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12.03.2010

Leichenhaus Talentschuppen

von Detlef Kuhlbrodt

Nun ist es zwar wärmer, aber dafür ist der Himmel nicht mehr so blau.

Flippern geh ich auch nicht mehr so oft.

21.02.2010

NB

von Detlef Kuhlbrodt

Foyer, Delphi

Das vollbesetzte Delphi guckt sich gleich Tatjana Turanskyjs schönen Film “Eine flexible Frau” an

Von seiten der Berlinale gab es nur Erfolgsmeldungen: neuer Zuschauerrekrod mit über 300.000 verkauften Karten an „normale“ Filmfreunde usw., erfolgreicher European Film Market, 2000 hätten sich Metropolis am Brandenbruger Tor angeguckt (was ich eher wenig fand) usw.

Dann wieder, wie jedes Jahr, so ein bestimmtes Rumgemäkel von Kollegen wie grad im „Tagesspiegel“: dass zu Beginn der Ära Dieter Kosslick die Berlinale Cannes ebenbürtig gewesen wäre, mittlerweile aber zu viele belanglose Filme laufen würden, dass die „prominentesten Regisseure des Weltkinos“ ihre Filme also lieber in Cannes, Venedig oder einer anderen Mittelstadt zeigen würden, dass der Wettbewerb der Berlinal für Einkäufer nur beschränkt attraktiv sei. Außerdem mache inzwischen auch das Glamourfestiveal der Zweieinhalbmillionenstadt Toronto als Publikumsfestival Konkurrenz.

Das mag vielleicht so sein, aber ich versteh es trotzdem nicht; ich war noch nie in Cannes, Venedig usw. und stelle es mir eher nicht so toll vor, mir meinetwegen auch um sagen wir mal 8% „bessere“ Filme, im Kreis von 10.000 akkreditierten professionellen Filmguckern anzugucken. Notgedrungen gucke ich mir in Berlin zwar auch viele Filme in Pressevorführungen an, unter Kollegen oft, die noch beim Vorspann telefonieren oder auf ihren Laptops im Kino rumschreiben, aber das nervt oft schon; viel besser sind die Forumsvorführungen meinetwegen im Delphi oder im Arsenal, wo das normale Publikum überwiegt, die Filme in ihrem Neben- und Gegeneinander einen kollektiven Kommunikationsraum aufmachen und so.

Ich hab also, wie so oft, den Eindruck, dass viele Kollegen Filme irgendwie losgelöst von ihrer Vorführung und dem Publikum betrachten; pflichtschuldig zwar erwähnen, dass die Berlinale das Festival mit dem größten Publikumszuspruch ist, aber möglicherweise vielleicht zu weit entfernt vom Publikum ihre Filme gucken. Also ignorieren, dass Filme tatsächlich „besser“ werden, die in ihnen ja schon drin steckenden Möglichkeiten entfalten, wenn sie vor einem großen, enthusiastischen Publikum aufgeführt werden und dass das vor allem auch den Reiz der Berlinale ausmacht.

Andererseits hatten mich die Wettbewerbsfilme – bis auf “Caterpillar” – aber auch nicht wirklich umgehauen, auch wenn ich die sieben, die ich gesehen hatte, alle auf ihre Weise interessant gefunden hatte und den Goldenen-Bären-Gewinner “Bal” von Semih Kaplanoglu sehr gern geschaut habe. Aber man sollte immer dran denken, dass im prominentesten Teil der Filmfestspiele weniger als 10% der auf der Berlinale gezeigten Filme laufen. Egal. Nächstes Jahr wird‘s bestimmt noch besser.

20.02.2010

Mammuth

von Detlef Kuhlbrodt

Der im Wettbewerb laufende Film „Mammuth“, von Benoit Delépine und Gustave de Kervern (zuletzt mit „Louise hired a contrct killer“ erfolgreich) hatte mir sehr gut gefallen! Die Produktionsfirma hieß „no money production“.

Gérard Depardieu spielt Serge Pilardosse, einen Mitarbeiter in einer Schweinefleischfabrik, der gerade in Rente gegangen ist. Zum Abschied bekommt er ein Puzzle aus 2000 Teilen geschenkt. Er hat sehr lange Haare und ist ganz schön dick. Für die Rente ist er gänzlich ungeeignet und weiss nicht, was er tun soll. Sinnlos tigert er durch die Wohnung. Alltagsdinge, um die er sich bislang nicht kümmern musste, fallen ihm schwer. Den Einkaufswagen, in den man einen Euro zur Lösung stecken muss, reisst er aus der Halterung; beim Versuch, ein Türschloss zu reparieren, schließt er sich im Klo ein; später, in einer der lustigsten Szenen auf der diesjährigen Berlinale, versucht er den Einkaufswagen zwischen parkende Autos zu schieben. Die Lücke ist zu klein; es kratzt und schabt ganz wunderbar.

Nur kleine Teile des Arbeitslebens des stoischen Helden sind auch behördlich registriert. Deshalb wird er keine richtige Rente bekommen, sagt man ihm an der Pensionskasse.

Seine Frau, eine Supermarktkassiererin, priam mürrisch gespielt von Yolande Moreau, bringt ihn also dazu, mit seinem alten Motorrad, aus den frühen 70ern, das „Mammuth“ heisst, seine alten Arbeitsstätten abzuklappern, um sich die arbeitsdokumentierenden Papiere zu holen. Friedhöfe, Sicherheitsfirmen, Jahrmärkte; ein Ex-Chef ist im Altersheim. Ein junges Mädchen raubt ihn aus auf dieser Reise.

Irgendwann trifft er auf Jahrzehnte nicht gesehene Verwandtschaft; den Cousin, mit dem er vor 45 Jahren zusammen auf dem Bett gelegen hatte; gegenseitig hatten sie sich einen runtergeholt und versuchen die schöne Jugenderinnerung noch einmal zu wiederholen. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die von einer schrecklichen Geschichte, einem Motorradunfall, bei der seine erste Freundin (Isabelle Adjani) zu Tode kam, überschattet wurde. Immer wieder taucht sie in Flashbacks auf.

Seine Cousine, eine naive, arbeitslose Künstlerin, die auch in ihrem echten Künstlerleben als „Miss Ming“ bekannt ist), hilft dem Helden wieder zu sich zu kommen. Sie bringt ihm bei, nichts zu tun. Sie baut auch ein schönes Kunstwerk, das Pilardosse darstellt. Sie liegen auf dem Rücken, rauchen einen Joint und schaun den Wolken zu. Die heilenden Utopien sind hippiehaft: öffne dich!

In einer ziemlich tollen Szene gerät der Held plötzlich zwischen Urlaubs-Rentner, die in einen Reisebus strömen. Verzweifelt wehrt er sich dagegen, mit in diesen Bus gespült zu werden und ruft immer wieder verzweifelt „Ich gehöre nicht zu euch“.

Am Ende verkauft Pilardosse sein wertvolles Mammuth-Motorrad und fährt, in einem afrikanischen Bubu mit einer Mofa wieder heim.  Das Wiedersehen mit seiner Frau ist sehr zärtlich und schön inszeniert.

„Mammuth“ ist ein Roadmovie, das in seinen wackligen, grobkörnig oft verschneiten, sozusagen Anti-HD-Bildern (manche Szenen sehen aus, als wären sie auf Super-8 gedreht, in echt hatten die Regisseure eine klein dvd-Kamera benutzt) in unkonventionellen, intuitiven Schnitten, auf eine ernsthaft sympathische Weise hippiehaft wirkt. (Bißchen, als wäre der Film mit ganz wenig Geld und sehr schnell 1972 gedreht worden.)

Depardieu spielt mit ganzem Körpereinsatz und ist großartig!

Der Film ist seinem im Oktober 2008 verstorbenen Sohn Guillaume gewidmet und nimmt Motive aus dessen Leben auf, wie den furchtbaren Motorradunfall.

Es war seltsam, dann in der Pressekonferenz zu sein. Normalerweise geh ich zu solchen Sachen ja nicht hin, Gérard Depardieu wollte ich aber schon unbedingt mal in echt sehen; schließlich ist er seit vielen Jahren mein Lieblingsschauspieler. Ich hatte sogar kurz überlegt, ihn vielleicht um eine Autogramm zu bitten. Ein bißchen war ich aber doch enttäuscht, dass er nicht mehr so aussah, wie in dem Film, zum Beispiel auch ganz andere Kleider trug.

Wie kleine Kinder riefen die Fotografen immer wieder „Gérard, Gérard, Gérard, Gérard!“ Leider hat Depardieu gar nicht mehr so lange Haare wie in dem Film. Ein russischer Kollege wollte wissen, ob es etwas mirt Transgender zu tun habe, dass der berühmte Schauspieler in dem Film so oft Frauenkleider trage. Der antwortete, dass es sich doch um einen afrikanischen Bubu gehandelt habe, dass er ansonsten in seiner Karriere aber doch immer gerne Frauen gespielt habe. Die beiden Regisseure und Depardieu scherzten gutgelaunt, gebildet und viel auf dem Podium. Wie schade, dass der Akku meiner Kamera schon alle war! Depardieu sagte, dies sei die Rolle gewesen, mit de er sich bislang am meisten in seiner Karriere hatte identifizieren können und erwähnte noch einmal diese Rentnerbus-Szene: „das ist Angst“. Miss Ming rezitierte auf deutsch kurze filmbezügliche Gedichte, die kaum jemand verstand. Nur eins meinte ich, verstanden zu haben: „Der Film ist so klar/ wie der Mond in einer Postkutsche“.

Am Ende der Pressekonferenz verlas einer der Regisseure eine Grußadresse von Roman Polanski, der „Mammuth“ „géniale“ gefunden hatte.

Eine schöne französische Kollegin, die am Abend wieder zurück nach Paris fliegen würde und mich an meine agentinische Ex-Freundin erinnerte, lächelte mir beim Rausgehen zu, woghl wiel ich sie so versonnen angeschaut hatte. Sie sagte „it‘s good to end the festival with such a film“. Ich sagte „yes“ und lächelte zurück. Und als sie dann schon an mir vorbei gegangen war: „Have a good flight“ und „bye“.

PS: Ohje, oweh – Gérard Depardieu hatte vorgestern im “Sale e Tabacchi”, das ja im taz-Gebäude liegt, gegessen. (Der Besuch ist hier fotografiert) Und ich war nicht dabei! So ein Ärger!

19.02.2010

Gegen Ende

von Detlef Kuhlbrodt

Dann war es soviel Uhr. Ich war auf dem Weg zur Forumsparty in der Volksbühne.

Schön, dass Daniel Johnston demnächst mal wieder hier spielen wird.

Die Party war schön. Die Biere durfte man nicht mit rausnehmen, wenn man vor der Volksbühne rauchen wollte.

Auch auf den Toiletten war das Rauchen verboten, denn …

Inspiriert sozusagen von einem Satz, den ich über einen japanischen Film geschrieben hatte, hat der Blumenfotografierkünster Wolf Klein einen kleinen Film gedreht, der hier zu sehen ist.

18.02.2010

Der eine Film …

von Detlef Kuhlbrodt

Abpann von “Jud Süß – Film ohne Gewissen” von Oskar Roehler

… beeinflusst den anderen und manchmal ergibt sich irgendwie ein Gespräch, eine Frau aus der Schweiz telefonierte neben mir in der U-Bahn, sie sagte, es sei wichtig möglichst viele Film zu sehen. Es ist  nicht schlimm, wenn nicht jeder Film, den man sieht ein Meisterwerk ist. Auch mittelmäßige Filme helfen weiter. Ich erinnere mich manchaml mit Freuden an irgendwelche indischen Low-Budget-Filme in seltsamen Erzählweisen, die ich auch nicht ganz verstand, die aber trotzdem als schönes Erlebnis in meinem Kopf drin sind. Damals Panorama am Walter Schreiber Platz oder so ein amerikanischer Film, wo ich die Sprache nur notdürftig verstanden hatte, weil mein Englisch damals noch nicht so gut war – alles super gute Erinnerungen.

Die legendären Aki-Kaurismäki-Auftritte in verschiedenen Kinos, das Jahr, in dem Wong Kar-Wai so groß rauskam („Fallen Angels“, der auch zu meinen schönsten Berlinale-Vorführungen zählte, wird ja noch mal in der Best-of-Berlinale-Reihe gezeigt), die osteuropäische Heldenregisseure zu denen dann auch Sarunas Bartas zählte, dessen „Eastern Drift“ leider doch ein paar Schwächen hatte, Arthur Aristakisjan, Bela Tarr, Sabu, Sogo Ishii, Tsui Hark, Johann van der Keuken, Achternbusch, Lothar Lambert, Claude Lanzmann, Eric Rohmer usw. usf. – ich hatte soviele supertolle Filme auf den wohl so 20 Berlinalen gesehen, auf denen ich seit 1984 gewesen war.

17.02.2010

Kein Popcorn

von Detlef Kuhlbrodt

Ich war doch recht zufrieden mit den Filmen, die ich bislang gesehen und den Texten, die ich dies Jahr auf der Berlinale geschrieben hatte, ein bißchen entsetzt aber auch über die Nervosität beim Schreiben die ersten Tage. Die ersten Zigaretten beim Schreiben schmeckten noch gut; der Rauchautomatismus danach machte mir aber richtig Kopfschmerzen. (Zum Glück darf man im Kino nicht rauchen!) Was sich andererseits dann aber auch wieder gut verwenden läßt für das Buch über Rauchen und Nichtrauchen, das vor Monaten ja eigentlich schon hätte fertig sein müssen, bei amazone für den April angekündigt ist, aber ja längst noch nicht fertig ist und sicher erst im Sommer erscheinen wird.

Ich fühlte mich ein bißchen erledigt, dachte daran, wie ich das früher gemacht hatte, vor 18 Jahren zum Beispiel, wie ich mir in der Zeit also drei oder vier Filme am Tag angeguckt hatte, ein paar Artikel geschrieben und jeden Tag noch mit dem Auto in die Nalepastraße zu Kuttner, zum Rock Radio B, dem Nachfolger von dt64 und Vorläufer von Radio Fritz, um dort fünf oder acht Minuten zu füllen mit Berichten fast ausschließlich über die tollen Forumsfilme. Für die Prese hatte die Berlinale damals im Haus der Kulturen der Welt stattgefunden. Den Wettbewerb hatte ich damals fast komplett ignoriert und immer ein Sony-Professional-Aufnahmegerät mit großem Sennheiser-Mikro dabei gehabt wegen der O-Töne.

Wie ich also jeden Tag ganz früh aufgestanden war, eine Stunde kettenrauchend geschrieben hatte wie ein Idiot und dann wieder: ab in‘s Kino. Schön erledigt in diesem dunkelblauen Mantel, einem Erbstück von meinem Opa, und am Nachmittag immer noch in‘s „Schwarze Café“ um neue Notizen zu machen; Milchkaffee zu trinken, Kuchen zu essen und zu rauchen.

Es war eine richtig gute Zeit gewesen. Aber diesmal auch und ja immer noch; vor allem bin ich nicht mehr ganz so tunnelblicksmäßig durch‘ Festival gerannt wie früher, sondern hatte auch ab und an mit Kollegen und Freunden zwischen den Filmen gesprochen und freute mich auch sehr, dass E. den neuen Sabu-Film „kanikosen“ viel besser gefunden hatte als ich, weil ich den japanischen Filmemacher ja seit vielen Jahren toll finde, seit seinem Debüt  ”D.A.N.G.A.N Runner” (1997) ist er ja ein gern gesehener Gast der Berlinale: viermal im Forum, zweimal im Panorama. Filme wie “Monday” (‘00) oder “Blessing Bell” (‘02) beeindruckten durch einen oft ins Absurde gehenden Humor und eine melancholische Grundstimmung. Es war immer ein Festivalhöhepunkt, Sabu San, persönlich erleben zu dürfen. Unvergessen sein Auftritt 2001, als er sich im Delphi mit folgenden Worten vorstellte: “Ihr kennt mich schon gut, denke ich. Ich bin Sabu, der geniale Regisseur. Der Film, den ihr jetzt sehen werdet, ist etwas anders als meine bisherigen Filme, aber trotzdem wieder ein Meisterwerk geworden.” Dies Jahr hatte ich ihn leider nicht live erleben können, weil ich seinen neuen Film schon vor der Berlinale in einer Pressevorführung gesehen hatte. Sein Auftritt soll aber auch wieder sehr schön gewesen sein.

Dann fuhr ich wieder mit dem M41, meinem derzeitigen Lieblingsbus; der Busfahrer sagte, so halb genervt aber doch guter Dinge: „An die beiden Frauen im Mittelgang: Ihre Kurzstrecke endet hier. Auch möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass es heute am Halleschen Tor Schwerpunktkontrollen gibt“. Dann hatte ich mir in der Retrospektive “das Gesetz der Begierde” (1987)  von Pedro Almodovar angeschaut – wie menschenfreundlich, sympathisch und schön dieser Film doch gewesen war! – Dietrich Diederichsen war auch da gewesen, wir rauchten eine Zigarette, bedauerten, dass man in diesem Jahr die Berlinale nicht mit dem Fahrrad machen konnte, er sagte, was früher schöne Gesten und schauspielerische Expressivität gewesen wären, sei nun in vielen Filmen durch hochauflösende Hautunreinheiten im Dienste der Wahrheit ersetzt worden. Ich hatte ihm zu einem Text beglückwünschen wollen, also sagen, dass ich alles von vorn bis hinten genau richtig gefunden hatte; mir war der Titel des Films nur partout nicht eingefallen, über den er geschrieben hatte. (es war “Shutter’s Island” gewesen)

Am sympathischsten  hatte ich bislang den japanischen Forumsfilm „Sawako Decides“ gefunden, den ich ein paar Blogs zuvor schon verlinkt und gelobt habe.

15.02.2010

linale

von Detlef Kuhlbrodt

Vor dem CinemaXX. Tagszuvor hatte der Blumenverkäufer noch ein anderes Kostüm angehabt. Diesmal redete er auch irgendwas mit “Dr. Motte”

Berlinalepalast am Abend.

Der Wettbewerbsfilm von Koji Wakamatsu war kein Kindergeburtstag. Es ging ja nicht nur um Japan, auch wenn der Film in japanischen Verhältnissen noch radikaler ist, es ist jedenfalls ein radikal pazifistischer Film. Der mich ziemlich ausgeknockt hatte. Das tat Philip Scheffners “Day of the sparrow” dann nicht so; zeitweise schlief ich ein, manchmal fand ich den Film auch supergut und lustig, aber dann wieder auch so sehr arty, politisch, die Absicht spricht aus so vielem, weil sovieles für sich sprechen soll und dann kommen am Ende ja noch die Stimmen der zwei Freunde, die diesen Prozess hatten wg. Antikriegsaktivismus, angeblicher Mitgliedschaft in der sogen. Militanten Gruppe, Hochverrat, irgendsowas, also richtig als Terroristen angeklagt worden waren und mit dem Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht. Dieser angepappte Teil nervt richtig, weil mit keinem Wort erwähnt wird, wessen die beiden Antikriegsaktivisten, an deren Seite sich der Film nun stellen will, angeklagt sind. (wenn ich mich richtig erinnere waren sie beschuldigt worden, Militärfahrzeuge angezündet zu haben) Nach einigen Vorführungen hatte der Filmemacher dann noch Flugblätter verteilt, die sich für die Einstellung des Verfahrens einsetzten. Ohne diesen angepappten Teil wäre der Film sehr gut gewesen. … Vielleicht kann ich dem Film hier jetzt auch nicht gerecht werden, (Kollegen und Freunde hatten den “Tag des Spatzen”  ja ganz prima gefunden (hier oder da), was ich gut fand, weil man wünscht ja doch jedem, einem Film zu sehen, der ihm gefällt und weiterbringt), weil ich halt diesen ultraharten, krieg und gewaltverachtenden Film von Koji Wakamatsu gesehen hatte. Es verbietet sich irgendwie den Film “gut” zu nennen, man kann ihn eigentlich nicht goutieren, ohne dass er wiederum meinetwegen eklig gewesen wäre; der Hass auf Gewalt, den man auf eine zu oberflächliche Weise teilt … “Caterpillar” hat vielleicht die Kraft einen zu animieren, entschlosener pazifistisch zu sein und ist gleichzeitig aber auch der Vorfilm zu “United Red Army”,  Wakamatus Film über das japanische Pendant der RAF.

14.02.2010

linale 4

von Detlef Kuhlbrodt

On the way to Berlin-Filmfest

Die Berlinale-Pressetasche ist in diesem Jahr nicht so gut geraten

Die Tasche für die Teilnehmer des Talent-Campus ist farblich zumindest prima. “ale”-Taschen hab ich bislang noch nicht gesichtet; irgendwo müsste es die aber auch geben. Finde ich.

Wenn man “The Howl” von Robert Epstein und Jeffrey Friedman als Allen-Ginsberg-für die-Jugend-Film nimmt, ist er glaube ich doch ganz okay.  Die Original-Audios von Ginsberg sind im Netz; richtig ziemlich gut und lustig ist sein Auftritt mit Paul McCartney, 1995:

13.02.2010

Berlinale 3

von Detlef Kuhlbrodt

Gegen Mittag von oben

Tag für Tag, von acht Uhr morgens bis tief in die Nacht, steht der freundliche Mitarbeiter am Martin-Gropius-Bau und weist die filmverrückten Menschen auf den Shuttle-Bus-Service hin.

Der Festivaldirektor Dieter Kosslick scherzt gerne und gutgelaunt mit dem Publikum, dass eigentlich auch eine Ehren-Berlinale-Kamera verdient hätte. Die anderen Berlinale-Kameras gehen bekanntlich an den japanischen Regie-Altmeister Yoji Yamada, die Gründer des Forums Ulrich und Erika Gregor sowie die Gießerei Noack.

12.02.2010

Berlinale 2

von Detlef Kuhlbrodt

Der Schnee reflektierte die vielen Lichter. Der Potsdamer Platz sah so gut aus, wie noch nie bei der Berlinale.

Die “Ah’s” und “Oh’s” der Umstehenden wenn die Prominenten aus ihren Bentleys stiegen hörten sich seltsam schön an.

Brad Pitt und Verena Lengsfeldt

Walter Momper (im Hintergrund Sha Rukh Khan))

Ich guckte dann noch den schönen Existenz-Thriller “Eastern Drift” von Saraunas Bartas. Der Film ist prima und läuft im Forum.