vontazlab 21.04.2018

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Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Von Djulia Hum

Welche relevanten Anlässe werden fotografisch festgehalten und nach welchen Kriterien entscheiden wir, was wir festhalten? Evi Blink, freie Fotografin aus Köln, beschäftigt sich derzeit mit dem Thema  Umzug und erzählt von ihrer Recherche, die ergeben hat, dass erstaunlich wenig Bildmaterial hierzu existiert. Hoch ambitioniert werden Hochzeiten, Urlaube oder Geburtstage dokumentiert, doch der Akt des Umzugs verbleibt meist im Ungesehenen. Diese Konventionen prägen eine bestimmte Erinnerungskultur, die sich in der Dramaturgie des privaten Fotoalbums abzeichnet.

Dabei scheint der Umzug auf vielen Ebenen erinnerungs- und darstellungswürdig zu sein: „Dem Umzug geht immer eine Entscheidung zur Veränderung voraus“, sagt Blink. Er ist die notwendige, aber nicht sonderlich beliebte Zwischenphase, die den Übergang zu einem neuen Lebensabschnitt einleitet. Und gerade daraus erwächst seine Bedeutung. Diese geht einher mit seiner besonderen Ästhetik. In der speziellen Dynamik des Umzugs entstehen skurrile Stillleben, temporäre Skulpturen von Alltagsgegenständen, eine Neuordnung von Material, Momente des Chaos, lokalisiert im Treppenhaus. Die Atmosphäre des Vorübergehens und des Neuanfangs verbinden sich in ihm.

Dieser Prozess steht auch der taz bevor. Initiiert von Brigitte Werneburg, Kunstredakteurin der taz, soll daraus zusammen mit Evi Blink ein Projekt entstehen. Die Fotografin wird den nahenden Umzug der Zeitung begleiten, aufarbeiten und ausstellen. Sie diskutieren im Meeting über Möglichkeiten der Präsentation. Für Blink steht fest, dass die Dynamik angemessen zur Darstellung kommen muss. Auf performative Weise will sie Abläufe, ProtagonistInnen und Emotionen des Umzugs in einer Art experimenteller Ausstellung erfahrbar machen. Damit kann diese selten gesehene Schnittstelle zwischen zwei Zuständen in ihrer Ambivalenz zur Anschauung kommen. Blink kündigt so einen spannenden Konventionsbruch unserer visuellen Erinnerungsgewohnheiten an.

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https://blogs.taz.de/tazlab/2018/04/21/momente-des-chaos-lokalisiert-im-treppenhaus/

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