Archive for the ‘Dok-Film’ Category

05.11.2007 von Detlef Kuhlbrodt
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Leipzig Retro (3)

von Detlef Kuhlbrodt

In der Nacht war ich noch so aufgewühlt von den Tagen in Leipzig, dem Übermaß an Informationen, die ständig auf einen einprasselten, den vielen Menschen, den eigenen Erinnerungen an die vielen Leipzig-Besuche seit ’89, dass ich, obgleich ich bei der Abschlußveranstaltung viel getrunken hatte und erst nach zwei zurück ins Hotel gekommen war, kaum schlafen konnte.

Alles schwirrte im Kopf herum; gleichzeitig durcheinander und völlig klar. Bilder, Momente, Gespräche und dazwischen ein Satz, der ungefähr lautete: “das Dok-Festival ist mein Freund”, oder: “Wie schön, so einen netten Freund zu haben”. Dann schüttelt man im Halbschlaf ein wenig den Kopf über sich selbst.

Das klingt vielleicht, als dürfe man, weil man mit dem Festival befreundet ist, nicht darüber schreiben, weil man ja voreingenommen wäre usw. Es ist aber anders, mit einem Festival – einem System aus Menschen, Veranstaltungen, Orten – befreundet zu sein, als mit einem Einzelmenschen. Über die Sachen befreundeter… weiter lesen

07.11.2006 von Detlef Kuhlbrodt
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November, Kreuzberg

von Detlef Kuhlbrodt

Novemberfilme

Keine Lust, die Entscheidungen der Jury zu kommentieren. Den israelischen Gewinnerfilm – “the cimetery club” – der von alten Leuten handelt, die sich immer auf dem Friedhof treffen, hatte ich das erste Mal verpasst und das zweite Mal hatte es eine kurzfristige Saalbelegungsänderung gegeben – ich hatte also gemeint in diesen Film zu gehen und war stattdessen in “Kehraus, wieder” von Gerd Kroske gelandet. (Kroske hatte irgendwann bei der Diskussion gesagt, er fände die politische Situation “nicht so prickelnd”. “Nicht so prickelnd” ist auch so ein seltsames Idiom; lange nicht mehr gehört)
In den anderen Gewinnerfilm, “Exile Family Movie” aus Österreich war ich nicht gegangen, weil ich den Text zu dem Film irgendwie doof fand: “Wie kann man in einer Zeit, in der intimste Beichten öffentlich am Handy ausgeplaudert werden, einen Film über seine Familie drehen, ohne in die Falle  der trivialen Bekenntnisse zu laufen? “Exile Family Movie”… weiter lesen

04.11.2006 von Detlef Kuhlbrodt
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Weg

von Detlef Kuhlbrodt

Nun gehört man also auch zu den Leuten, die im Zug an einem Laptop sitzen. Mir gegenüber sitzt ein anderer, der auch seinen Laptop anhat. Er trägt eine Mütze und kommt glaube ich aus Polen. Er versucht ein Spiel zu spielen, dass er einer Zeitschrift entnommen hat. Sein Trackpad funktioniert nicht. Es reagiert nicht. Manchmal macht er verzweifelte Gesten zum Himmel hin. Dann wendet er sich wieder einer Autozeitung zu. Als er in Berlin den Zug verlässt, wünscht er mir noch einen guten Tag.Ein anderer, ein älterer Mann mit vertrauensvollem Gesicht, schräg gegenüber, liest in der FAZ. Zwei schmale ägyptische Männer im Blaumann setzen sich für zehn Minuten nebeneinander hin. Ich fahre mit dem Rücken voran in die Zukunft. Schade, dass ich das DOK-Festival vor dem Ende verlassen musste. Richtung Schleswig-Holstein. Über’s Wochenende kann meine Mutter aus der Klinik. Am Sonntag ist der Geburtstag meines Vaters. Er starb im Frühjahr… weiter lesen

03.11.2006 von Detlef Kuhlbrodt
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Das Schweigen der Zuschauer

von Detlef Kuhlbrodt

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Stanley Nelsons Film “Jonestown” erzählt von einer der großen, geheimnsiträchtigen Tragödien der 70er Jahre. Dem Massenselbstmord von 900 Anhängern der Volkstempel-Sekte (“People’s Temple”), einer fundamentalistischen christlichen Gruppierung, die in San Francisco gegründet wurde und schließlich in Guyana Zuflucht suchte. Ihr charismatischer Führer, Jim Jones, predigte Revolution und Utopie. Seine antirassistische Kirche, die Gottesdienste etc. wirken schwarz. Es ging um eine Mischung aus spiritueller Erfüllung und politischem, linken Engagement. Seine Großkommune – mit vielen Tausend Mitgliedern – war urkommunistisch organisiert; erinnert an die AAO-Kommune von Otto Mühl, die zur gleichen Zeit von Österreich ausgehend sehr beliebt und einflussreich war.
Die Mitglieder des “People’s Temple” wirken authentischer, weniger ferngesteuert, fröhlicher , halt so gospelmäßig, als die Leute, die ich in Dokumentaraufnahmen von der AAO mal gesehen habe.

Bis 1977 war Jim Jones politischer Einfluss sehr groß. Sein Tempel sorgte etwa dafür, dass ein demokratischer Kandidat die Gouverneurswahlen gewann.
Als… weiter lesen

02.11.2006 von Detlef Kuhlbrodt
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Filmfreunde

von Detlef Kuhlbrodt

Am Frühstückstisch hatten wir der Kollegin, die erst gestern abend gekommen war, von den Filmen erzählt, die wir toll gefunden hatten und auch die erwähnt, die wir uninteressant gefunden hatten. Dr. Grit Lemke, die seit der Wende glaube ich für’s Festival arbeitet (wir kennen und schätzen uns jedenfalls seitdem ich hier auf dem Festival vor zehn oder zwölf Jahren zum ersten Mal war), hatte gesagt, sie fände es komisch, wenn man sie mit Dr anrede, obgleich sie genau so im Programm steht. “Eigentlich bist du ja auch Mtglied im Club der einfachen Menschen, oder.” – “Das hast du aber schön gesagt.”

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Der Club der einfachen Menschen, war eine Kategorie, die der berliner Schriftsteller Peter Wawerzinek mal Anfang der 90er in’s Gespräch gebracht hatte, um die Position die er und sein Freund Matthias Baader Holst in der Endphase des sogenannten DDR-Undergrounds eingenommen hatten (um sich von dem quasi etablierten Underground… weiter lesen