gesprächen präsentiert hat, bleibt hoch, interessant und ist ja schließlich noch qua podcast zu hören: Zum Beispiel Helmut Kopetzky, der alte Featurekönig, mit Ein- und Rückblicken auf Formen und Inhalte – eine Audienz, die man und frau nicht versäumen sollten. Dann Johannes Weiß, Wellenchef von SWR2, über das ‘Kulturradio der Zukunft”:
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Demokratische Neuanfänge sind seit jeher dort zu finden, wo Bewegungen, wo Initiativen Zukunft und Perspektive suchen – die „Democratic Tribes“ der außerparlamentarischen Opposition setzen Zeichen. Immer wieder. Virtuell und praktisch. Zeichen, die eine neue Politik fordern. Eine Politik vielleicht, wie sie im grün-roten Baden-Württemberg von der “Staatsrätin für Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft”, Gisela Erler, im Jahre 2011angekündigt wurde: Bürgertische, Bürgerstiftungen, Bürgerbeteiligung. Dem demokratiemüden Klüngel ein Ende setzen. Stattdessen Transparenz und kompetente Mitbestimmung, Anhörungen, Diskurse real und virtuell installieren.
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Peace on earth! Consumers run wild! Jede Menge Dinge werden als Tröstung, als existentielle Prothese oder auch als Statussymbole gekauft: „Ich bin mein Smartphone. Und morgen schon wieder neu!“ Spiritualität und Gemeinschaft sind in der Postmoderne längst aus dem Blickfeld geraten, stattdessen avanciert der Konsumismus zur Ersatz-Religion, die Shopping-Mall zur Kathedrale und die Apple-Lounge zum Tempel, in dem die Gläubigen die Inhalte ihrer Geldbörsen opfern, um ihrer elektronischen Gottheit zu huldigen. … weiter lesen
Mir wird dies seit meiner Jugend zuteil: eine Stimme, die zu mir spricht, die mir, sooft sie spricht, stets von dem abrät, was ich gerade zu tun beabsichtige und die sich niemals zuratend vernehmen lässt. Diese Stimme ist’s, die mich davon abhält Politik zu treiben – und mit gutem Grund hält sie mich davon ab. (Sokrates)
Sie hören Stimmen. Immer wieder. Tag und Nacht. Halluzinieren körperlose mal laute, mal leise oder auch flüsternde Stimmen im Kopf, die ganz real zu ihnen sprechen – ein unheimliches Phänomen, mit dem viele Betroffene und auch ihre Umgebung oft nicht fertig werden. Erst recht nicht, wenn die halluzinierten Stimmen ihre Hörer zu Opfern machen, sie ängstigen und quälen, dominant werden. … weiter lesen
Man sollte endlich mal von dem deutsch-innerlichen Größenwahn weggehen und zur Kenntnis nehmen, daß es kein Zufall war, wenn Hesse in Japan und den Vereinigten Staaten durch eine junge Generation so entdeckt wurde, daß „The Steppenwolf“ einfach nicht übersetzt wird – es gibt ja sogar eine Band: eine „Steppenwolf“-Band -, daß wirkliche Elemente des realen Hermann Hesse zu dieser großen Wirkung geführt haben, die ja mit der Wirkung keines anderen deutschen Schriftstellers zu vergleichen ist. (Hans Mayer)
Yeah! Das hat richtig Spaß gemacht mit den SchülerInnen (auch LehrerInnen) vom Hermann-Hesse-Gymnasium im schwarzwäldischen Calw. Die jungen Damen und Herren hatten zunächst gar nicht so viel am Hut mit dem alten Rosenzüchter aus Montagnola. Und waren schließlich doch mächtig interessiert, was vom quälenden Rad des Meisters noch aktuell war. … weiter lesen








