Bad News: Wenn alles doch so einfach wäre

Am Nachmittag diskutierte Heike-Melba Fendel, Künstlerin und Journalistin, mit Lukas Wallraff, taz-Redakteur, und rund 20 Teilnehmer*innen bei knisterndem Feuer im Kaminzimmer über die Faszination an negativer Berichterstattung – über Bad News.

Schon an den ausgewählten Schwerpunkten einiger Tageszeitungen scheint man ablesen zu können: negative Berichterstattung verkauft sich gut. Doch ist es tatsächlich so einfach? Im Gespräch mit den Referierenden wurde schnell deutlich, dass sich der Journalismus als solcher in einer Krise befände. Es gäbe einen Hang hin zu einfachen Kategorisierungen, meint Heike-Melba Fendel, und fasst diese nach amerikanischer Manier zusammen: „Is that good or bad?“

Diese Einteilung sei jedoch nicht nur eine Forderung der Leser*innen, sondern auch eine Möglichkeit für die Medienmacher*innen, ihre Arbeit zu vereinfachen. Es würde insgesamt eher akzeptiert, Katastrophen zu beschreiben, so Lukas Wallraff. Erfolgsmeldungen oder positive Berichterstattung bedürften zudem oftmals weit tiefer gehender Recherchen. Sonst könne schnell der Vorwurf der Oberflächlichkeit entstehen.

Besonders in den digitalen Medien mann man die Einteilung in sensationell Gut und sehr schlecht beobachten. Weniges ist kompliziert, vieles dagegen oberflächlich. Sie begünstigen eine vereinfachte Berichterstattung – denn sie  erfordern von den JournalistInnen vor allem Schnelligkeit.

„Nicht nur unsere Beziehungsverhältnisse auf Facebook sollten als kompliziert markiert werden“, so Fendel. Einfache Erklärungen gebe es für komplexe Realitäten ebenso wenig, wie für manch einen Beziehungsstatus.

Gibt es Chancen?

Differenzierte Berichterstattung werde oft als langweilig empfunden. Ein Grund: Sie beansprucht selten, eine definitive, vorgefertigte Antwort zu liefern. Sachlagen müssten dargestellt werden, ohne festgelegte emotionale Forderungen an die Lesenden („Sei empört!“) zu transportieren. Gerade deswegen müssten sich Journalist*innen der Vereinfachung komplexer Themen verwehren, so Heike-Melba Fendel.

Dies zeichne die journalistische Haltung aus, die eben nicht billig (in Form von Vereinfachungen) zu bekommen sei. Darin bestehe letztendlich auch die Schwierigkeit für das journalistische Handwerk: komplexe Realitäten in einfacher adäquater Sprache darstellen.

Autor: Torben Becker

Foto: Tim Wagner

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