21.02.2012
Kultur & Unterhaltung
Wenn Disskussionen heiß laufen, kommt meist jemand leicht genervt dazu und sagt: “Hier ist schon alles gesagt worden, aber eben noch nicht von allen.” In der aktuellen Debatte um Gauck ist es genau umgekehrt: Es ist schon von allen gesagt worden, aber eben noch nicht alles. Dem Möbchen, das sich einen daran abtwittert, Joachim Gauck mit Zitatfetzen als herzlos, faschistisch, antisemitisch, neoliberal, revisionistisch oder gar Stasi-Spitzel zu entlarven (keine Links dazu – don’t link the trolls), wurde zwar vielfach anhand des jeweiligen Zitatkontextes nachgewiesen, dass das so nicht stimmt (am bislang besten von Patrick Breitenbach), doch an den meisten prallen alle Appelle an wenigstens halbrationales Argumentieren und mehr oder weniger ordnungsgemäßes Zitieren (am bislang besten von Sascha Lobo) ab: #notmypresident, basta (am bislang unappetitlichsten und bedauerlichsten, weil in einem von mir sehr geschätzten Qualitätsmedium, bei Deniz Yücel).
Ich wollte es… weiter lesen
14.02.2012
Medien
Bisher war es für taz-AbonnentInnen relativ umständlich, ihr digitales Abo auch auf iPhones und iPads zu nutzen. Die für den Einzelverkauf konzipierte taz-App war dafür nicht geeignet. Seit gestern aber gibt es für die knapp 3.500 BezieherInnen des digitalen taz-Abos eine sehr komfortable Lösung: die speziell für diese Geräte entwickelte taz als “iPaper”. Nach Eingabe der Abo-ID und des Passworts auf taz.de/ipaper wird die aktuelle Ausgabe automatisch heruntergeladen. Die Anzeige und Archivierung der digitalen taz erfolgt über die (kostenlose) App “iBooks”.
Wie die anderen digitalen Formate der taz enthält auch das taz-iPaper sämtliche Regionalausgaben, am Wochenende die sonn-taz und einmal im Monat “Le Monde Diplomatique”. Technisch ist das iPaper eine “EPUB”-Datei, die speziell für die Anzeige auf iPads und iPhones modifiziert wurde. Sie enthält Faksimiles sämtlicher Druckseiten, die wie in einem Buch geblättert werden können. Die einfache Berührung eines Beitrags öffnet dann die Textversion des Artikels,… weiter lesen
21.02.2012
Kultur & Unterhaltung
“Als Pfarrer mit Reiseprivilegien begann Gauck ziemlich genau zu dem Moment lautstark gegen die DDR zu protestieren, als dies nichts mehr kostete, um sich hernach mit umso größerem denunziatorischen Eifer an die Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu machen. (…) Freilich hat sich Gauck nicht erst nach seiner gescheiterten ersten Kandidatur ideologisch zwischen Martin Walser, Erika Steinbach und Stefan Effenberg verortet. Ein reaktionärer Stinkstiefel war er schon vorher.
So mag der künftige Bundespräsident keine Stadtviertel mit “allzu vielen Zugewanderten und allzu wenigen Altdeutschen”, will das “normale Gefühl” des Stolzes aufs deutsche Vaterland “nicht den Bekloppten” überlassen, missbilligt es, “wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird”, besteht darauf, dass der Kommunismus “mit ausdrücklichem Bezug auf die DDR als ebenso totalitär eingestuft werden muss wie der Nationalsozialismus”, trägt es den SED-Kommunisten nach, das “Unrecht” der Vertreibung “zementiert” zu haben, indem “sie die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten”, und fragt – nicht ohne die Antwort zu kennen –, “ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen”.
Einem Apparatschik wie Wulff hätte man es hundertmal um die Ohren gehauen, Leichenberge mit Aktenbergen zu verwechseln oder alleinerziehenden Stützeempfängerinnen mangelnden Schwung vorzuhalten.
(…)
Deswegen merkt auch kaum jemand, wie viel antidemokratisches Ressentiment im Gerede vom “Konsenskandidaten” steckt, das Gauck ins Amt tragen wird; wie viel von der autoritären Sehnsucht wenn nicht nach dem Führer, so doch wenigstens nach dem Kaiser, der mit sonorer Stimme und nachdenklicher Miene vermeintlich tabubrecherische, in Wahrheit aber gefällige Ansichten zum Besten gibt.
(…)
Schade ist nur, dass er nicht gleich am Donnerstag auf der Gedenkfeier für die Opfer der Nazimorde anstelle von Wulff in die Bütt gehen wird. Andererseits: Der nächste Dönermord oder eine andere Gelegenheit, um Ausländern die Meinung zu geigen, Verständnis für die Überfremdungsängste seiner Landsleute zu zeigen, die Juden in die Schranken zu weisen und klarzustellen, dass Nationalsozialisten auch nur Sozialisten sind, findet sich ganz bestimmt.”
(Deniz Yücel wettert in der TAZ mit verlässlichem Furor gegen den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck)
Edit: Hier übrigens eine ausführliche Analyse der oben genannten Zitate, die inhaltlich vielleicht erwähnt werden sollte.
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14.02.2012
Kultur & Unterhaltung
* * *
Der Bär flattert in westlicher Richtung.
* * *
Zwar ist während der Eiszeit bei uns kein Rohr gebrochen, aber fast! Am 6. Februar streikte die Geschirrspülmaschine, der Abwasserschlauch aus Plastik , der in der Dachschräge hinter der Spüle liegt, war (und ist noch immer) eingefroren. Er wird demnächst mit dem Föhn aufgetaut.
Um das Dachstudio auf Arbeitstemperatur zu bringen, an meinem (BK) Schreibtisch waren es 13 ° C, mussten wir die Palette mit ›Pini & Kay‹-Holzbriketts im Keller dramatisch vermindern. Der Künstler Thomas Hornemann kam zu Besuch, um uns das Original einer Titelillustration für die nächste Folge von ›Schröder erzählt‹ zu bringen. Als er sich mit einem Glas Wein vor den Kamin setzte, rief er: »Schöne Installation!«

Das Kamin-Kunstwerk hat bis heute rapide abgenommen, und die achttägige ›Gemütlichkeit‹ am Kamin ist hoffentlich für eine Weile suspendiert.

(BK / JS)
20.02.2012
Aus aller Welt
Es mehren sich die Mutmaßungen und Gerüchte über Kongos Präsident Joseph Kabila, der seit seiner höchst umstrittenen Wiedereinführung ins Amt des Präsidenten am 20. Dezember 2011 nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Diverse Gerüchte zirkulierten in jüngster Zeit: Er sei auf einer Farm in Katanga; er sei in Behandlung im Ausland. Fest steht, daß er sich immer wieder in der Öffentlichkeit vertreten läßt, zum Beispiel bei der jüngst erfolgten Offenlegung seiner persönlichen Besitztümer, wie es für gewählte Amtsträger im Kongo Pflicht ist; dies unternahm ein Parteifreund an seiner Stelle.
Jetzt meldet der gewöhnlich bestens informierte Nachrichtenbrief “Africa Intelligence”, Kabila sei tatsächlich krank. Hier der Wortlaut:
“Nach Informationen aus dem engsten Kreis des Präsidenten war der Staatschef Mitte Januar Opfer eines leichten Gehirnschlags. Er sei in Katanga von südafrikanischen Teams behandelt und dann zur Genesung nach Kinshasa zurückgebracht worden. Dies würde seine Abwesenheit bei Anlässen in den letzten Wochen erklären,… weiter lesen
18.02.2012
Kultur & Unterhaltung

“Mach deiner Angst angst! – Make your fear fear you!“…als ich letztens die Donaustraße in Berlin-Neukölln entlang lief entdeckte ich lauter Zettel, die mehrsprachig einen offensiven Umgang mit der Angst fordern. Unterzeichnet waren sie alle mit “Choose!“. Ästhetisch-künstlerisch hatten die Zettel nicht so viel zu bieten…dafür aber einen Anstoß zum Nachdenken.

Schwedisch? “Make your fear fear you!”

Welche Sprache das wohl ist??? “Give fear no chance!”

“Who would you be without fear?” Dänisch???

Hmm, ähnelt einem der anderen Zettel…weiß dennoch nicht wleche Sprache das ist. Auf Englisch heißt’s “Make your fear fear you!”

Und auf Spanisch: “Haz que el miedo se asuste de tì“ – “Make fear fear you!”