23.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Eigentlich war ich tendenziell manchmal auch gegen das Flippern gewesen. Und oft hatte es mich generv, dass man B. immer nur in der Kneipe am Flipper besuchen konnte. Es war aber auch vieles interessant zu beobachten.

B hatte sich zum Beispiel angewöhnt, auf einem Barhocker sitzend zu spielen und im Verlauf des Spiels wurde er immer unruhiger, er wackelte auf dem Hocker, als sei es ein Pferd und schlug regelrecht auf die Maschine, als sei der Hocker der Sattel eines Pferdes, zu dem auch der Flipper gehörte. Manche spielten völlig unbewegt, der Captain war sehr genau und beherrscht in all seinen Bewegungen und ich tanzte immer so herum.

Und dachte an B., wie er früher jahrelang immer stoned in seinem Zimmer wie ein Vogel im Halbdunkeln auf einem alten Stuhl gesessen und auf einen alten kleinen Schwarz-weiss-Fernseher geguckt hatte. Der Ton des Fernsehers war immer abgeschaltet. Und nun… weiter lesen
22.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Wir flipperten hier schon ziemlich lange und waren nicht schlecht. Doch der Captain war besser. Vielleicht sogar besser als der, den wir den Poeten nannten und der lange nicht mehr dagewesen war. Bewundernd beobachteten wir jedenfall das Spiel des Captains.






22.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Wenn man’s länger hört, ist Manuel Götschings e2-e4 eigentlich doch sehr interesssant und schön in der weihnachtszeit. Auch wenn es Fragen aufwirft.





20.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Drogen-Shorti ist am Fernsehturm in Ost-Berlin. Vielleicht ist „Drogen-Shorti“ auch ein sehr smarter Slangausdruck für „Fernsehturm“.

Der Fernsehturm ist jedenfalls Mitglied in der Vereinigung großer Türme. Die “World Federation of Great Towers – WFGT” ist “eine internationale Vereinigung von Bauwerken, die sich zusammengeschlossen haben, um weltweite Aufmerksamkeit zu erreichen”, heisst es auf der Website der “WFGT”. Der höchste Turm der Welt heisst “CN-Tower”, ist 553 m hoch und steht in Toronto, Kanada.

Später war es sehr angenehm in der Abenddämmerung, von oben nach unten zu gucken. Besonders gut gefiel mir eine Lampe im ersten Stock des Berliner Wahrzeichens.

17.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Am Vormittag hatte ich den kleinen Text von Rainald Goetz in dieser Tempo-Jubiläumsausgabe gelesen. Ich hatte das gerne gelesen. Die Ankündigung seines Textes am Anfang des Heftes – “für diese Ausgabe verfasste Rainald Goetz einen wunderbaren literarischen Text, den Sie auf Seite 184 finden” – kam mir gemein vor; “wunderbar literarischer Text” klingt irgendwie so wirklichkeitsamputiert wie “wunderbar journalistischer” Text klingen würde. Es war aber schön, den kleinen Text zu lesen, der einen für einen Moment zurück in die späten 80er Jahre beamte und abends hatte ich mir e2-e4 von Manuel Göttsching angehört, nachdem T. erzählt hatte, wie toll sein Auftritt im Berghain gewesen wäre.
Bißchen enttäuscht. Klingt eigentlich wie Karat. Funktioniert natürlich im kathedralen Ambiente der Restrealität mit entsprechender Anlage, aber trotzdem. Die 70er Jahre Sachen von Ashra Temple, teils mit Texten von Timothy Leary, sind dann gänzlich unerträgliche LSD-Esoterik.
Danach bin ich mit meinem Fahrrad spazierengehen gegangen.






15.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Auf „arte“ ging‘s gestern um die Welt der Jugendlichen; um die Spiegelwelten des Internet, um junge Mädchen, die brutal sind. Der erste Bericht hieß: „google zeigt mich, also bin ich“. Es ging um blogs, webcams, leben im und sich-kennenlernen über‘s Internet und solche Geschichten.
Jeder zweite Jugendliche in Frankreich hätte einen Blog hieß es und dass jeder dritte regelmässig Internetpornos gucken würde. Vielleicht auch umgekehrt.
Bloggerinnen sagten, dass es ihnen darum gehe, der Welt zu zeigen, was sie für ein tolles Leben führen würden und darum, neue Freunde zu gewinnen. Selbstreklame.
Ein junger Mann, der ein bißchen an Kurt Cobain erinnerte, wurde dabei gezeigt, wie er beim Webcamchatten Mädchen wegklickte, die ihm nicht gefielen; jemand Schräges, der über youtube berühmt geworden war, machte eine Themenparty. Auf der Themenparty war zufälligerweise auch ein Mädchen, dass für die Independent-Pornoseite „Suicidegirls“ arbeitet. Dass es sich um eine Pornopayseite handelt, wurde nicht erwähnt.… weiter lesen
14.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Wenn man’s soziologisch nimmt, geht es beim Kampf gegen das Rauchen nicht nur um liebe Gesundheit gegen böse Tabaklobby, Freiheit gegen Sucht, sondern vor allem auch um Oben gegen Unten; Reiche gegen Arme, Alte gegen Junge, Aufseher gegen Beaufsichtigte, Gesunde gegen Kranke und – wenn es richtig ist, dass mehr junge Mädchen als Jungs rauchen – Männer gegen Frauen – und was dem BILD-Zeitungsleser seine Busenmädchen und Sexskandale ist dem grünen Mittelstand der Kampf gegen das Rauchen. Dies alles lenkt ab von Wichtigerem, dass so unerledigt bleibt!

12.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt
Zehn Stunden am Tag normal sind schon ein schönes Ergebnis.
Das gilt es auszubauen.
Was soll man auch aufschreiben.
Man hat genug damit zu tun, sich durch die Tage zu schleppen.
Und neben einem piepst es.
“Hallo…!” piepst es.
“Was ist denn?”
“Miauuuuu.”
“Bist du ein Hund … äh … eine Katze?”
Intensiveres Miauen.
“Hast du Hunger?”
“Miauuuuu.”
“Willst du Fische?”
“Miauuu.”
“Grüne oder rote?”
“Miauauuuu” (= unwichtig, that’s not the point)
“Soll ich dir sagen, wo die Fische sind?”
“Miauuuau” (zustimmend)
“Also da unter dem Scheibtisch.”
Er krabellt unter den Schreibtisch, verspeist rasend schnell ein paar imaginäre Fisch und schaut erwartungsfroh.
“Und da. Neben dem Bett.”
Freudig miauend krabbelt der kleine Freund neben das Bett und verspeist in Sekundenschnelle ein paar Fische.
Und guckt wieder fragend und faucht… weiter lesen
12.12.2006 von Detlef Kuhlbrodt





… draussen ruft ein Mann schon seit zehn Minuten: “Achim, mach doch auf” bzw. “hallo, komm mal raus Mann”. Jetzt gibt es Krach. Eine Frau schreit den Mann aus ihrem geöffneten Fenster an. Es sind immer die Deutschen, die so agressiv herumkrakelen. Dann wird das Krakeelen leiser. …. ich guckte vor dem Schafengehen im Computer nach, was ich vor einem Jahr zu dieser Zeit gemacht hatte: damals hatten wir bekifft das ganze Wochenende Nougattaler, die nach Kondensmilch schmeckten, gegessen und jeder für sich hatte schweigend, rauchend, kaffeetrinkend, Nougattaler essend, versucht, Sudokus zu lösen.