Die August Bebel-Straße liegt neben der Lovestreet
von Detlef KuhlbrodtNur wenige waren gekommen, um diesen wunderbaren rumänischen Film “Koks und Kohle” (2001) zu sehen und als er dann zu Ende war, gingen die meisten der Wenigen auch schon, weil sie kein Interesse an einer Diskussion hatten. Der Film von Cristi Puiu ist ein klasse direktes Road-Movie; junge Leute bringen in einem Auto Stoff von Constantia nach Bukarest und werden von Unbekannten verfolgt. Der Co-Autor des Films, Razvan Radulescu war auch gekommen, ein schmaler, melancholisch wirkender, gut aussehender Typ mit Ringen unter den Augen. Er ist an vier Filmen des Festivals beteiligt. Wir standen jedenfalls dann zu viert vor dem Kino (der als Kino benutzten “Kammerbühne” – ; dass es in Cottbus kein einziges Innenstadtkino gibt ist seit Jahren der running-gag des Festivals) in der schönen Sonne und rauchten Filterzigaretten; die Kuratorin der tollen Rumänienreihe, in der der Film lief – Elvira Geppert -, Boris Schönfelder von epd-Film und ich. Für den Produzenten war es vermutlich etwas frustrierend und ich konnte auch nicht viel mehr sagen, als dass ich den Film toll gefunden hatte.
Sie redeten über einen bekannteren Films von Cristi Puiu (“Der Tod des Herrn Lazarescu”), den ich leider nicht kannte und der in Cannes 2005 Preise gewonnen hatte und darüber, warum es so schwer ist, rumänische Filme auf den deutschen Markt zu bringen. Obgleich die rumänischen Filme, die ich kenne, tausendmal besser sind, als französische Produktionen, die ja gerne von Programmkinos gespielt werden. (Andererseits haben es rumänische Produktionen in Frankreich wiederum einfacher)
Wahrscheinlich finde ich rumänische Filme so gut, weil die Umgebung, in der sie spielen, noch nicht so fertig ist. Meist ist ja alles provisorisch, passt nicht zueinander, superschwierig und so und die sehr direkten Gefühle, die in dieser nicht-fertigen Umgebung entstehen, sprechen mich an; die Filmgefühle und Komplikationen der Fertigen dagegen nerven.
Abends war ich aus Quatsch und Interesse zu einem Empfang bei Vattenfall, dem Hauptsponsor des Festivals, gegangen, d.h. mit einem neuen Auto mit viel buntleuchtendem Spielkram drin gefahren worden. Manche fanden es falsch, dsss Roland Rust die antisemitischen Schmierereien nicht erwähnt hatte, die es am Tag des Festivalbeginns gegeben hatte und die hier ausgiebig in der Presse diskutiert werden. Rust ist ein um Harmonie bemühter Direktor. Wenn ich’s richtig notiert habe, sagte er – in seiner Vattenfallrede – irgendwann sogar: “Wir tanken hier Energie bei Vattenfall”. Auch das Motto für die Fokusländer Rumänien und Bulgarien “Sommer auf (oder vor – egal) dem Balkan” wurde gelobt, obgleich es ja ganz offensichtlich vorn überhaupt nicht stimmt; obgleich andererseits: Gestern war der heisseste Novembertag seit 100 Jahren. Heute ist es noch wärmer.
Und zum Milchkaffee gibt’s Kaffeesahne.
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