vontazlab 21.04.2018

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Von Johannes Drosdowski

Zuerst die gute Nachricht: Entgegen aller dystopischen Vorstellung vom allmächtigen Computer und der Herrschaft der Maschinen werden wir noch nicht vom Algorithmus beherrscht. Der Titel des Vortrages „Wenn der Chef ein Algorithmus wird“, er ist etwas vorauseilend. „Bis es soweit ist, wird es noch sehr lange dauern“, sagt Shirley Ogolla und die muss es wissen, denn sie forscht am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin zu Arbeit 4.0, digitaler Partizipation und „Algorithmic Labor“. Dennoch arbeiten immer mehr Menschen für oder mit Algorithmen oder lassen sich von ihnen helfen. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ogolla-Punkte:

Am Anfang war das Netz und das Netz war frei. Jeder mit Internetzugang konnte dazu beitragen, Menschen fingen an, sich etwa bei Wikipedia zu engagieren und ließen das Internet so wachsen. Kaum jemand wurde dafür nennenswert entlohnt, es war das Zeitalter der „Happy Exploitation“, der glücklichen Ausbeutung.

Arten der Arbeit

Dann kamen die Big Player wie Facebook und Google ins Spiel. Sie sammeln Daten, verkaufen sie, machen Werbung und Geld und schaffen dabei Jobs. Dabei entstanden unterschiedliche Arten der Arbeit:

Free Labor – Man arbeitet freiwillig, ohne Bezahlung. Etwa indem man auf Instagram Fotos liked, eigene Daten abgibt (oft ohne es zu wissen) oder dem automatischen Staubsauger nicht verbietet einen Grundriss der Wohnung zu erstellen, der dann an Einrichtungshäuser verkauft werden kann.

Hidden Labor – von der Nutzer oft nichts wissen (sollen). Die Arbeiter*innen, sehen sich kritische Inhalte im Internet an, bevor sie veröffentlich werden oder um bereits Veröffentlichtes, das illegal oder unerwünscht ist, wieder zu löschen. Sie sind sogenannte „Data Janitors“, Daten-Hausmeister. Außerdem füttern einige von ihnen dabei Algorithmen mit Daten, damit sie irgendwann vielleicht diese Aufgabe übernehmen können. Denn die ist dank Videos von roher Gewalt diverser Art mitunter sehr belastend. Zu Hidden Labour gehört auch das sogenannte „Clickproletariat“, das etwa Produkttexte für Onlineshops schreibt. Es wird häufig schlecht bezahlt, sucht sich seine Aufträge selbst über Plattformen wie Amazon Mechanical Turk und hat ein großes Problem: Die Arbeiter können sich nur schlecht organisieren, weil sie räumlich so weit entfernt sind.

Und dann kommt das Wesen des Algorithmus selbst und Ogallas Aufgabe an die Gesellschaft: ethische Überlegungen über den Algorithmus. Denn auch wenn er jetzt meist noch nicht unser Boss ist – er könnte es irgendwann werden. Nicht nur in der Arbeit, sondern auch im Leben.

Und der Algorithmus hat ein großes Problem, wie Ogolla sagt: „Technik ist nicht neutral.“ Wenn jene, die den Algorithmus bauen, Vorurteile haben, hat sie der Algorithmus zwangsläufig auch. Sie ist kein schlechtes Ding, die Künstliche Intelligenz, aber eines, das so wird, wie wir es machen. Also in einigen Fällen nicht nur unlogisch und parteiisch, sondern geradezu ungerecht und mitunter für ihre Schöpfer nicht mehr verständlich. Hier beginnt die Aufgabe unserer Gesellschaften, die Lösung des Problems. Kleiner Hinweis: Viele Designer von Algorithmen sind privilegierte weiße Männer.

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https://blogs.taz.de/tazlab/2018/04/21/malochen-fuer-den-algorithmus/

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