vontazlabteam 21.04.2018

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Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – der taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Von Sonja Lindhauer

Das Publikum blickt neugierig auf die Frauen, die auf dem Podium sitzen. Und diese blicken entspannt zurück. Sie sind Freundinnen und die Putzkräfte der taz. Jedes Inshallah, dass es laut Moderatorin und taz-gazete-Redakteurin Ebru Taşdemir gebraucht hat, um die türkischstämmigen Frauen heute zusammenzubringen, hat sich gelohnt: Das intime und immer wieder witzige Gespräch ist ein Gewinn für alle Seiten.

Neben der lockeren Moderation und Übersetzung durch die Redakteurin sind es die Frauen selbst, die für eine von Beginn an unkomplizierte, offene und angenehme Atmosphäre sorgen. Nacheinander stellen sie sich vor, berichten wann sie nach Deutschland gekommen sind, erzählen von ihren Kindern – und auch davon, dass ihnen das tägliche Putzen bei der taz Spaß macht. Weil sie Freundinnnen sind. Und, auch wenn es laut Taşdemir „keine taz-Werbeveranstaltung ist“, weil alle so warmherzig zu ihnen sind. Der erste Lacher, dicht gefolgt vom zweiten: Eine der Frauen ergänzt, dass sie die meisten Mitarbeiter_innen sowieso nicht sehen.

„Man macht es eben“

Kein Wunder – bei einer Arbeitszeit von 6.00 bis 8.30 Uhr. Trotzdem möchten sie, dass ihre Arbeit bemerkt wird. Das wird hoffentlich im neuen taz-Gebäude besser, sagt eine, im alten könne man die Sauberkeit gar nicht sehen. Das Publikum ist  neugierig auf das Leben und den Alltag dieser Frauen. In den zahlreichen Fragen wird deutlich: Es gibt Berufe, über die man nicht spricht. Den Dreck von anderen wegzumachen, gehört offensichtlich dazu. Dabei sind die Frauen stolz auf das, was sie leisten. Ein Arzt oder Chirurg, saget eine, würde sich ja auch manchmal ekeln, „aber man macht es eben“.

Und man muss es auch können: Eine der Frauen erklärt, dass professionelles Putzen viel mehr Aufmerksamkeit bedürfe, als bei sich selbst zu Hause. Ihr Familienalltag sei auch nicht besonders eingeschränkt durch die Arbeit: „So wie Sie ihr Sozialleben organisieren, tun wir das auch. Und so früh gehen wir jetzt auch nicht ins Bett.“

Es ist eine Frage aus dem Publikum, die das Gespräch noch weiter öffnet: Wer hat hier alles schonmal einen Putzjob gehabt? Viele Hände gehen hoch. Und viele teilen, so wie eine der taz-Putzkräfte, die Erkenntnis darüber, „wie das Leben ist“: Es gibt wertschätzende und es gibt unangenehme Menschen.

An dem Manko, dass es beim Putzen in einer Zeitung immer das Gleiche ist (weil der Müll eben immer aus Zeitungen besteht), wird sich wohl nichts ändern. Trotzdem war dieses Gespräch für die Frauen eine Chance, ihren Stolz auf ihre Arbeit zu zeigen. Und das Publikum dankt es mit großem Respekt.

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http://blogs.taz.de/tazlab/2018/04/21/sie-gehen-wenn-wir-kommen/

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