Zigarettenrauchen
von Detlef KuhlbrodtEs ist März und ich bin in Helsiniki.


Selbstverständlich rauchen die Einwohner Helsinkis selten und oft auch gar nicht. Während einem in Berlin die Frage ”Warum rauchst du nicht” immer noch irgendwie normal vorkommt, ist es hier umgekehrt, das heisst die Frage, warum man rauche, wird einem eigentlich aus Höflichkeit nicht gestellt; man beantwortet sie aber trotzdem.


Ganz selbstverständlich rauchen die Menschen hier selten und oft auch gar nicht. (andererseits kann es einem auch passieren, dass man am spåten Abend plötzlich einer Gruppe von Rauchern begegnet. Funf Leute und jeder hatte eine Zigarette an!


Ich wohnte in der Frederiksgatan, die sich nahe der Mannerheimstrasse befindet.


Ich rauchte auf einem kleinen, also sehr kleinen Balkon, der sich zwischen den Stockwerken befand, also dort, wo sich in manchen Berliner Häusern das Aussenklo befindet. Oder jedenfalls so ungefähr. Jedenfalls mit Blick auf den Hinterhof.
Eigentlich durfte man auf diesem Balkon nicht rauchen, weil der Zigarettenrauch durch geöffnete Fenster in andere Zimmer ziehen könnte.
Vor dem Balkon war ein Zettel, auf dem das stand.
Es war eine diesbezugliche Notiz an der Wand vor dem Balkon angebracht.


Sirkku sagte, ich könne da ruhig rauchen, schliesslich sei ich ja Ausländer und könne das Schild nicht verstehen. Ausserdem war es schon Nacht und der Hausmeister, der im Hinterhof wohnt, längst im Bett.


Eigentlich gefiel es mir auch, auf dem Balkon zu rauchen. Vielleicht auch, weil es so kalt war und weil diese Kälte, in die ich gereist war, sich so komisch anfuhlte und den Effekt hatte, als wäre man ein paar Monate zuruck in der Zeit gereist, denn Berlin war ja wärmer, also näher am Fruhling dran gewesen.


Die Zigarette, die ich auf diesem Balkon rauchte, wirkte viel mehr als Droge als zu Hause, weil ich ja hier viel weniger rauchte. Die Zigarettendroge intensivierte die Gefuhle von ganz weit weg und gleichzeitig da zu sein.
Die man so hatte.
Fur sich.
Ein paar Momente.
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