Journalismus im Exil: Neues Netzwerk

Die Veranstaltung „Neues Netzwerk“ bringt fünf JournalistInnen an unserem runden Tisch zusammen, die von der Schwierigkeit erzählen, den Beruf im Exil zu betreiben.

Grundsätzlich ist es für die allermeisten Geflüchteten kaum möglich, in ihrem gelernten Beruf zu arbeiten. Manch einer findet sich damit aber nicht ab. So zum Beispiel die fünf Referenten: Abdullah Yaşa aus der Türkei, Orwa Eyada aus Syrien, Sayed Yousif AlMuhafdah aus Bahrain, Burhan Yassin aus dem Libanon und last but not least, als einzige Frau am Tisch, die Syrerin Roua Reshah.

Moderator Christian Jakob eröffnet das Gespräch mit der Frage, ob man sich überhaupt zuhause fühlen kann, wenn man nicht in seinem Beruf arbeiten kann. Als Hauptproblem kristallisiert sich schnell die Sprache heraus. Viele verlassen ihre Heimat Hals über Kopf, eine Vorbereitung, geschweige denn ein Sprachkurs, ist schlicht nicht möglich. Sprache aber ist des Journalisten wichtigstes Instrument.

Die Runde einigt sich darauf, dass das neue Leben in Deutschland eher ein Neustart ist. Und wenn der glückt, kann man sich auch zuhause fühlen.

Entweder für die Regierung oder Gefängnis

Die ReferentInnen berichten, weshalb sie ihre Arbeit in der Heimat niederlegen mussten. Die Geschichten ähneln sich. Sayed Yousif AlMuhafdah aus dem Bahrain sagt: „Entweder arbeitest du für die Regierung, oder du wirst im Gefängnis enden.“ Aus der Türkei wird ähnliches berichtet. Entweder wurden die großen Medien zu Propaganda-Apparaten konvertiert, oder einfach von der Polizei dicht gemacht.

Dann hält taz.meinland-Redakteur Burhan Yassin ein Plädoyer für die offene Gesellschaft, erklärt was er von sich und von den Menschen in diesem Land erwartet: „Deutschland ist nicht nur für Deutsche, sondern für jeden, der deutsch sein will. Der Pass ist egal. Wenn ich die Sprache spreche und mich mit jedem hier auseinandersetzen kann, werde ich sagen, dass ich Deutscher bin! Die Leute, die ich im Rahmen von taz.meinland treffe, sind Deutsche. Und ich will die Leute kennenlernen, weil ich auch Deutscher werden will!“

Erst Syrerin, dann Journalistin

Das hat erstmal gesessen. Als die Stimmung wieder ein bisschen abgekühlt ist, werden noch schöne und weniger schöne Geschichten erzählt. Ein Gast erzählt von seiner Dozentin, die ihm und seiner Frau einen Schlüssel für ihr Haus überließ, weil das StudentInnenheim zu eng für die beiden war. Schön.

Roua Reshah hingegen fühlt sich im beruflichen Umfeld häufig materialisiert. Einmal bat man sie, in einem Film mitzuwirken. Die Syrerin dachte, sie wäre als Journalistin gefragt. Dabei wollte man nur, dass sie ihre Geschichte erzählt. Wie sie geflüchtet ist, wie sie sich dabei fühlte. Weniger schön.

Sie alle, die da am Tisch sitzen, wünschen sich Integration bei der Arbeit – nicht mehr und nicht weniger. Sie sind bereit, Abstriche zu machen, Aufgaben zu übernehmen, bei denen die Sprache keine Rolle spielt.

Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln: Das WDR bietet ein Format auf arabisch mit geflüchteten als Zielgruppe. In einer Reportage wurden Deutsche mit einem Brief vom Jobcenter konfrontiert. Keiner hat ihn verstanden.

Autor: Jann-Luca Zinser

Foto: David Joram

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