vontazlab 27.03.2018

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Seit September 2017 steht die Influencer Marketing Academy (IMA) im ständigen Fokus der Presse. In einem Bürogebäude in der Bismarckstraße 73 in Berlin-Charlottenburg befinden sich die Räumlichkeiten des Unternehmens. Niko Martzy und Sascha Schulz sind die Gesichter hinter der IMA. Schulz, der seit Mitte der Neunziger im Bereich Digitalmarketing und Branding arbeitet, kümmert sich heute unter anderem um die Partner- und Sponsorensuche der Akadamie.

Sie hätten nie damit gerechnet, dass das öffentliche Interesse derart groß werden würde. „Seit September 2017 sind ein bis zwei Mal die Woche Fernsehteams und Journalist*innen hier und befragen uns zum Thema Influencer Marketing“, erzählt Sascha Schulz. Immer an seiner Seite: sein Hund Cookie, der brav unter dem Tisch dem Gespräch lauscht.

Vor der Gründung der IMA analysierten sie den Social-Media-Sektor in Deutschland. Es zeigte sich, dass viele Unternehmen der schnellen Entwicklung und den Anforderungen der Kanäle nicht folgen können. Der Pflegeaufwand sei immens und die Internetauftritte der Firmen zwar vorhanden, aber wenig ansprechend. „Auf der anderen Seite ist uns aufgefallen, dass immer mehr Menschen, die bei unseren Bildungsangeboten teilgenommen haben, in die Self-Publishing-Richtung gegangen sind.“ Eigene YouTube-Videos drehen und Blog-Einträge zu vermarkten hätten sich viele bereits selbst beigebracht. So beschlossen sie dafür ein professionelles Angebot zu schaffen.

Beeinflusser im kleinen Rahmen

Ein lohnendes Feld, wie sich schnell zeigte. „Wenn man alle Influencer*innen auf Agentur- und Kooperationsplattformen zusammenzählt, kommt man etwa auf 35 000 bis 130 000 Influencer*innen in Deutschland, die man erreichen und aktivieren kann“, so Schulz. „Aber es gibt nur etwa 5 000 bis 6 000 Unternehmen, die nachvollziehbar in diesem Segment aktiv sind.“ Bei insgesamt über drei Millionen Unternehmen in Deutschland ist das jedoch ein sehr kleiner Anteil.

Die Unternehmen, die auf die Academy zukommen, sind zum Teil große Konzerne, vermehrt aber auch mittelgroße und kleine Unternehmen. In ihnen sieht Schulz das größte Potential für lokale Influencer*innen: „Sie könnten zu Geschäftseröffnungen kommen und über das Angebot auf den eigenen Social-Media-Kanälen kommunizieren. Das ist unser momentanes Projekt: Wie können wir auf lokaler Ebene kleine und mittelständische Unternehmen dazu motivieren, sich an Influencer Marketing heran zu trauen? Und wie können wir Influencer*innen aus der Region an das Thema heranführen?“

In den Seminaren, mit je 25 bis 30 Teilnehmer*innen, wird Basiswissen wie Eigenvermarktung, Social-Media-Know-how und die rechtlichen Rahmenbedingungen vermittelt – wie Gewerbeanmeldungen. Schließlich muss man als selbständiger YouTuber*in oder Blogger*in an auch Rechnungen schreiben. Beispielsweise an die Unternehmen, mit denen man Kooperationen hat. „Das ist vielleicht vielen nicht bewusst“, sagt Schulz, „aber auch für Steuerprüfer*innen ist diese gewerbliche Einnahme sichtbar.“ Bedeutet: Kommerzielle Beiträge sind als solche zu kennzeichnen.

Studium: „Influencer“?

Ab 1 000 Followern auf Instagram oder anderen Kanälen gelte man als Influencer*in. Doch es gibt noch mehr Voraussetzungen, um zertifizierter, sogenannter „Influencer Professional“ zu werden. Man sollte bereits eigene Channels führen und Inhalte erzeugt haben. Schulz legt nach: „Wir machen keine Stars.“ Im Gegenteil, die IMA versteht sich als Vermittler, als Coach.

Handwerkszeug kann man lernen, Authentizität muss man mitbringen. Das Fundament der erfolgreichen Influencer*innen ist schließlich deren Glaubhaftigkeit. Wobei Sascha Schulz die Bezeichnung „Influencer*in“ kritisch sieht: „Natürlich ist es kein Beruf, Beeinflusser*in zu sein. Wenn man stattdessen sagt, ein Professional Influencer ist jemand, der bloggt und Social-Media nutzt, ist das genauso ein Beruf wie Sänger*in oder Moderator*in.“

Einen große Aufgabe hat die Influencer Marketing Academy noch vor sich: Seit Anfang März läuft ein Projekt, das branchenübergreifend Firmen, Organisationen, Verbände, Influencer*innen und Politiker*innen miteinander verbinden soll. Der sogenannte „Influencer-Hub“ soll als Denkfabrik für alle Beteiligten eine Perspektive im Influencer Marketing schaffen. Rechtsunsicherheiten müssen beseitigt, Wissensverteilung und die Kommunikation verbessert werden.

Sogar Studiengänge mit Online-, Social-Media- und Influencer-Marketing-Modulen sollen errichtet und Lehrpläne überarbeitet werden. „Wer nichts wird, wird Influencer“ – ein Spruch, dem Sascha Schulz mit einem Augenzwinkern entschlüpft, aber für ihn und die Influencer Marketing Academy womöglich als Ansporn dient.

DELIA ROSCHER, taz lab-Redakteurin

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