vontazlab 23.04.2018

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Von Nantke Garrelts

Meera Zaremba, Campaignerin bei Mein Grundeinkommen e. V., bringt es auf den Punkt: “Ein gesundes Verhältnis zur Erwerbsarbeit erfordert existentielle Sicherheit” Laut Studien werden 47% der bestehenden Jobs in den kommenden 25 Jahren wegfallen. Das Problem: Wir definieren uns über Arbeit. Von wegen “Die Würde des Menschen ist unantastbar.”

“Die Arbeit des Menschen ist unantastbar” sei unsere Maxime, meint sie. Die Mentalität der Vollbeschäftigung als Allheilmittel führe zu einem absurden Arbeitsfetisch, der nicht den Sinn der Beschäftigung hinterfrage.

Und worum geht es beim Grundeinkommen? Michael Bohmeyer, Gründer Mein Grundeinkommen, ist da ganz unbescheiden: “Ich glaube, dass das Grundeinkommen das einzige angemessene Element ist, um diese Welt zu retten.” Angesichts all der Krisen, die ihn schon beim Aufschlagen der Zeitung fluchen lassen, will er seinen Beitrag leisten und verlost mit einem Grundeinkommen im Rücken nun selbst das Paket, das von Spendern finanziert wird.

“Das hat die Kraft, die Welt zu verändern”

Drei Phasen des Grundeinkommens hat er erlebt: Das Gefühl der Abhängigkeit von den Spendern, dann der Lernprozess, die Freiheit auszuhalten und lieb zu sich zu sein und am Ende das Entdecken er Verantwortung. “Das hat die Kraft, die Welt zu verändern”, glaubt Bohmeyer. Die Bestätigung und die Sicherheit, die das Grundeinkommen mit sich bringt, machen die Empfänger des Grundeinkommens zu zufriedeneren Menschen – so hat er es bei den Menschen, die das Grundeinkommen von seinem Verein bekommen, beobachtet.

Auch auf Menschen, die selbst gar kein Grundeinkommen bekommen, löst das Konzept schon etwas aus: Moderatorin Donata Kindesperk jedenfalls hat es zum Nachdenken gebracht, über Abhängigkeit und Freiheit. Ganz gerührt zeigte sie sich von den gesprächen mit taz lab-Besuchern über das Konzept und wie auch die anderen Verlosungsteilnehmer sich Gedanken machten über ihr Leben und ihre Abhängigkeit von Konsumgütern.

Auf der Bühne erzählen die, die es schon bekommen haben, wie ich ihr Leben dadurch verändert hat: Meike fasste den Mut, ihren Job zu wechseln, schlechte Angebote abzulehnen oder schlecht bezahlte Herzensprojekte anzunehmen. Der Gewinner des 158. Grundeinkommens bezeichnet sich als Überlebenskünstler, hat lange unter dem Existenzminimum gelebt, bekam dann aber seinen Traumjob. Deshalb war das Grundeinkommen nicht mehr notwendig zum Überleben und er unterstützt Projekte, die ihm am Herzen liegen, zum Beispiel ein Musikprojekt für Kinder.

Die GewinnerInnen der Verlosung

Weil so viel Reden über das bedingungslose Grundeinkommen Lust auf ebendieses macht, drehen Meera und Michael die Kugeltrommel und das Glücksrad: Erster Gewinner war ein Kind, nämlich das Kind von Jens Barfuß. Das 161. jemals verloste Bedingungslose Grundeinkommen geht an Benno, der mehr Eis essen und ein eigenes Brettspiel erfinden will. Die Kinder hatten Glück an diesem Abend: Das Kind von Flo gewann das dritte Paket von 1.000 Euro monatlich für ein ganzes Jahr. CharlottePower will dem “Typ mit dem offenen Bein Mullbinden und Croissants kaufen”.

Sarah hat so viel mit ihrem Grundeinkommen vor, dass das mit dem Entspannen schon schwer wird: Sie will reisen, mehr Bio- und Regionalprodukte kaufen. Und noch ein Kind gewinnt: Aliki, das Kind der Teilnehmerin Kristina, bekommt insgesamt 12.000 Euro.

Dann geht ein Jubel durch den Saal: Endlich ein Los mit der ersten Ziffer 6, die auf den meisten noch am taz la verteilten Losen steht, Gabriel Pregizer ist aber trotzdem nicht anwesend. Der User “Ric_S” gewinnt das 167. Bedingungslose Grundeinkommen.

 

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