Blinale4 (u Reste)

Delphi rules! Alter Westen, Memories pur, Tagesspiegel umsonst. Und anders als nicht nur bei den Pressevorführungen am Potsdamer Platz, bleiben die Leute während des Abspanns sitzen.

PS: und den Preis für den Berlinale-Text  mit den meisten Vorurteilen, erhält Georg Diez von der Spiegelzeitung-Online. Mich hat sein Text auch deshalb so sehr geärgert, weil es sich um so gängige Vorurteile handelt. Es ließe sich beschreiben, woran “Gold” (den ich unterhaltsam fand) scheitert; der Film scheitert aber nicht daran, dass er ein deutscher Film ist.

 

die Reste sind glaub ich nur für die interessant, die “Echolot” und/oder den Film über Roland Klick gesehen haben:

Alles war so ungewohnt. Die Berlinale ja eh vergangenheitsbelastet. Das rauschhafte Filmegucken. Ich bin es nicht mehr gewohnt, mit so vielen Leuten im Kino zu sein. Wie groß und toll doch auch die Leinwand ist. Im Rausch ist alles interessant.

 

 

 

Echolot; Athanasios Karanikolas

 

Der Film ist unglaublich quälend.

Die Landschaft ist abstoßend, grauer als grau.

Die Filmmusik ist völlig unerträglich, zwei bedeutungsvolle metallische Gitarrenakkorde, immer wieder. Im Kino fürchtete ich mich tatsächlich vor der Wiederkehr dieser zwei Akkorde. Sie taten mir in der Seele weh.

Schon nach zehn Minuten dachte ich zum ersten Mal darüber nach, das Kino zu verlassen und beneidete die, die die Kraft gefunden hatten, aufzustehen und rauszugehen. Ich blieb sitzen. Wozu sollte ich auch rausgehen, was hätte ich auch draussen bis zum nächsten Film machen können?

 

Mich interessierte die Geschichte ja auch.

 

Der Film ist quälend.

Eine Hauptperson wurde bestenfalls angedeutet; der verhält sich dann auch … pathetisch … und trommelt komplett bescheuert. So bescheuert, nervtötend, wie die Leute halt früher auf Parties Musik gemacht hatten. (die Musik, die sie machen klingt sehr nach 80er, aber vielleicht macht man ja immer noch so scheußliche Musik u das ist auch nicht so wichtig.)

 

 

Ich war in dem Film geblieben.

 

Was nervte mich so sehr?

Wie die reden. (die Regieanweisung war wahrscheinlich; stellt euch die Situation vor und redet wie ihr denkt, dass ihr in dieser Situation reden würdet)

Dass der Film einen in die Rolle des Voyeurs zwingt.

 

(die Musik, klar)

 

Es gibt keine Position, von der aus erzählt werden würde. Manchmal deutet sich ein Dokumentarist an (Athanasios Karanikolas ist Dokfilmer), der das alles dokumentiert, wenn drei oder viermal einer der Protagonisten in eine Kamera erzählt, wie er den Toten kennengelernt hatte. Es gibt eine Doku-Fictionebene. Im Rahmen ihrer Anweisungen agieren die Schauspieler der Ernst-Busch-Schauspielschule sehr gut, “authentisch”; der Rahmen ist nur falsch)

 

Der eine hatte neben Franz (dem Selbstmörder) gesessen; zufälligerweise, denn der Neue in der Klasse war ihm als Sitznachbar zugeteilt worden. Er erzählt eine unglaublich banale, alltägliche Alltäglichkeit als Highlight ihrer Freundschaft; der schwule Trommler, der dem Toten am nächsten zu stehen schien, erzählt, wie er ihm eine Liebeserklärung gemacht hatte und wie Franz dann gesagt hätte, er könne das nicht erwidern; er wäre nämlich nicht fähig jemanden zu lieben. Eine andere sagt (stolz), doch, Franz wäre in sie verliebt gewesen.

Und dann gibt es noch zwei, die sagen: “Ich hab den Franz eigentlich nie gemocht” – “ich auch nicht.”

 

 

In einer Szene liest er einen typisch emphatisch-depressiven Text vor, den der Selbstmörder verfasst hatte. … Man ist pikiert und empfindet es als so völlig unangemessen, pietäts-, hilflos und peinlich dass er diesen Text da so vorliest. Auch weil der, dem er diesen Text vorliest, (vielleicht sogar, um dessen Zuneigung zu erpressen) schwer betrunken und eher desinterressiert ist.

 

(man erfährt nur ganz wenig von Franz; wenn der sich zwei Tage zuvor das Leben nahm, mag das hinhauen, sonst ist es schwer vorstellbar, dass seine Freunde nach dem Tod nicht mehr erfuhren und sich darüber austauschen. (Aber man erfährt ja auch nicht, wann er sich das Leben nahm) Nach einem Selbstmord erfahren die, die irgendwie in der Nähe waren, viel.

Niemand redet darüber, wie er sich umbrachte.

 

 

 

Nach Roland Klick. Eine Frau stand auf und hielt einen kleinen Vortrag. Sie bezog sich darauf, dass “Lobbyisten” (Wikipedia) des Neuen Deutschen Films 1970 verhindert hatten, dass Roland Klicks supertoller “Deadlock” im Wettbewerb in Cannes im Wettbewerb Deutschland vertrat. (Der Film war dann in einem Beiprogramm gezeigt worden) Und genauso sei das ja im Prinzip immer noch.

 

/Ein Deutscher Wettbewerbsfilm in Cannes war ganz wichtig, als was oder wer “Deutschland” bei diesem tollen Festival vertreten würde; ob durch progressive Kunst oder durch hollywoodverseuchtes, aktionsorientiertes Publikumkino./

 

Dem oft als Autorenfilm bezeichneten Jungen Deutschen Film, dem Klick seine Publikumsfeindlichkeit vorwarf, versuchte er ein aktionsorientiertes Publikumskino entgegenzusetzen. (Wiki)

 

und dass Klaus Lemke. der doch erst im letzten Jahr, ja auch keine Filme machen könnte. (offenbar hatte sie verpasst, dass es im letzten Jahr einen Film – “Berlin für Helden” – von Lembke gegeben hatte; er war nur nicht auf die Berlinale eingeladen worden. Und hatte dann vor dem Berlinale-Plast mit zwei Darstellerinnen dagegen protestiert, dass er nicht auf die Berlinale eingeladen worden war und gegen die in Deutschland herrschende Filmkunst protestiert/

 

 

Sie deutete eine Verschwörung an. Viele im Saal waren genervt davon, leicht pikiert, wie sie Konflikte von ganz früher noch einmal aufkochte. Die Klischeebilder der Differenzen zwischen dem Neuen Deutschen Film und den Aussenseitern des Neuen Deutschen Films, Sachen, die mehr als dreissig Jahre her sind. (Und an die man sich auch noch so nebenbei erinnert; Mitte der 80er, als ich zum ersten Mal auf der Berlinale war, positionierte ich mich natürlich auch sofort und fand Wim Wenders von nun an blöd, Roland Klick toll, und Achternbusch, der innerhalb des neuen deutschen Films ein Aussenseiter war, war mein Held.)

 

Ich glaube eigentlich nicht, dass diese Konfliktlinien noch eine Rolle spielen. Sandra Prechtel zitiert diese Zeit, in der man eigentlich keine Publikumsfilme machen durfte, auch nur kurz und ironisch: “Ich will experimentell sein, dann komm ich in’s Forum.”

 

Linker Vitalismus

 

Der schöne chinesische Forumsbeitrag MO SHENG (“Forgetting to know you” von Quan Ling… dagegen!

“I wanted to go back to reality”

Vertrauenskrise ist quite normal in China.

Alles verändert sich so total schnell, deshalb haben wir diese Entfremdungsgefühle in China.

Sie ist Fassbinder-Fan.

 

 

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