Inklusion: „Mit“ statt „trotz“ Behinderung

In offener Runde diskutierten heute Vormittag viele Teilnehmer*innen mit Judyta Smykowski, Online-Journalistin, und Laila Oudray, taz.meinland-Redaktion, im Zelt auf der Grünfläche vor dem taz-Gebäude über die Frage: Wie funktioniert Inklusion in unserer Gesellschaft und welche Probleme und Vorurteile gilt es zu überwinden?

Judyta Smykowski ist beim heutigen taz.lab nicht zum ersten Mal in der Rudi-Dutschke-Straße. In ihrer Kolumne „Rollt bei mir“ schreibt sie regelmäßig für die taz und übernahm im vergangenen Dezember zusammen mit Leidmedien Teile der Redaktion der taz für die Sonderausgabe taz.mit behinderung.

Inspirations-Porn als eine Art der Diskriminierung

Der gesellschaftliche Umgang mit Menschen mit Behinderungen, so der Tenor, sei oft gekennzeichnet durch eine diskriminierende und nicht behindertengerechte Sprache. Judyta, die im Rollstuhl sitzt, plädiert für weniger Distanz und Grenzen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung und berichtet auch von einigen Alltagserfahrungen.

„Wenn ich Dich sehe, darf ich nicht meckern“ ist dabei nur ein Satz, den wahrscheinlich auch andere Menschen mit Behinderungen kennen. Es ist zugleich eine Ausprägung des Inspirations-Porn, ein Begriff, der maßgeblich durch die australische Aktivistin Stella Young geprägt wurde. Wenn Menschen mit Behinderungen als Held*innen ihres Alltages bezeichnet oder z.B. in eine Opferrolle wegen ihres „schweren“ Schicksals gesteckt werden – wenn die Behinderung zur Inspiration wird – fühlen sich diese oftmals diskriminiert.

Social-Media als Tool gegen nicht behindertengerechte Sprache

Seit 2013 ist Smykowski bei Leidmedien aktiv. Ihre Arbeit ist eine zentrale im gesellschaftlichen Ringen für mehr Inklusion und Normalisierung und für die Verbreitung einer Sprache, die Rücksicht auf Menschen mit Behinderungen nimmt. Wenn von „inklusivem Schnickschnack“ gesprochen bzw. journalistisch geschrieben wird, sehen sich Leidmedien in der Funktion aufzuklären und darauf hinzuweisen, dass eine solche Berichterstattung schlichtweg ersetzt und korrigiert werden müsse, ohne als „Sprachpolizei“ zu agieren.

Eine Anleitung, wie über Menschen mit Behinderungen berichtet werden sollte, liefern sie dabei gleich mit.

Autor: David Prinz

Fotograf: Burhan Yassin

 

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